Wer Spaß an der Arbeit hat, fühlt sich auch zukunftsfit

28. April 2018, 08:00
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Drei Viertel der Österreicher hegen mehr oder weniger deutlich die Erwartung, dass viele Arbeiten künftig automatisiert werden

Linz – Macht Ihnen die Arbeit Spaß? Das ließ der STANDARD Ende März 480 repräsentativ ausgewählte Arbeitnehmer fragen. Das Linzer Market-Institut präzisierte: "Man hat ja angenehme und weniger angenehme Erlebnisse beim Arbeiten, aber wenn Sie alles in allem nehmen, welche Schulnote würden Sie von eins für 'Mir macht meine Arbeit Spaß' bis zu fünf für 'Ich bin in meiner Arbeit fast nur frustriert' geben?"

41 Prozent vergaben spontan ein "Sehr gut", weitere 36 Prozent legten sich auf ein "Gut" fest. Nur fünf Prozent gaben einen Vierer, und zwei Prozent gaben an, nur frustriert zu sein. Der Mittelwert ergibt eine Schulnote von 1,9 – was für eine insgesamt hohe Arbeitszufriedenheit spricht.

Auffallend ist, dass Befragte unter 30 öfter einen Zweier oder einen Dreier vergeben, sie haben am Arbeiten also weniger Spaß. Frauen und Teilzeitkräfte geben dagegen besonders oft die Bestnote.

Zwei Drittel nach eigener Aussage gut qualifiziert

Die Frage nach der Freude an der Arbeit liefert auch einen guten Hinweis darauf, wie fit sich die Betreffenden für die künftigen Herausforderungen des Arbeitsmarktes fühlen. Market ließ die Arbeitnehmer die Aussage bewerten: "Ich bin für die Tätigkeiten, die ich in den nächsten Jahren ausüben werde, gut qualifiziert."

Dem stimmten im Schnitt 65 Prozent zu – von denen, die Spaß an der Arbeit haben, waren es sogar 75 Prozent.

Wiederum sind es die Befragten unter 30 Jahren, die aus der Reihe fallen: Von ihnen fühlen sich nur 44 Prozent ausreichend qualifiziert. Market-Institutsleiter David Pfarrhofer: "Man würde vermuten, dass Menschen, die an ihrer Qualifikation Zweifel hegen, eine Fortbildung anstreben. Das gilt aber nicht für alle. Wir haben nämlich gefragt, ob man in den nächsten fünf Jahren eine mindestens dreitägige Fortbildung besuchen wird. Das haben 34 Prozent der Befragten zwischen 30 und 50 Jahren vor, bei den Jüngeren und bei den Älteren sind es aber nur 26 bis 27 Prozent."

Motiviert, weiter zu lernen

Der Spaß an der Arbeit motiviert auch zum Dazulernen: Jeder Dritte, der an der Arbeit Freude hat, will sich höher qualifizieren – von denen, die frustriert sind, hat das nur jeder Fünfte vor.

Was die Arbeitnehmer noch für die nächsten Jahre erwarten:

  • 59 Prozent glauben, dass ihr Arbeitgeber noch sehr lange existieren wird. Allerdings: Fünf Prozent meinen umgekehrt, dass das Unternehmen, für das sie tätig sind, innerhalb der kommenden fünf Jahre zusperren wird – eine Erwartung, die unter den Frustrierten besonders verbreitet ist.
  • Aber nur eine Minderheit von 45 Prozent sagt, dass sich an ihrem eigenen Arbeitsplatz wenig ändern werde. Hier fällt auf, dass jeder Zweite mit geringer Bildung auch von geringen Veränderungen im eigenen Arbeitsumfeld ausgeht, während unter den Befragten mit höherer Bildung nur ein Drittel erwartet, dass der Arbeitsplatz unverändert bleiben wird.
  • Drei von zehn Befragten nehmen an, dass es ihnen besser gelingen wird, Arbeit und Freizeit in Balance zu bringen.
  • Nur 27 Prozent rechnen, dass sie in fünf Jahren wesentlich mehr verdienen werden. 15 Prozent erwarten einen Karrieresprung. Beides trifft vor allem auf jüngere Befragte zu – Ältere haben nach eigener Einschätzung kaum eine Chance darauf.
  • Umgekehrt meinen neun Prozent, dass sie sich mit geringerem Einkommen zufriedengeben werden müssen – besonders die älteren Befragten erwarten das, womöglich mit Blick auf erwartete Pensionsleistungen.
  • Flexiblere Arbeitszeiten an ihrem eigenen Arbeitsplatz erwarten 25 Prozent – Vollzeitkräfte deutlich eher als jene, die einen Teilzeitjob haben.
  • 18 Prozent erwarten, dass sie in fünf Jahren eine längere Arbeitszeit haben werden – 15 Prozent rechnen umgekehrt mit einer kürzeren Arbeitszeit. Pfarrhofer: "Mit längerer Arbeitszeit rechnen vor allem jene, die Teilzeit arbeiten – das deckt sich mit dem Befund, dass viele Frauen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wieder länger arbeiten wollen. Auf kürzere Arbeitszeiten spekulieren dagegen eher diejenigen Leute, die jetzt Vollzeit arbeiten, besonders auch Befragte über 50, die schon auf Altersteilzeit oder auf die Pensionierung hinarbeiten."
  • Größere Selbstständigkeit am Arbeitsplatz erwarten 18 Prozent, wiederum besonders jene, die an der Arbeit Freude haben.
  • 13 Prozent erwarten, dass sie innerhalb von fünf Jahren die Branche wechseln werden, sechs Prozent rechnen damit, im Lauf von fünf Jahren einmal arbeitslos zu werden. Die Sorge, den Arbeitsplatz in nächster Zeit zu verlieren, ist bei Wienern und bei Frauen überdurchschnittlich stark verbreitet.

Und welchen Einfluss haben die Konkurrenz und neue Technologien auf den eigenen Arbeitsplatz? Wenig, wenn man sich die Antworten durchliest:

  • Dass jüngere Kollegen die eigene Arbeit billiger und besser machen, fürchten im eigenen Unternehmen gerade zehn Prozent – bei älteren Arbeitnehmern nimmt diese Sorge aber deutlich zu.
  • Dass Konkurrenzunternehmen die Arbeit, die man jetzt macht, billiger und besser anbieten werden, fürchten sieben Prozent.
  • Dass Ausländer die derzeitige Arbeit billiger und besser machen, erwarten nur fünf Prozent – überdurchschnittlich oft haben FPÖ-Wähler diese Befürchtung .

ließ noch zwei weitere Fragenkomplexe untersuchen: Zum einen ging es darum, wie sich die Österreicher die Arbeitsplätze vorstellen – hier wurden sowohl eine Gruppe, die für alle Wahlberechtigten repräsentativ ist, als auch die Subgruppe der für die arbeitende Bevölkerung repräsentativen Befragten untersucht.

Man sieht etwa, dass 39 Prozent der Bevölkerung, aber nur 28 Prozent der Arbeitnehmer den öffentlichen Dienst für einen besonders guten Arbeitgeber halten. Beamte und Vertragsbedienste stimmen allerdings zu 63 Prozent zu.

Die Hälfte sieht eine Zukunft für Handwerksarbeiten

Ein zweiter Satz an Fragen – die an alle gestellt wurden – beschäftigte sich mit der Zukunft der Arbeit an sich. Zwei Punkte stechen dabei heraus: Wer keine ordentliche Ausbildung hat, dem wird von 49 Prozent kaum eine Chance auf Arbeit gegeben. Ebenfalls 49 Prozent meinen, dass klassische Handwerksarbeit weiter gefragt sein wird. 17 Prozent stimmen voll, 58 Prozent überwiegend der Erwartung zu, dass künftig "viele Arbeiten, die heute von Menschen gemacht werden, von Computern und Robotern erledigt werden".

Dass "Maschinen weitgehend ohne menschliche Bedienung produzieren" werden, erwarten zehn Prozent voll und ganz, weitere 55 Prozent eher schon.

Dass "Computer auch Fachkräfte wie Ärzte und Juristen ersetzen" werden, erwarten dagegen 42 Prozent eher weniger und 36 Prozent gar nicht.

Und wird die Arbeit auch in Zukunft Spaß machen? Auch diese Frage ließ Der STANDARD stellen. Und auch hier gab es gute Noten: 37 vergaben ein "Sehr gut" und 35 Prozent einen Zweier. (Conrad Seidl, 28.4.2018)

Schwerpunkt "Zukunft der Arbeit":
Werden Roboter unsere Jobs übernehmen? Falls ja, was macht das mit unserer Gesellschaft? Welche sozialen Folgen haben die tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt, die gerade erst begonnen haben? Und welche neuen Chancen eröffnet der technologische Arbeitswandel? Wir finden das Thema "Zukunft der Arbeit" so wichtig, dass wir ihm diesen Schwerpunkt widmen. In den kommenden Tagen finden Sie auf https://derStandard.at/Die-Zukunft-der-Arbeit eine Serie von Artikeln: Die STANDARD-Redaktion hat Forscherinnen und Forscher befragt, ist dorthin gefahren, wo die neue Arbeitswelt bereits zu spüren ist, und macht sich in Essays Gedanken – alles handgefertigt, natürlich.

  • 77 Prozent der österreichischen Erwerbstätigen geben ihrem Job die Schulnote "sehr gut" oder "gut".

    77 Prozent der österreichischen Erwerbstätigen geben ihrem Job die Schulnote "sehr gut" oder "gut".

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