Aids-Hilfe Wien solidarisiert sich mit Conchita Wurst

    17. April 2018, 00:28
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    Organisation versichert "uneingeschränkte Solidarität" mit Künstlerin und hält fest, dass sich das "soziale Aids" hartnäckig in unserer Gesellschaft hält

    Wien – Die Aids-Hilfe Wien hat Conchita Wurst nach ihrem HIV-Outing ihre "uneingeschränkte Solidarität" ausgesprochen. Gleichzeitig beklagte die Organisation, dass die vorausgehende Erpressung zeige, dass "sich das 'soziale Aids' hartnäckig in unsere Gesellschaft hält".

    "Informationen über die eigene Gesundheit, etwa auch den HIV-Status, bekannt zu machen, muss jedem Menschen selbst überlassen bleiben, egal, ob er prominent ist oder nicht. Solch persönliche Daten einer anderen Person zu veröffentlichen, oder es anzudrohen, ist menschlich letztklassig und zudem strafbar," sagte Wolfgang Wilhelm, Obmann der Aids Hilfe Wien.

    "Wir wissen aus unserer täglichen Arbeit mit HIV-positiven Menschen, wie viel Mut es erfordert, mit seiner HIV-Diagnose offen umzugehen, und auch, dass dies oft zu Diskriminierungen führt. Das zeigt, dass noch viel Aufklärung notwendig ist und wir noch viel unternehmen müssen, um das 'soziale Aids' zu beenden", unterstrich Wilhelm. Der Kampf gegen Diskriminierung und Stigmatisierung ist auch eine der wichtigsten Maßnahmen zur Erreichung der UNAIDS Ziele – die HIV/AIDS Epidemie bis 2030 zu beenden.

    Vielschichtige Diskriminierung

    Diskriminierung von HIV-positiven Menschen findet der Aids-Hilfe Wien zufolge "auch in Österreich jeden Tag statt". Im Gesundheitssystem, in der Arbeitswelt, aber auch im Familien- und Freundeskreis – deshalb verschweigen viele HIV-positive Menschen ihre Infektion. "Thomas Neuwirth hat mit seinem Outing einen wichtigen Schritt gesetzt und unterstützt damit nicht nur andere Menschen mit HIV", heißt es vonseiten der Organisation.

    Maßnahmen gegen Diskriminierung sind auch eine der wichtigsten Säulen in der Arbeit der Aids Hilfen. 2013 wurde in der Aids Hilfe Wien eine Diskriminierungsmeldestelle eingerichtet, die seit über fünf Jahren österreichweit HIV-bezogene Diskriminierung systematisch dokumentiert und in einem jährlichen Report veröffentlicht.

    Zumindest eine Neudiagnose täglich

    In Österreich wird täglich mindestens eine HIV-Neudiagnose gestellt. 2016 wurden 447 HIV-positive Neudiagnosen registriert, 2015 waren es 428 und im Jahr zuvor 403. Nach wie vor erhält ein beachtlicher Anteil der HIV-positiven Menschen die Diagnose erst zu einem Zeitpunkt, an dem die Infektion bereits weit fortgeschritten ist. Diese späte Diagnose wirkt sich signifikant nachteilig auf die persönliche Situation und den Therapieerfolg der Betroffenen aus.

    Dank des medizinischen Fortschrittes, kann man heute auch trotz einer HIV-Infektion mit einer normal hohen Lebenserwartung rechnen. Voraussetzung dafür sind eine frühe Diagnose, eine zeitgerecht einsetzende Behandlung mit regelmäßiger Medikamenteneinnahmen sowie Kontrolluntersuchungen. Darüber hinaus kann jeder selbst mit einer gesunden Lebensweise sehr viel zu einer längeren Lebensdauer und besserer Lebensqualität beitragen. (APA, 17.4.2018)

    • Die Aids Hilfe Wien findet klare Worte zum Fall Conchita Wurst: "Informationen über die eigene Gesundheit, etwa auch den HIV-Status, bekannt zu machen, muss jedem Menschen selbst überlassen bleiben, egal, ob er prominent ist oder nicht."
      foto: apa/afp/joe klamar

      Die Aids Hilfe Wien findet klare Worte zum Fall Conchita Wurst: "Informationen über die eigene Gesundheit, etwa auch den HIV-Status, bekannt zu machen, muss jedem Menschen selbst überlassen bleiben, egal, ob er prominent ist oder nicht."

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