Bundesländer im Energiecheck: Keine "Klimaschutzpioniere"

    18. April 2018, 13:36
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    Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg haben bei der Energieeffizienz in Gebäuden laut Global 2000 die Nase vorn

    Die Umweltorganisation Global 2000 hat kürzlich zum zweiten Mal ihren "Wohnbaucheck" durchgeführt. Anhand von neun Kriterien wurde dabei die Wohnbaupolitik der österreichischen Bundesländer hinsichtlich ihrer Anstrengungen für die Umsetzung der Energiewende im Raumwärmebereich bewertet.

    Das Ergebnis: Weiterhin gibt es keinen "Klimaschutzpionier" unter den Bundesländern. Mit Niederösterreich, Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg und Wien seien aber immerhin sechs Länder in einer sogenannten "Verfolgergruppe", die "mit einer entschlossenen Politik auf einen aussichtsreichen Kurs gelangen können", schreibt die Umweltorganisation.

    Als "Klimaschutznachzügler" werden Tirol und insbesondere die Steiermark und das Burgenland eingestuft. Die beiden Letztgenannten hätten nämlich weder beim Ausstieg aus Öl und Gas noch bei der Gebäudeeffizienz seit letztem Jahr Fortschritte erzielt; Tirol sei immerhin in Sachen Effizienz weitergekommen, urteilt Global 2000. In allen drei Bundesländern zeige der Zehnjahrestrend aber sogar einen Zuwachs an Gasheizungen, was "mit dem Gelingen der Energiewende im Raumwärmebereich nicht vereinbar" sei. In diesem Punkt kritisiert Global 2000 mangelndes Bewusstsein: Vielfach werde Erdgas als umweltfreundlich beworben und sogar gefördert, obwohl es auch für diesen fossilen Energieträger einen Ausstiegsplan brauche.

    Ölheizungsverbot in NÖ

    Niederösterreich, Vorarlberg und Salzburg wurden am besten bewertet. In Niederösterreich wurde insbesondere das Verbot neuer Ölheizungen im Neubau sehr positiv wahrgenommen, wie alle anderen Bundesländer ist Niederösterreich aber auch an der selbst festgelegten Sanierungsrate von drei Prozent gescheitert. Mit 0,8 Prozent erreichte Oberösterreich die höchste Sanierungsrate im Bundesländervergleich, dennoch entsprach auch das nicht der im oberösterreichischen Masterplan "Energiezukunft 2030" festgeschriebenen Steigerung.

    In Salzburg konnte in den letzten Jahren der Einsatz von Ölheizungen deutlich reduziert werden, was in der Bewertung entsprechend positiv berücksichtigt wurde. Negativ bewertet wurde jedoch die stagnierende Entwicklung bei Gasheizungen.

    Auch in Vorarlberg trug der starke Rückgang bei Ölheizungen maßgeblich zur guten Bewertung bei, "der mit weiteren Nachbesserungen einen nahezu vollständigen Erdölausstieg für Raumwärme bis 2030 trotz der hohen Anzahl an Ölheizungen im Land möglich erscheinen lässt", schreibt Global 2000. Negativ bewertet wurde aber auch hier die weite Verfehlung der in der "Energieautonomie Vorarlberg" festgelegten Sanierungsrate von drei Prozent des Bestands.

    "Die niedrige Sanierungsaktivität widerspricht den Klimastrategien der Bundesländer, die eine deutliche Steigerung vorsehen. Es braucht in allen Bundesländern eine deutliche Sanierungsoffensive und mehr Geld für die thermische Sanierung. Langfristig spart das auch den Bürgern viel Geld. Derzeit werden Chancen, die regionale Wirtschaft zu beleben und Arbeitsplätze zu schaffen, leichtfertig vergeben", mahnt Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000.

    Erfreuliche Fortschritte

    Grundsätzlich seien die bisherigen Fortschritte im Gebäudesektor "erfreulich", so Wahlmüller. Fossile Energieträger seien auf dem Rückzug, und die Effizienz der Gebäude konnte deutlich gesteigert werden. "Alle Bundesländer stehen jetzt vor der großen Herausforderung, etwa 700.000 Ölheizungen in den nächsten Jahren zu ersetzen und der stark eingebrochenen Sanierungstätigkeit entgegenzuwirken", sieht Wahlmüller aber noch deutlichen Handlungsbedarf.

    "Es braucht einen sofortigen Einbaustopp von Ölheizungen in Neubau und Sanierung sowie attraktive Umstiegsangebote, damit ein rascher Ausstieg bis 2030 gelingen kann. Das bringt auch für die Konsumenten Vorteile, weil erneuerbare Energien im Vergleich zu Heizöl sehr preisstabil sind", erklärt Wahlmüller.

    Außer in Niederösterreich und Wien seien aber noch keine Maßnahmen gesetzt worden, neue Ölheizungen ordnungspolitisch zu vermeiden. Der rasche weitgehende Ausstieg aus Erdöl im Bereich der Raumwärme sei in Österreich sowohl rechtlich wie auch technisch und wirtschaftlich möglich. "Um den negativen Einflussnahmen der Mineralölwirtschaft entgegenzuwirken, braucht es jetzt klare politische Entscheidungen auf der Bundesländerebene", fordert Wahlmüller deshalb. "Kommen hier nicht schnellstmöglich Eingriffe, ist aufgrund der Langlebigkeit von Heizsystemen auch ein Ausstieg aus Öl bis 2050 bald nicht mehr in Reichweite." (red, APA, 18.4.2018)

    • Alle Bundesländer stehen vor der großen Herausforderung, in den nächsten Jahren etwa 700.000 Ölheizungen zu ersetzen.
      foto: matthias cremer

      Alle Bundesländer stehen vor der großen Herausforderung, in den nächsten Jahren etwa 700.000 Ölheizungen zu ersetzen.

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