Deutschklassen kommen doch nur für Schuleinsteiger

    17. April 2018, 12:12
    85 Postings

    Einrichtung ab acht statt sechs Schülern – Faßmann: "Resultate der bisherigen Modelle nicht berauschend"

    Wien – Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hält auch nach der Begutachtung an seinem Gesetzesentwurf zur Einführung von Deutschförderklassen fest. Gegenüber dem Erstentwurf gibt es aber leichte Adaptierungen: So soll eine Deutschförderklasse erst ab acht statt sechs Schülern pro Standort eingerichtet werden, Schulen erhalten etwas mehr Spielraum bei der Organisation.

    So soll der Unterricht in den Deutschförderklassen klassen-, schularten- und schulstufenübergreifend möglich sein – damit ist etwa die Einrichtung einer Art Mehrstufenklasse zur Deutschförderung möglich. Außerdem sollen nicht mehr alle außerordentlichen Schüler eine Deutschförderklasse besuchen müssen, sondern nur jene, die zunächst in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden, oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem. Daraus ergeben sich weniger Deutschklassen als zunächst geplant. Statt rund 230 zusätzlichen Klassen gegenüber den bisherigen Sprachstartgruppen soll es nur rund 80 zusätzliche Klassen geben.

    Ab Schuljahr 2018/19

    Eingeführt werden soll das neue Modell schrittweise ab dem Schuljahr 2018/19. Dafür werden zunächst alle Kinder, denen bei der Schuleinschreibung Deutschmängel attestiert werden, einem einheitlichen standardisierten Test unterzogen. Ergibt dieser, dass dem Unterricht nicht ausreichend gefolgt werden kann, wird das Kind als außerordentlicher Schüler eingestuft und kommt in eine Deutschförderklasse. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet – für Gegenstände wie Zeichnen, Musik und Turnen werden die Kinder altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt.

    Nach jedem Semester soll dann nach einem österreichweit einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können. Ist das der Fall, können sie unmittelbar in die Regelklasse wechseln, ansonsten bleiben sie maximal vier Semester in der Deutschförderklasse. Nach dem Wechsel in die Regelklasse erhalten sie außerdem noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs.

    "Bisherige Modelle nicht berauschend"

    Die neuen Deutschfördermaßnahmen verteidigte Faßmann vehement: "Die Resultate der bisherigen Modelle sind alles andere als berauschend", sagte der Minister bei eine Pressekonferenz am Dienstag. "Es hat wenig Sinn, Schülerinnen und Schüler ohne Vorbereitung ins Sprachbad der Mehrheitsgesellschaft eintauchen zu lassen." Auch eine etwa von der Pflichtschullehrergewerkschaft geforderte Verschiebung der Maßnahme um ein Jahr lehnt er ab: "Verschoben haben wir diese Problematik schon sehr lange." Viele der sich ergebenden Probleme bei der konkreten Umsetzung könnten im Zusammenspiel mit dem Ministerium geklärt werden. "Wir werden bei der Implementierung lernen und auch flexibel sein."

    Sowohl Faßmann als auch der für die Deutschförderklassen und Deutschförderkurse zuständige Abteilungsleiter Martin Netzer zeigten sich zuversichtlich, dass die meisten Schüler in kurzer Zeit in die Regelklassen werden wechseln können. "Es geht nicht um die korrekte Anwendung von Dativ und Akkusativ, es geht um das Folgen des Unterrichts", so Faßmann.

    Am Mittwoch im Ministerrat

    Das Gesetzespaket soll schon am Mittwoch den Ministerrat passieren und im Mai im Nationalrat beschlossen werden. Organisatorisch starten die Deutschklassen bereits im Herbst – vorerst allerdings noch ohne standardisierte Tests bei der Schuleinschreibung (die für 2018/19 schon vorbei ist, Anm.). Diese sollen dann ab Jänner 2019 verfügbar sein.

    Für die Deutschförderklassen gilt die reguläre Klassenschülerhöchstzahl von 25 Kindern. Diese könne vor allem bei schulstufenübergreifender Einrichtung "im Extremfall" durchaus erreicht werden, räumte Netzer ein. Dann würden aber zunächst im ersten Semester zwei Pädagogen dort arbeiten, nach einem Semester würden dann ohnehin die ersten Wechsel in die Regelklassen erfolgen. (APA, 17.4.2018)

    • Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) steht hinter den geplanten Deutschförderklassen.
      foto: apa/hans punz

      Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) steht hinter den geplanten Deutschförderklassen.

    • Artikelbild
    Share if you care.