Forscher identifizieren Ursache von Gehirntumoren bei Kindern

    20. April 2018, 06:00
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    Unreife Stützgewebezellen im Zentralnervensystem seien hauptverantwortlich für das "Diffuse Mittelliniengliom" – Zwei mögliche Angriffsziele für Therapie entdeckt

    Wien – Das "Diffuse Mittelliniengliom" ist eine derzeit unheilbare Krebserkrankung im Gehirn und Rückenmark, die meist Kinder, seltener auch Erwachsene betrifft. Solche Tumore bestehen vor allem aus unreifen Stützgewebezellen, fand die österreichische Medizinerin Mariella Filbin mit Kollegen heraus. Die Forscher entdeckten auch Angriffsziele für Therapien, wie es in der Studie im Fachmagazin "Science" heißt.

    Die Tumore treten stets in einem genau definierten Bereich auf (der Mittellinie des Zentralnervensystems), und sind von einer speziellen Genveränderung (H3-K27M) gekennzeichnet. Außerdem entstehen sie gehäuft bei Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren.

    Zelltypus, der sich rasch teilt und vermehrt

    Dieses Muster lasse darauf schließen, dass ein bestimmter Zelltyp, der in diesem Stadium rasch wächst, besonders leicht durch diese Genveränderung zur Krebszelle wird, schreiben die Forscher in dem Fachartikel. Das Team um Filbin, die Teile der Arbeit an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien durchgeführt hat und nun am Dana Farber Cancer Institute in Boston (USA) arbeitet, hat diesen Zelltypus identifiziert.

    Es handelt sich dabei um sogenannte Oligodendrozyten-Vorläuferzellen. Dies sind unreife Stützgewebezellen im Zentralnervensystem. Im Gegensatz zu fertigen Oligodendrozyten können sie sich rasch teilen und vermehren, und sind somit prädestiniert, Krebs auszulösen. Die Genveränderung blockiert vermutlich ein Programm in den Zellen, das ihre Entwicklung zu "erwachsenen" Zellen forciert.

    Die Mediziner fanden auch zwei "Achillesfersen" solcher Tumorzellen. Erstens bilden sie an der Oberfläche einen Eiweißstoff (PDGFRA) aus, der ein mögliches Angriffsziel für Therapien ist. Zweitens gibt es einen Genregulator (BMI1) in den Zellen, der in solchen Tumoren vermehrt aktiv ist. Wenn man ihn pharmazeutisch blockiert, haben solche Krebszellen ein verkürztes Leben, konnten die Wissenschafter in Laborversuchen zeigen. (APA, 20.4.2018)

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