Unter der HIV-Nachweisgrenze – was heißt das?

    16. April 2018, 13:43
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    Was bedeutet HIV-positiv konkret? Und was heißt es, wenn die HI-Virenlast unter der Nachweisgrenze liegt? Diese und andere Fragen stellten viele User im STANDARD-Forum

    Auf Instagram hat Conchita Wurst bekanntgegeben, HIV-positiv zu sein. Der Grund für das Outing: Ein Ex-Freund habe ihr gedroht, "mit dieser privaten Information an die Öffentlichkeit zu gehen", wie die Sängerin schreibt. In ihrem Posting teilte sie ihren Fans auch mit, seit vielen Jahren unterbrechungsfrei unter der Nachweisgrenze zu sein. Was das genau bedeutet, haben sich auch viele User im STANDARD-Forum gefragt. Wir geben Antworten zu den wichtigsten Fragen rund um HIV.

    Frage: Die Virenlast ist unter der Nachweisgrenze – was heißt das?

    Antwort: Wer sich mit HIV infiziert hat, kann mit einer effektiven antiviralen Wirkstoffkombination so behandelt werden, dass nur mehr die Einnahme einer Tablette täglich notwendig ist. Damit gelingt es meist, die Virenlast unter die sogenannte Nachweisgrenze zu bringen. Das heißt, die Viren können mit den gängigen Messverfahren nicht mehr nachgewiesen werden. Die dafür erforderliche Grenze liegt bei 40 bis 50 Viruskopien pro Milliliter. Das bedeutet aber nicht, dass HIV aus dem Körper verschwunden ist. Im Gegensatz zu den Viren im Blut bleiben HIV-Antikörper lebenslang nachweisbar.

    Frage: Warum ist eine Viruslast unter der Nachweisgrenze gut?

    Antwort: Das Risiko einer HIV-Übertragung auf andere wird damit äußerst gering. In diesem Stadium sind Betroffene nicht mehr infektiös, eine sexuelle Übertragung gilt als extrem unwahrscheinlich. Wer mindestens sechs Monate unter der Nachweisgrenze war, kann nach Rücksprache mit dem Arzt auch ohne Kondom Sex haben. Sinkt die Viruslast unter die Nachweisgrenze, verringert sich auch das Risiko für HIV-assoziierte Erkrankungen, zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass HI-Viren Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln, drastisch.

    Frage: Was bedeutet HIV-positiv?

    Antwort: Ein positives Testergebnis zeigt an, dass HIV-Antikörper im Blut nachgewiesen werden konnten. Demnach hat das körpereigene Immunsystem Abwehrstoffe gegen das HI-Virus gebildet. Fällt der Test "negativ" aus, sind keine Antikörper im Blut nachweisbar. Da die Antikörperproduktion aber bis zu sechs Wochen dauert, ist eine HIV-Infektion nur dann mit Sicherheit auszuschließen, wenn in den vergangenen sechs Wochen kein sogenannter "Risikokontakt" stattgefunden hat. Diese sechs Wochen werden auch als "diagnostisches Fenster" bezeichnet. Die Aids-Hilfe bietet auch einen PCR-Test (Polymerase Chain Reaction) an, der innerhalb von 14 Tagen ein sicheres Ergebnis liefert. Damit ist ein direkter Virusnachweis möglich. Auch ein Schnelltest, der innerhalb von 15 bis 30 Minuten ein Resultat anzeigt, wird angeboten. Für beide Verfahren ist allerdings ein Selbstkostenbeitrag zu bezahlen.

    Frage: Wie wird HIV übertragen?

    Antwort: Ein Infektionsrisiko besteht nur dann, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Dazu gehören vor allem Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und der Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut. Weil in Speichel, Tränen und Urin nur sehr wenige HIV-Viren enthalten sind, ist eine Übertragung über diese Körperflüssigkeiten ausgeschlossen. Keine Ansteckungsgefahr besteht beim Händeschütteln, Küssen, Umarmen, Anhusten und Niesen, bei der gemeinsame Benutzung von Toiletten und Handtüchern sowie beim Besuch von Schwimmbädern.

    Frage: Welche Therapiemöglichkeit gibt es unmittelbar nach einem Risikokontakt?

    Antwort: Wer sich nach einem ungeschützten sexuellen Kontakt schnell behandeln lässt, kann innerhalb von 24 bis maximal 48 Stunden eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) einnehmen. Dabei handelt es sich um eine Tablette, die die HIV-Therapie für einen ganzen Monat enthält. Sie kann die Wahrscheinlichkeit einer Infektion um bis zu 90 Prozent reduzieren.

    Frage: Gibt es außer dem Kondom noch einen anderen Infektionsschutz?

    Antwort: Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist eine HIV-Therapie, die gesunde Menschen einnehmen können, um eine Infektion von vornherein zu verhindern. Sie ist laut Aids-Hilfe Wien eine Alternative zum Kondom für Menschen mit einem extremen Risikoverhalten, die also häufig ungeschützten Verkehr haben oder anderen Risiken ausgesetzt sind. Den Ergebnissen mehrerer PrEP-Studien zufolge schützt sie mit einer Sicherheit von 86 Prozent vor einer Ansteckung. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Tabletten einzunehmen: entweder einmal täglich oder anlassbezogen zwei Tabletten vor dem Geschlechtsverkehr und jeweils eine weitere nach 24 und 48 Stunden. Die PrEP ist mittlerweile auch in Österreich als Generikum erhältlich und kostet etwa 60 Euro pro Monat.

    Frage: Lebenserwartung bei HIV?

    Antwort: Frühzeitig diagnostiziert und behandelt, unterscheidet sich die Lebenserwartung HIV-infizierter Menschen heute kaum von jener gesunder Menschen. Laut Aids-Hilfe Wien leben Betroffene mitunter sogar länger, weil sie engmaschiger medizinisch betreut werden. (bere, gueb, 16.4.2018)

    • Keine Ansteckungsgefahr besteht beim Händeschütteln, Küssen, Anhusten und bei der gemeinsame Benützung von Toiletten.
      foto: istockphoto

      Keine Ansteckungsgefahr besteht beim Händeschütteln, Küssen, Anhusten und bei der gemeinsame Benützung von Toiletten.

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