Chinesisches Pilotprojekt: Ein Schlot, der Frischluft ausbläst

19. April 2018, 11:16
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Die Millionenmetropole Xi’an ist der Standort eines Typs von Lufttreinigern im Großformat: 60 Meter hoher Turm errichtet

foto: apa/afp/fred dufour

Peking – Im Kampf gegen die hohe Luftverschmutzung in Großstädten haben chinesische Ingenieure etwas entwickelt, das neben dem praktischen Nutzen auch eine nicht zu verkennende symbolische Seite hat: Es sieht wie der Schornstein einer Fabrik aus, bläst aber weder Rauch noch Abgase in die Umgebung, sondern ganz im Gegenteil gereinigte Luft.

Standort des 60 Meter hohen Turms ist die Millionenmetropole Xi’an in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi. Das Grundprinzip ist recht einfach: Die in den Turm gesaugte verschmutzte Luft wird erwärmt und steigt daher auf. Während des Aufsteigens passiert sie reine Reihe von Filterschichten, die sie von Feinstaubpartikeln befreien – bis sie oben austritt, soll die Luft laut den Projektbetreibern passabel aufgefrischt sein. Die Energieversorgung des zehn Meter durchmessenden Turms erfolgt durch Solarstrom.

foto: apa/afp/fred dufour

Laut den Projektbetreibern kann der Turm zwischen 5 und 18 Millionen Kubikmeter Luft pro Tag reinigen, je nach Wetter, Jahreszeit und dem Niveau der Umweltbelastung. Die Belastung mit Feinstaub der gefährlichen Partikelgröße von 2,5 Mikrometern könne er auf einem Gebiet von zehn Quadratkilometern um 10 bis 19 Prozent verringern.

Solche Partikel sind besonders gefährlich, da sie tief in die Atemwege eindringen können. Asthma, Allergien, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen sind die möglichen Folgen.

foto: apa/afp/fred dufour

Der Turm läuft zunächst im Testbetrieb, weitere, noch wesentlich größere, sind bereits in Planung. Laut dem Umweltexperten Cao Junji müssten allerdings hunderte solcher Türme aufgestellt werden, um das gesamte 1.000 Quadratkilometer große Stadtareal abzudecken.

Und billig ist die Methode auch nicht: Der Bau eines solchen Turms kostet umgerechnet 1,5 Millionen Euro, der Betrieb noch einmal etwa 26.000 pro Jahr. Dennoch planen die Projektbetreiber bereits weitere Türme und versuchen auch andere Stadtverwaltungen dafür zu gewinnen.

foto: apa/afp/fred dufour

Die chinesische Regierung hat der starken Luftverschmutzung, der Kehrseite von Industrialisierung und Wirtschaftsaufschwung, den Kampf angesagt. In einigen Regionen ist die Luft so schlecht, dass die Menschen nur noch mit Mundschutz vor die Tür gehen. Viele Chinesen besitzen auch Luftreiniger für ihre Wohnungen.

Im vergangenen Winter hatten die Behörden die Produktion zahlreicher Fabriken eingeschränkt, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren. In 28 Städten um die Hauptstadt Peking wurden strenge Regeln eingeführt, was viele Haushalte zur Umrüstung von Kohle- zu Gas- oder Elektroheizungen zwingen dürfte. (red, APA, 19. 4. 2018)

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