Chemiewaffenexperten sollen erst am Mittwoch in syrisches Douma reisen

    17. April 2018, 09:44
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    USA und Großbritannien werfen Syrien und Russland eine Verschleppung und mögliche Idizienfälschung vor

    Damaskus – Elf Tage nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Douma sollen sich unabhängige Ermittler an Ort und Stelle ein Bild machen können. Ein hochrangiger russischer Vertreter erklärte am Montag, dass die Untersuchungen der Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in der syrischen Stadt am Mittwoch beginnen könnten.

    OPCW-Chef Ahmet Üzümcü sagte bei einer Dringlichkeitssitzung, dass Moskau und Damaskus "Sicherheitsprobleme" angeführt hätten, die dem Besuch in Douma noch im Weg stünden. Die Experten müssten aber "so schnell wie möglich" dorthin gelangen, da Beweise für den Einsatz chemischer Waffen extrem flüchtig seien.

    Amerikanischer Manipulationsverdacht

    Die USA warfen Russland daher vor, internationale Experten nicht zum möglichen Ort des Geschehens vorzulassen, und drohten mit weiteren Sanktionen. Der britische Gesandte bei der OPCW beklagte, die UN hätten zwar den Besuch der Experten genehmigt. Diese könnten aber nicht nach Douma, weil Russland und Syrien nicht für ihre Sicherheit garantierten. Der US-Gesandte bei der OPCW, Kenneth Ward, äußerte sich besorgt, dass russische Vertreter die Stelle des mutmaßlichen Gifteinsatzes besucht und manipuliert haben könnten.

    Am Abend wurde dann in der russischen Botschaft in Den Haag der Mittwoch als Zieltag genannt. Bis dahin sollten die Straßen nach Douma von Minen geräumt sein. Die am Samstag angereisten neun OPCW-Experten hätten eigentlich schon am Sonntag ihre Untersuchung beginnen sollen, trafen sich jedoch lediglich mit Behördenvertretern in ihrem Hotel in Damaskus. Über ihren Zeitplan wurde eine strikte Nachrichtensperre verhängt.

    Vermutlich keine Raketenangriffe in der Nacht

    Syrische Militärquellen haben derweil laut übereinstimmenden Meldungen mehrerer Medien Berichte aus der Nacht dementiert, wonach die syrische Luftabwehr erneut Raketen über der Stadt Homs im Westen des Landes abgeschossen habe. Diese hatten in der Nacht für Aufregung gesorgt: Da berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana, dass mehrere militärische Einrichtungen mit Raketen beschossen worden seien, darunter der Flughafen Shayrat südlich von Homs.

    Später meldete auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte heftige Explosionen in der Nähe der Luftwaffenbasis sowie in der Region Kalamun bei Damaskus. Dort gibt es zwei weitere Luftwaffenstützpunkte. Der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, die Raketen hätten keinen der Stützpunkte getroffen.

    Staatsfernsehen: "Aggression"

    Das syrische Staatsfernsehen berichtete wenig später über den vermeintlichen Vorfall als "Aggression". Angaben dazu, wer für neuerliche Raketenangriffe verantwortlich sein könnte, machte der Sender aber nicht. Andere syrische Medienberichten hatten sogar schon einen Schuldigen ausgemacht: Sie schrieben, israelische Kampfjets hätten Angriffe geflogen.

    Ein Sprecher der israelischen Armee sagte der Nachrichtenagentur AFP wenig später, er habe keine Informationen "zu einem solchen Vorfall". Auch das US-Verteidigungsministerium erklärte umgehend, dass die USA in der Region derzeit nicht militärisch aktiv seien.

    Westmächte griffen Ziele an

    Am Wochenende hatten die USA, Großbritannien und Frankreich als Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz mehrere Ziele in Syrien angegriffen. Nach Angaben aus Washington und Paris richteten sich die Angriffe gegen Einrichtungen zur Chemiewaffen-Produktion. Der Westen macht die syrische Führung für den mutmaßlichen Giftgasangriff vom 7. April in der einstigen Rebellenenklave Ostghouta verantwortlich, bei dem nach Angaben von Helfern mehr als 40 Menschen getötet wurden.

    Der syrische Luftwaffenstützpunkt Shayrat war bereits im vergangenen Jahr Ziel eines US-Raketenangriffs als Reaktion auf einen mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf den von Rebellen gehaltenen Ort Khan Sheikhoun, für den Uno-Experten ebenfalls den syrischen Machthaber Bashar al-Assad verantwortlich machten. (red, APA, 17.4.2018)

    • Nach wochenlangen Kämpfen sollen in der syrischen Stadt Douma vor eineinhalb Wochen chemische Waffen zum Einsatz gekommen sein. Die USA, Großbritannien und Frankreich machen Syrien verantwortlich und haben deshalb Militärbasen bombardiert. Damaskus dementiert allerdings einen Giftgaseinsatz und wird dabei vorn Russland unterstützt. Eine unabhängige Untersuchung stockt.
      foto: ap / hassan ammar

      Nach wochenlangen Kämpfen sollen in der syrischen Stadt Douma vor eineinhalb Wochen chemische Waffen zum Einsatz gekommen sein. Die USA, Großbritannien und Frankreich machen Syrien verantwortlich und haben deshalb Militärbasen bombardiert. Damaskus dementiert allerdings einen Giftgaseinsatz und wird dabei vorn Russland unterstützt. Eine unabhängige Untersuchung stockt.

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