Julya Rabinowich: Wolf versus Fox, das ist Brutalität

20. April 2018, 17:00
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Verwirrenden Einzelteile, die den Blick fürs Wesentliche vernebeln

Unabhängigkeit wird überschätzt. Man muss sich endlich bewusst werden, was für eine belästigende Überforderung der Genuss nicht gleichgeschalteter Medien im Bewusstsein des modernen Menschen anrichtet. Da gibt es nicht nur A und B, schwarz und weiß, den Führer und das Volk. All diese verwirrenden Einzelteile, die in Summe mehr ergeben, vernebeln den Blick fürs Wesentliche.

Und dann fehlt dem modernen Menschen der Fokus. Angst und Schrecken, Hysterie und Aversion, nie versiegende Konsumfreude wollen gepflegt werden und brauchen auch gewissen Speicherplatz in den zugehörigen Birnen-Festplatten. Und je mehr variable Informationen da in jenem Bewusstsein herumkugeln, das menschlich, allzu menschlich und begrenzt ist, im Unterschied zu Gott und der Dummheit, desto abgelenkter, desto kratzbürstiger, kurz desto unbrauchbarer der an die Grenzen seiner Kapazität getriebene Untertan!

Das neueste Feindbild, der hippste Trend unterliegen saisonalen Schwankungen. Waren vor einem Jahr noch der Ausländer und das grüne Prada-Tascherl up to date, so ist es jetzt vielleicht schon der Arbeitlose vulgo Durchschummler oder die Alleinerzieherin – und dunkelblaue zerstörte Jeans. Putin, Orban, Erdogan und diverse Nachhilfeschüler meinen es nur gut mit ihren Mitbürgern. Sie sichern Ruhe, Frieden, Wirtschaft und bedienen gleichzeitig auch die soziale Ader, indem sie Menschen, die wenig Chancen in unabhängigen Betrieben hätten, zu Spitzenfunktionen verhelfen. In Ländern, in denen man diese Segnungen einfach noch nicht in ihrer Vollwertigkeit erkannt hat, schlägt man sich mit den spitzen Zungenfedern diverser Störenfriede herum. Wolf ist eben nicht Fox. Mit Gegenwehr ist also nach wie vor zu rechnen. (Julya Rabinowich, 20.4.2018)

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