Hannes Androschs Rolle in der heimischen Forschung

    16. April 2018, 11:14
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    Netzwerker mit blumigen Vergleichen und hoher Medienaffinität

    Unter Schwarz-Blau I wurden die Austrian Research Centers (ARC) Seibersdorf ausgeblutet, einzelne Industriepartner setzten sich ab. Österreich größtes außeruniversitäres Forschungszentrum hatte Millionen Verluste. Kaum war die Regierung von Wolfgang Schüssel (ÖVP) abgewählt, ging die neue SPÖ-Regierung an die Sanierung.

    Ohne Staatshilfe wäre das nicht gelungen: Hannes Androsch stand dahinter und wurde 2009 schließlich Aufsichtsratsvorsitzenden jenes Forschungsunternehmens, dass aus den Trümmern der alten ARC entstand: Austrian Institute of Technology (AIT).

    Er gilt seit Anfang an als eines der Gesichter des AIT und lässt sich bis heute nicht nehmen neben den Geschäftsführern Anton Plimon und Wolfgang Knoll die Jahresbilanz zu präsentieren. Und die Auslandskontakte des Instituts zu intensivieren. Zuletzt war er mit einer Delegation auch in Indien, wo auch der Leiterplattenhersteller AT&S einen Unternehmenssitz hat. Androsch ist seit 1995 auch dessen Aufsichtsratschef.

    Medienaffinität

    2010 wurde der Ex-Finanzminister schließlich von der damaligen Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) als Vorsitzender in den Rat für Forschung- und Technologiepolitik berufen. Durch seine enorme Medienaffinität war das Beratungsgremium der Bundesregierung fortan öfter als zuvor in den Zeitungen vertreten.

    Dabei wird Androsch gern mit markigen Sprüchen zitiert, er kokettierte selbst mit der Rolle eines Hofnarren, der die Staatsführung immer wieder auf Versäumnisse und Fehler aufmerksam machte, die Finger in die Wunden legt. In bester Erinnerung: "Zwei Schwalben machen noch keinen Forschungssommer", als er eine Initiative der ehemaligen SPÖ-ÖVP-Regierung in Sachen Forschung lobte.

    Androsch wurde bereits einmal als Ratschef wiedergewählt. Die Statuten sehen vor, dass das ein zweites Mal nicht möglich ist. Damit endet seine Funktionsperiode 2020. In Erinnerung wird bleiben, dass er in dieser Zeit öfter das Zwiegespräch mit Entscheidungsträgern suchte, um noch an kleinen Stellschrauben im Fördersystem für F&E zu drehen.

    Unter anderem soll er die Reform des Nationalstiftungsgesetzes unterstützt haben, die insgesamt 420 Millionen Euro aus diesem Topf für die Zeit von 2018 bis 2020 ermöglichte. Der Industrielle Androsch unterstützte auch stets Pläne der jeweiligen Bundesregierung, die Forschungsprämie zu erhöhen. Dieser steuerlicher Freibetrag für Forschung treibende Unternehmen wuchs mit Jahresbeginn auf 14 Prozent an.

    Im vergangenen Jahr meinte Androsch dazu, wie üblich mit blumigen Vergleichen, man dürfe aber "nicht alle Jetons" auf diese Prämie setzen. (Peter Illetschko, 16.4.2018)

    • Hannes Androsch gilt seit Anfang an als eines der Gesichter des AIT,  er ist seit 2009 Aufsichtsratsvorsitzender.
      foto: picturedesk / kurier / jürg christandl

      Hannes Androsch gilt seit Anfang an als eines der Gesichter des AIT, er ist seit 2009 Aufsichtsratsvorsitzender.

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