Gudenus: Ein Feind der offenen Gesellschaft

Kolumne24. April 2018, 16:37
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Johann Gudenus ist die Nummer zwei hinter Strache. Er ist kein Hinterbänkler, sondern der Vertreter des kleineren Regierungspartners

Der Bundeskanzler der Republik Österreich, Sebastian Kurz, hat sich knapp von der Megaverschwörungstheorie bezüglich des ungarisch-amerikanischen Financiers und Philanthropen George Soros distanziert.

Diese antisemitisch unterlegte Verschwörungstheorie wurde vom ungarischen Autokraten Viktor Orbán massiv im Wahlkampf eingesetzt, in der Folge aber auch von FPÖ-Politikern, Vizekanzler H.-C. Strache, Klubobmann Johann Gudenus und Infrastrukturminister Norbert Hofer, aufgegriffen und bestätigt. Gudenus etwa sagte in einem Presse-Interview, es gäbe "stichhaltige Gerüchte" (!), dass George Soros daran beteiligt ist, "wenn es darum geht, gezielt Migrantenströme nach Europa zu unterstützen".

Diese "stichhaltigen Gerüchte" haben keine Basis in der Realität. Soros hat vielmehr die Demokratiebewegungen in Osteuropa massiv unterstützt.

Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte also, er lehne "derartige Aussagen" ab. Das Problem dabei ist aber, dass die Führungsriege seines Koalitionspartners voll hinter "diesen Aussagen" steht.

Über Johann Gudenus hat Alexander Pollak von der NGO SOS Mitmensch eine Broschüre unter dem Titel "Der Hassprediger" veröffentlicht. Aufgrund der Äußerungen und Handlungen von Gudenus kann man tatsächlich, wie Pollak, zu dem Schluss kommen, dass "das politische Lebenswerk von Johann Gudenus zu einem Gutteil darin (besteht), systematisch das zu pflegen, was der Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer 'gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit' nennt".

Gudenus reiste 2012 zu dem tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow und bescheinigte ihm volle Unbedenklichkeit. In einer Rede in Moskau (er studierte an der Lomonossow-Universität) warnte er vor einer "äußerst mächtigen Homosexuellenlobby", die die "absolute Gleichberechtigung von Homosexuellen und Lesben" (!) wolle. In Österreich sei eine Verschwörung am Werk, die bis zum "Austausch der Bevölkerung" gehe. In einer Wiener Rede sagte er, wenn die FPÖ an der Macht wäre, "dann heißt es Knüppel aus dem Sack" für "ausländische Sozialschmarotzer" etc. Zuletzt feierte Gudenus mit fragwürdigen serbischen Oligarchen aus der rechtesten Ecke.

Die Wiener FPÖ, aus der Gudenus stammt, versucht bereits die Übersiedlung der "Central European University", die von George Soros gegründet wurde, von Budapest nach Wien zu hintertreiben. Soros hat sich immer von der Idee der (geistig) "offenen Gesellschaft" leiten lassen, die auf den austrobritischen Philosophen Sir Karl Popper zurückgeht. Dessen Hauptwerk heißt "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde". Zu den Feinden muss man wohl Leute wie Gudenus zählen. Möglich, dass er diese rechten Wahnideen sogar glaubt.

Gudenus ist die Nummer zwei hinter Strache. Er ist kein Hinterbänkler, sondern der Vertreter des kleineren Regierungspartners. Kanzler Kurz hat keinen Einfluss auf die Personalpolitik der FPÖ, aber er hat an der Führungsspitze seines Koalitionspartners eine mit demokratischer Kultur unvereinbare Person. (Hans Rauscher, 24.4.2018)

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