Wie eine OPCW-Untersuchung abläuft

    13. April 2018, 15:15
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    Inspektoren der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sollen am Samstag ihre Untersuchungen aufnehmen

    Den Haag, 13. Apr (Reuters) – Am Samstag sollen die Inspektoren der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in der syrischen Stadt Duma ihre Untersuchungen zu dem mutmaßlichen Giftgasangriff vom 7. April aufnehmen. Es folgt ein Überblick über die Methode und die Ziele der Untersuchung sowie die Herausforderungen, vor denen die OPCW-Experten stehen:

    Proben

    Vorrangige Aufgabe ist die Sammlung und Sicherung von Proben, mit denen chemische Kampfstoffe nachgewiesen werden können. Dafür werden Boden- und Pflanzenproben sowie Blut-, Urin- und Hautproben von mutmaßlichen Opfern genommen. Die Inspektoren müssen ein striktes Verfahren einhalten: Sie müssen bei der Probeentnahme zugegen sein und die Proben bei sich unter Verschluss behalten. In der Vergangenheit hat die OPCW mit Medizinern der Weltgesundheitsorganisation zusammengearbeitet, die Proben von Opfern und Zeugen nahmen. Die Proben werden dann in das Hauptlabor der OPCW in die Niederlande gebracht, dort in bis zu vier Chargen aufgeteilt und zur Auswertung in angegliederte unabhängige nationale Labore geschickt.

    Spurensicherung

    Da die Inspektoren ihre Arbeit erst eine Woche nach dem mutmaßlichen Angriff aufnehmen können, ist die Spurensicherung schwieriger als an einem gewöhnlichen Tatort, wo die Ermittler in der Regel binnen weniger Stunden eintreffen. Die OPCW-Experten werden so schnell wie möglich arbeiten, um Spuren etwa von Chlor und Sarin zu finden, die nachweislich früher im Syrien-Krieg eingesetzt wurden.

    Chlor verflüchtigt sich schnell und ist nach so langer Zeit nur schwierig nachzuweisen. Allerdings reagieren nach Angaben von Experten etwa Pflanzen auf die Chemikalie, was dann auch noch später nachzuweisen ist. Von anderen chemischen Kampfstoffen wie Sarin können auch noch nach Tagen oder Wochen nach einem Einsatz etwa an Oberflächen Spuren gefunden werden.

    Die Inspektoren werden auch nach anderen Beweismitteln suchen, etwa Kanister, Raketen- oder Bombensplitter, Einschlaglöcher. Davon werden sie Foto- und Videoaufnahmen machen.

    Zeugen

    Die Inspektoren werden Zeugen befragen. Sie werden Rettungssanitäter, Überlebende, medizinisches Personal und andere Personen interviewen, um herauszufinden, ob sie an Symptomen litten, die auf Chemikalien zurückzuführen sind. Dies könnten Erstickungsanfälle, Schaum vor dem Mund, verengte Pupillen, Krämpfe und ungewolltes Wasserlassen sowie Durchfall sein.

    Zeugen haben berichtet, sie hätten das Pfeifen von Fassbomben gehört. Sollten solche Kanister gefunden werden, könnte damit ein Chemiewaffenangriff nachgewiesen werden wie etwa bei einer früheren OPCW-Untersuchung.

    Sicherheitsrisken

    In Duma gibt es nach dem Abzug der letzten Rebellen kaum noch Kämpfe. Dennoch ist der Einsatz der OPCW-Experten nicht ohne Risiko. Syrien und Russland haben erklärt, sie würden die Sicherheit der Inspektoren gewährleisten. Aber schon zwei Mal wurden OPCW-Inspektoren bei Einsätzen in Syrien angegriffen: Im August 2013 wurden sie bei der Untersuchung eines Einsatzes des Nervengifts Sarin nahe Ost-Ghuta von Heckenschützen beschossen. Im Mai 2014 wurde ein Konvoi mit OPCW-Inspektoren in der Stadt Kafr Sita in der Provinz Hama mit Sprengsätzen und Gewehren angegriffen. Die Inspektoren wurden sogar kurze Zeit festgehalten. Wer für den Angriff verantwortlich war, wurde nie gesagt.

    • Spurensicherung nach einem Chemieewaffenangriff
      foto: reuters/mohamed abdullah

      Spurensicherung nach einem Chemieewaffenangriff

    • August 2013: OPCW-Inspektoren in Ain Tarma, Damaskus
      foto: reuters/mohamed abdullah

      August 2013: OPCW-Inspektoren in Ain Tarma, Damaskus

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