Studie: Zehn Prozent der vegan ernährten Kinder sind zu klein

    19. April 2018, 11:40
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    Ein zu geringes Wachstum könnte ein Anzeichen für eine nicht optimale Ernährung sein – doch die Studie weist Mängel auf

    Berlin – Eine rein pflanzliche Ernährung von Kleinkindern kann in Einzelfällen zu Wachstumsverzögerungen führen. In einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie waren zehn Prozent der vegan ernährten Kinder und sechs Prozent der Vegetarier zu klein für ihr Alter. Dies könne ein Anzeichen einer nicht optimalen Ernährung sein, sagte Studienleiter Markus Keller von der Fachhochschule des Mittelstands.

    Allerdings weist die Studie Mängel auf: Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, die 364 Probanden wurden nicht nach den Zufallsprinzip ausgewählt. Zudem fehlt der Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die Fleisch isst. Zudem kommt die Untersuchung zu widersprüchlichen Ergebnissen. So betonen die Studienautoren, dass zwar zehn Prozent der vegan ernährten Kinderzu klein für ihr Alter sind, aber vegetarische und vegane Ernährung bei Kleinkindern durchaus funktionieren könne. 90 Prozent dieser Kinder hätten sich größen- und gewichtsmäßig normal entwickelt. Bei Eltern bestehe teilweise aber Bedarf für eine Ernährungsberatung. Bei Kindern, die Tier- und Pflanzenprodukte aßen, habe es keine Defizite gegeben, jedoch drei Prozent Übergewichtige.

    Abwechslungsreiche Kost empfohlen

    Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, "dass auch eine vegane oder vegetarische Ernährung im Kleinkindalter bedarfsdeckend sein kann, wenn auf eine ausreichende Zufuhr von Nahrungsenergie und kritischen Nährstoffen, insbesondere Vitamin B12, geachtet wird". Es wurden allerdings keine Blutproben genommen.

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Kinder und Jugendliche, die sich vegetarisch ernähren, eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost mit Milch und Eiern. Bei veganer Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen aus Sicht der DGE nicht oder nur schwer möglich. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte lehnt Veganismus bei Kindern und Jugendlichen "kategorisch" ab und hält eine vegetarische Ernährung ebenfalls für weniger bedenklich.

    Fleischlos in Österreich

    Auch in Österreich nimmt der Trend, sich fleischlos zu ernähren, zu. Das zeigten zwei aktuelle Befragungen zum Thema vegane und vegetarische Ernährung. Lebten 2005 noch rund drei Prozent fleischlos, bezeichnet sich heute jeder zehnte Österreicher als vegetarisch oder vegan. Jeder vierte gilt als Flexitarier und konsumiert Fleisch ganz bewusst. Veganern ist ihre Lebensweise besonders viel wert – sie haben mit 50 Prozent eine extrem hohe "Aufzahlungsbereitschaft" für ihre Produkte, berichteten zwei Meinungsforschungsinstitute am Donnerstag in Wien.

    Selbst im Land der Fleischtiger verzichten immer mehr oder zumindest immer häufiger auf Schnitzel, Schweinsbraten und Würstel: "Das gesamtgesellschaftliche Ernährungsbewusstsein dürfte im Steigen begriffen sein", meinte Felix Josef, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Triconsult im Rahmen der Studienpräsentation "Sind Vegetarier und Veganer die besseren Konsumenten?".

    Vor allem Veganer erwiesen sich der Untersuchung zufolge als besonders interessante Zielgruppe. Sie würden rund die Hälfte mehr für Lebensmittel bezahlen, wenn diese ihren Anforderungen entsprechen – unabhängig von ihrem Einkommen. Vegetarier sind bereit, fast 30 und Flexitarier rund 25 Prozent mehr Geld beim Einkaufen auszugeben, so die Befragung von rund 1.000 Personen.

    Moralisch-ethische Motive

    Etwa neun von zehn "Veggies" (Vegetarier 87 und Veganer 85 Prozent) entsagen Steak & Co. vor allem aus moralisch-ethischen Gründen. "Veggies" nennen zu rund 65 Prozent Massentierhaltung. Knapp ein Drittel der Vegetarier (31 Prozent) mag den Geschmack von Schnitzel oder anderer Fleischgerichte nicht.

    "Meinungsraum"-Geschäftsführer Herbert Kling sprach von einem "Boom des Veganismus beziehungsweise Vegetarismus". Als Konsumenten besonders interessant sind die 765.000 österreichischen Veganer, die bei Produkten des täglichen Bedarf vor allem auch Nachhaltigkeit und Kennzeichnung Wert legten.

    Für 86 Prozent steht die Tierversuchsfreiheit im Vordergrund, 81 Prozent bestehen darauf, dass keinerlei tierische Stoffe enthalten sind und 60 Prozent auf die genaue Kennzeichnung der Produkte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis tritt in den Hintergrund. "Veggies" legen in fast allen Produktkategorien doppelt so häufig Wert auf bewussten Konsum. Acht von zehn engagieren sich zudem aktiv für Umwelt-, Natur- und Tierschutz. (APA, dpa, red, 19.4.2018)

    • Eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen von Kindern ist bei veganer Ernährung aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht oder nur schwer möglich.
      foto: apa/dpa/jan haas

      Eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen von Kindern ist bei veganer Ernährung aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht oder nur schwer möglich.

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