Vielleicht doch besser zum Papiertuch als zum Händetrockner greifen

    17. April 2018, 12:04
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    Forscher testeten Verbreitung von Mikroben in öffentlichen Toilettenanlagen

    Storrs – Nach dem Toilettengang folgt das Händewaschen, so weit herrscht (hoffentlich) noch Einigkeit. Danach aber scheiden sich die Geister – und auch die Infrastruktur: In manchen öffentlichen Toilettenanlagen sind die klassischen Papiertuch-Spender montiert, in anderen Händetrockner.

    Diese Trockner, die erstmals in den 1920er Jahren gebaut wurden, gelten den einen als ressourcensparend und zugleich angenehm, weil man nicht an der Papierausgabe herumzupfen muss, an der schon unzählige andere Hände waren. Die anderen hingegen ärgern sich darüber, anstelle eines zweisekündigen Abwischvorgangs ihre Hände eine gefühlte Ewigkeit unter den Apparat strecken zu müssen. Und dann sind sie entweder immer noch nicht ganz trocken oder bei einem leistungsstärkeren Gerät gegrillt, manchmal auch beides zusammen.

    Neuer Versuch

    Rückenwind für diejenigen, die das brausende Gebläse lieber meiden, liefert nun eine Studie aus den USA. Forscher der Universität Connecticut stellten auf den Toilettenanlagen ihrer Uni Petrischalen mit einem Nährmedium für Bakterien auf, um zu testen, was dort so im Umlauf ist. In nicht frequentierten Anlagen begann sich nach ein paar Minuten im Schnitt höchstens eine einzige Bakterienkolonie zu bilden, nach 18 Stunden durchschnittlich sechs.

    Das änderte sich dramatisch, wenn die Forscher die Händetrockner einschalteten: Nach 30-sekündiger Aktivität eines Trockners zeigten die Petrischalen in dessen "Schusslinie" ein Vielfaches an Bakterienkolonien; in einem Extremfall waren es sogar 254. Die Mikroben waren natürlich in der Luft der Toilettenanlage bereits vorhanden gewesen, allerdings stark verdünnt. Im erhitzten Luftstrahl, den der Trockner ausstößt, ist die Konzentration aber wesentlich höher. Mit anderen Worten: Man verpasst seinen Händen eine Bakterienspülung.

    Ergebnisse fügen sich ins Bild

    Die in "Applied and Environmental Microbiology" erschienene Studie ist beileibe nicht die erste, die sich mit der Hygiene von Händetrocknern befasst. 2005 verglichen deutsche, 2009 britische Forscher Händetrockner und Papiertücher. In beiden Fällen lautete das Ergebnis, dass die Bakterienzahl auf den Händen nach dem Benutzen eines Händetrockners deutlich stieg, nach dem Abwischen mit einem Papiertuch hingegen sank.

    Die aktuelle US-Studie konnte aufgrund des besonderen Versuchsorts mit einem weiteren pikanten Detail aufwarten. In einem nahegelegenen Labor hatten Forscher mit dem harmlosen Bakterium Bacillus subtilis gearbeitet, das Sporen bildet. Auch das fand sich in allen Toiletten wieder. Das Team, das diese untersuchte, weist darauf hin, dass auch das wesentlich problematischere Bakterium Clostridium difficile – ein typischer Krankenhauskeim, der schweren Durchfall auslösen kann – Sporen bildet. Wenn B. subtilis von den Händetrockern verbreitet wird, spreche also nichts dagegen, dass für C. difficile das gleiche gelten könnte.

    Das Team um Studienerstautor Peter Setlow räumt ein, dass sie nur einen Typ von Händetrocknern – den mit Heißluftgebläse – testeten und dass sie die Gefahr insgesamt als "sehr, sehr gering" einstufen. Setlow sagte allerdings auch, dass er auf öffentlichen Toilettenanlagen keine Händetrockner mehr benutze. (jdo, 17. 4. 2018)

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