Fotomanipulation in Vorarlberg: Fake-Politics

Kommentar17. April 2018, 14:40
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Es gibt Grenzüberschreitungen im Kampf um das günstige Bild. Die nachträgliche Fotomontage ist so eine

"Stay on message", das gehört zum kleinen Einmaleins des politischen Handwerks: Überlege dir eine Botschaft und rede über nichts anderes. Mancher Politiker brachte es weit, indem er jede Frage mit dem Ruf nach einer strengeren Zuwanderungspolitik beantwortete.

Das Ansinnen, nur die gewünschte Nachricht zu transportieren, gilt auch für Fotos. Erfolgreiche Politiker inszenieren ihre Botschaften sorgfältig auf Facebook und Instagram. Dafür wird aus hunderten geschossenen Fotos das eine besonders vorteilhafte ausgewählt: das, bei dem der Politiker gerade seine Schokoladenseite zeigt, parteiinterne Kritiker nicht im Hintergrund herumstehen oder störende Objekte nicht ins Bild ragen. Das ist legitim.

Doch es gibt Grenzüberschreitungen im Kampf um das günstige Bild. Die nachträgliche Fotomontage ist so eine. Das Büro des Vorarlberger Landeshauptmanns Markus Wallner veränderte kurzerhand ein Foto von Wallner mit Kanzler Sebastian Kurz (beide ÖVP): Im Hintergrund war das an der Wand hängende Bild einer rauchenden Person zu sehen. Egal ob es sich um einen Joint, eine Zigarette oder eine Zigarre handelte: Das Bild stört Wallners und Kurz' Botschaft, also wurde die rauchende Person durch ein Landschaftsfoto ersetzt. Es passt nicht zur vermittelten Nachricht, befeuert womöglich gar die Debatte ums verhinderte Rauchverbot in der Gastronomie.

Die Montage stellte etwas dar, das nicht wahr ist. Das Foto ist eine Lüge. Das ist insbesondere in Zeiten ein Problem, in denen von der Politik bereitgestellte Fotos eine immer größere Rolle spielen: weil viele Redaktionen bei Fotografen sparen und weil Politiker im Sinne einer möglichst engmaschigen Message-Control zu manchen Terminen gar keine unabhängigen Pressefotografen zulassen.

Natürlich steht hinter der Vorarlberger Retusche kein demokratiefeindlicher Masterplan. Die Manipulation geschah wohl eher unbedacht und im vorauseilenden Gehorsam. Dass der Kanzler auf gute Inszenierung Wert legt, hat sich auch bis nach Bregenz herumgesprochen. Das ganze ist eher zum Lachen – oder auch nicht.

Denn ein Klima, in dem die Wahrheit im Sinne mächtiger Politiker schon ganz nebenbei verdreht wird, ist allerdings gefährlich. Politiker patzten Journalisten zuletzt oft mit dem Vorwurf an, Fake-News zu produzieren – nun betreibt die ÖVP Fake-Politics. Das darf nicht hingenommen werden – auch nicht, wenn es nur um die Kulisse geht. (Sebastian Fellner, 17.4.2018)

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