ORF-Chef an Steger: Korrespondenten nicht Sache der Regierung

14. April 2018, 08:42
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Steger kritisierte "einseitige" Berichterstattung zur Ungarn-Wahl – Wrabetz: Ungarn-Vertrag verlängert, zwei neue Korrespondenten-Standorte

Wien – Trocken reagiert ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Samstag auf die Ankündigung von FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger, "nicht korrekt" arbeitende ORF-Korrespondenten zu "streichen". Er habe den Vertrag des – von Steger als Beispiel genannten- Ungarn-Korrespondenten Ernst Gelegs bis 2021 verlängert, twitterte Wrabetz Samstagfrüh. Später wies er Stegers Ankündigungen "auf das Entschiedenste zurück" – das ORF-Korrespondentennetz sei weder Sache der Bundesregierung noch des ORF-Stiftungsrats.

Steger kündigte wie berichtet in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" "Schritte in eine objektivere Berichterstattung" an. "Auch von den Auslandskorrespondenten werden wir ein Drittel streichen, wenn diese sich nicht korrekt verhalten", ergänzte Steger, der als künftiger Stiftungsratsvorsitzender des ORF im Gespräch ist. Als Beispiel nannte der Freiheitliche die Berichterstattung zur Ungarn-Wahl. Diese ist laut Steger nämlich "einseitig" abgelaufen.

Update: Wrabetz: "Weder Sache der Regierung noch des Stiftungsrats"

Die Äußerungen fasst Wrabetz so zusammen: Steger wolle "das Korrespondentennetz und damit die internationale Berichterstattung des ORF massiv schwächen und missliebige Korrespondenten ablösen" – das sei "auf das Entschiedenste zurückzuweisen." Die Besetzung des Korrespondentennetzes des ORF sei weder Sache der Regierung noch des Stiftungsrates und auch nicht der Regierungen der Länder aus denen berichtet wird, sondern ausschließlich der Geschäftsführung und Redaktionen des ORF, ließ der ORF-Generaldirektor per Aussendung verlauten: "Die Berichterstattung der ORF-Korrespondentinnen und -Korrespondenten hat ausschließlich nach journalistischen Kriterien im Interesse des Publikums zu erfolgen. Sie berichten höchstqualifiziert unter teilweise schwierigen Bedingungen von den Brennpunkten des Weltgeschehens, werden dies auch weiter tun und vom gesamten Unternehmen bestmöglich unterstützt werden!"

Wrabetz kündigt nicht weniger, sondern mehr Korrespondenten an: "Der ORF wird bis 2020 sein Korrespondentennetz noch um zwei weitere Standorte ausbauen. Die ORF-Korrespondentinnen und -Korrespondenten leisten mit ihrem enormen Programm-Output einen wichtigen Beitrag zur hohen Qualität der internationalen Berichterstattung des ORF und produzieren damit Public Value im besten Sinn!"

Die ORF Korrespondenten produzieren laut ORF jährlich rund 7000 Beiträge für Radio, Fernsehen und Online in einer Gesamtlänge von rund 250 Stunden. Derzeit sind für den ORF 25 Korrespondentinnen und Korrespondenten in 16 Büros in Belgrad/Kiew, Berlin, Brüssel, Budapest, Istanbul, Kairo, London, Madrid, Moskau, Paris, Peking, Rom, Zürich, Tel Aviv und Washington tätig.

Der ORF ließ die Bevölkerung von Integral 2017 für die Studie "Wahrnehmung und Relevanz des ORF" auch über die Korrespondenten befragen. Ergebnis laut ORF: Für 87 % der Österreicherinnen und Österreicher sei es sehr/eher wichtig, dass der ORF über ein Korrespondentennetz verfügt. (red, 14.4.2018)

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    foto: apa / georg hochmuth
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