Würden wir die Spuren einer versunkenen Dinosaurier-Zivilisation erkennen?

21. April 2018, 16:00
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Forscherteam beschäftigte sich mit Frage, was das geologische Erbe von Hochzivilisationen sein könnte

illustration: university of rochester/michael osadciw
Eine Szene wie aus der 90er-Jahre-Sitcom "Die Dinos" haben die Forscher ihrem Paper als Illustration mit auf den Weg gegeben.

Rochester – In der Folge "Distant Origin" ("Herkunft aus der Ferne") der TV-Serie "Star Trek: Voyager" begegnet die Crew der Voyager den raumfahrenden Nachkommen von Hadrosauriern. Die hatten einst auf der Erde eine Hochzivilisation gegründet, um sich dann vor der globalen Katastrophe vor 66 Millionen Jahren in die Weiten der Galaxis abzusetzen.

Das in der Science Fiction immer wieder mal auftauchende Motiv von irdischen Zivilisationen vor der Ära des Menschen hat ein Astrobiologenteam nun zum Ausgangspunkt eines Gedankenspiels genommen. Veröffentlicht wurde dieses als eines der ungewöhnlicheren Papers der Woche im "International Journal of Astrobiology".

Die silurische Hypothese

Adam Frank von der privaten University of Rochester und Gavin Schmidt vom Goddard Institute for Space Studies der NASA nehmen zwar auf die Idee von intelligenten Dinos als Beispiel Bezug, denken aber in noch größeren Zeiträumen: Immerhin verweist ihre "silurische Hypothese" auf das Zeitalter des Silur vor 443 bis 419 Millionen Jahren.

Gegenstand der Hypothese ist aber nicht die Behauptung, dass es eine solche Zivilisation gegeben habe – die Forscher beeilen sich sogar klarzustellen, dass es für so etwas keinerlei Hinweise gibt. Vielmehr wollen sie damit der Frage nachgehen, ob und welche geologischen Spuren eine industrielle Zivilisation wie die unsere hinterlassen würde. Letztlich zählt ihr Paper also zur aktuellen Forschungsdiskussion um die Eigenschaften und Konsequenzen des Anthropozäns, des vom Menschen geprägten Erdzeitalters.

Insgesamt würde sich das geologische Erbe einer Zivilisation auf den ersten Blick nur geringfügig von den Schichten darüber und darunter unterscheiden, bilanzieren die Forscher. Es sei schwierig, nachträglich natürliche von künstlichen Einflüssen zu trennen. Mit Blick auf heute glauben Frank und Schmidt aber einige Faktoren herausfiltern zu können, die typisch für eine Zivilisation mit hohem Energiebedarf sind.

Auf die Isotopen achten

Eines der Beispiele aus unserer Ära sei der massive Verbrauch fossiler Energiequellen: Dieser habe den globalen Kohlenstoffzyklus bereits so verändert, dass dies an der Verteilung von Kohlenstoffisotopen ablesbar ist. Landwirtschaft in großem Stil hat nicht nur die Erosion beschleunigt, sondern auch durch Düngereinsatz den Stickstoffkreislauf durcheinander gebracht.

Dazu kommen künstlich hergestellte Stoffe von Plastik bis zu Steroiden, die, einmal in Umlauf gebracht, bei geochemischen Analysen noch Millionen Jahre später nachweisbar wären – möglicherweise sogar Milliarden, so die Forscher. Und rechnet man noch die Möglichkeit eines Nuklearwaffeneinsatzes ein, würde das erneut auffällige Isotopen-Verteilungen hinterlassen.

Eine Hochzivilisation hinterlässt also ihr chemisches Erbe: Entsprechende Analysen sollten bei künftigen Planetenerkundungen miteinbezogen werden, sagt Schmidt – auch wenn die von ihm genannten Beispiele Mars und Venus nicht wirklich überzeugend sind: Der Mars hatte nur ein relativ kurzes Zeitfenster, in dem er lebensfreundlich gewesen sein könnte, und bei der Venus ist dies noch ungewisser.

Unterm Strich

Eine ironische Folgerung aus ihrer Hypothese ist laut Schmidt, dass man auf diese Weise nur die Spuren gescheiterter Zivilisationen finden würde: Sie wären durch ihre massiven Eingriffe in die Natur kurz aufgeblüht, aus dem gleichen Grund aber bald wieder untergegangen. Langfristig könnten Kulturen nur überlebt haben, wenn sie einen nachhaltigen Umgang mit ihrem Heimatplaneten gelernt hätten. Dann allerdings würde man in späteren Zeitaltern kaum noch Spuren von ihnen finden.

Für den Fall, dass unsere eigene Zivilisation scheitert, hat Frank indes eine nüchterne Betrachtung als "Trost" anzubieten: Die Erde selbst wird weiterbestehen. "Es geht nicht darum, 'die Erde zu retten'", so Frank. "Egal, was wir dem Planeten antun, wir schaffen bloß Nischen für den nächsten Zyklus der Evolution. Aber wenn wir auf unserem jetzigen Weg weitermachen, werden wir Menschen vielleicht kein Teil dieser fortlaufenden Evolution mehr sein." (jdo, 21. 4. 2018)

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