Nie satt: Wenn das Hirn immer hungrig ist

    24. April 2018, 10:15
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    Forscher haben herausgefunden, dass im Gehirn von adipösen Menschen die Gewinnung von Energie aus Glukose stark vermindert sein kann

    Lübeck – Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sind weltweit etwa 650 Millionen adipös. Im Kampf gegen die extreme Form von Übergewicht setzen Ernährungsexperten häufig auf Programme zur Gewichtsreduktion wie Diätpläne, Ernährungsumstellung und Sportprogramme. Diese Maßnahmen sind häufig nicht nachhaltig und führen langfristig dazu, dass die Betroffenen noch mehr zunehmen. Dieses Phänomen ist als Jo-Jo-Effekt bekannt.

    Forscher der Universität Lübeck haben nun einen möglichen neuen Ansatz im Kampf gegen Adipositas entdeckt. Bereits im Jahr 2010 konnte das Wissenschafterteam um Kerstin Oltmanns beobachten, dass es einen Zusammenhang zwischen steigendem Körpergewicht und reduziertem Energiegehalt im menschlichen Gehirn gibt. Die Ursache für den niedrigen Energiestatus war allerdings völlig unklar.

    Reduzierter Energiestatus im Gehirn

    In einer experimentellen Studie konnten die Forscher nun nachweisen, dass bei adipösen Menschen eine Störung der Energiegewinnung im Gehirn vorliegt. Für die Untersuchung, die kürzlich im Fachmagazin "Metabolism" veröffentlicht wurde, erhielten adipöse und normalgewichtige Männer eine intravenöse Glukoseinfusion. Danach wurden die Veränderungen des Energiestatus im Gehirn mit einer 31P-Magnetresonanz-Spektroskopie bestimmt.

    Das Ergebnis: Bei der normalgewichtigen Gruppe stieg der Hirnenergiegehalt nach der Glukosegabe sofort an, während sich bei den adipösen Studienteilnehmern keine Veränderung zeigte. Erst nach einer starken Anhebung des Blutzuckers war ein geringer Anstieg im Gehirn der stark übergewichtigen Probanden messbar.

    Verhaltensänderung statt Diätpläne

    Das könnte erklären, warum adipöse Menschen häufig kein Sättigungsgefühl spüren, lautet die Schlussfolgerung der Forscher. Die Empfehlung der Wissenschafter: Eine Verhaltenstherapie wäre zur Behandlung von Adipositas möglicherweise erfolgreicher als Diätpläne.

    Zumindest legen das die ersten Ergebnisse einer noch laufenden Studie nahe. Demnach führte ein speziell für adipöse Menschen entwickeltes verhaltenstherapeutisches Programm zu einer Verbesserung der Sättigungswahrnehmung. Der Effekt: Die Probanden aßen weniger und nahmen dadurch ab. (red, 24.4.2018)

    • Das Gehirn braucht Zucker, um arbeiten zu können.
      foto: getty images/istockphoto

      Das Gehirn braucht Zucker, um arbeiten zu können.

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