"Friedinger" von Stefan Kutzenberger: Ohne Dekor

16. April 2018, 16:23
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Wo die Grenze zwischen Biografie und Erfundenem verläuft, darüber können die Leser von Kutzenbergers Romandebüt nur spekulieren. Aktuell ist der Linzer Autor auf Lesetour

"Das Einzige, das noch lächerlicher ist als ein unpublizierter Autor, ist ein Autor, der nicht schreibt", stellt die Figur Kutzenberger fest. Drei unfertige Romane hat er schon in der Schublade liegen, etwa einen über einen erfolglosen Autor, der plötzlich in Hollywood berühmt wird. Weil es bei ihm aber mit dem Schreiben hapert, schenkt seine Frau dem Mittvierziger zwei Wochen Schreiburlaub auf Kreta.

Doch auch dort läuft es schleppend. Sonne, Strand und Wein taugen mehr zur Ablenkung denn Konzentration. Dazu kommt eine halb so alte französische Rucksacktouristin, die ihm schöne Augen macht. Und dann ist da noch Friedinger. Weil die Welt klein ist, stammt jener wie der Icherzähler aus Linz. Von dort kommt ursprünglich auch der Autor.

Einen Mix aus Fakt und Fiktion herzustellen hat den in Wien lebenden Literaturwissenschafter und Kurator Stefan Kutzenberger bei seinem Romandebüt Friedinger interessiert. Ja, sein Held heißt wie er und hat auch sonst viel Biografisches mit ihm gemein, etwa Alter, Beruf und die indonesische Abstammung. Irgendwo – da, wo die Weisheit von Google endet – verwischt in der Geschichte die Grenze zwischen Biografie und Erfundenem. Wo genau, kann der Leser nur spekulieren: beim Ehebruch? Beim Nacktwandern? Bei der eingenässten Hose?

Letztlich ist das einerlei, man darf diese Spielerei als Privatvergnügen des Autors verbuchen. Dem Lustgewinn des Lesers kann indes die Leichtgängigkeit des Ergebnisses dienen. Es entspinnt sich neben einer Ehekrise ein Krimi, der 30 Jahre zurück und auf das Betriebsgelände der Voestalpine führt – zu einem Waffenlieferungsskandal, der im Buch Vindobona heißt und im echten Leben als Noricum-Affäre bekannt ist. Und nebenbei offenbart sich noch eine Kunstsensation.

Die Geschichte hat den nötigen Zug nach vorn. Stefan Kutzenberger kann erzählen, hält sich, ohne zu hasten, nicht mit Dekor auf. Die autobiografischen Versatzstücke geben dem Text zwar keine besonderen Einsichten mit, als leichte Lektüre aber unterhält er. Der Autor ist aktuell auf Lesetour. (wurm, 17.4.2018)

Stefan Kutzenberger: "Friedinger". € 22,70 / 256 Seiten, Deuticke 2018.

Lesungen

17. 4., Wien, Kunstraum Ewigkeitsgasse, 19.30
25.4., Wien, read!!ing room, Anzengrubergasse 19/1, 19.30
2. 5., Gallneukirchen, Die Bücherinsel, 19.00
3. 5., Wien, Facultas am Campus (Altes AKH), 19.00
17. 5., Klagenfurt, Musil-Institut, 19.30
28. 5., Linz, Stifterhaus, 19.30
7. 6., Wels, Skribo Haas

  • Autor Stefan Kutzenberger stand seiner Figur Pate.
    foto: www.corn.at/deuticke

    Autor Stefan Kutzenberger stand seiner Figur Pate.

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