Deutschklassen: SPÖ will Hearing, FPÖ kein "Schlechtreden"

    13. April 2018, 15:12
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    SPÖ will "höchst bedenklichen" Entwurf zu Fall bringen, FPÖ sieht Mobilisierung "aus ideologischen Gründen".

    Wien – Rund um die geplanten Deutschförderklassen an den Schulen gehen weiter die Wogen hoch: Während SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid eine Rückkehr an den Verhandlungstisch unter Einbindung von Experten und Praktikern forderte, sieht ihr FPÖ-Pendant Wendelin Mölzer die SPÖ im "ideologischen Grabenkampf" gegen das Konzept. NEOS-Chef Matthias Strolz möchte mit den Plänen "zurück an den Start".

    Angesichts der "vielen negativen Stellungnahmen" aus den Bundesländern und seitens Experten zum Gesetzesentwurf des Bildungsministeriums zur Einrichtung von Deutschklassen plädierte Hammerschmid am Donnerstag in einer Aussendung für ein Hearing im nächsten parlamentarischen Unterrichtsausschuss. Für die SPÖ-Bildungssprecherin ist das vorliegende Konzept "organisatorisch und finanziell unzureichend und pädagogisch 'höchst bedenklich'".

    Der FPÖ-Bildungssprecher sieht in den Diskussionen der vergangenen Tage einen Versuch, die "langjährige freiheitliche Forderung nach Deutschförderklassen schlecht zu reden". Die SPÖ mobilisiere "aus ideologischen Gründen", so Mölzer, der die gesamte Oppositionskritik als "verzweifelten Versuch" einordnet, "von den eigenen Fehlern und Irrwegen abzulenken". Es scheine "vielen linksmotivierten Bildungsideologen sauer aufzustoßen, dass ihre rein gesellschaftspolitisch motivierten Konzepte nunmehr durch pragmatische Lösungsansätze der aktuellen Bundesregierung durchkreuzt werden."

    Kritik an "Husch-Pfusch"

    Die NEOS würden sich dem Projekt prinzipiell zwar nicht zu verschließen, "aber so eine Husch-Pfusch-Aktion, bei der vor allem für die rasche Schlagzeile gearbeitet wird und nicht für die beste Lösung für Schüler, Lehrer und Eltern, kann ich nicht unterstützen", so Parteichef Strolz. Vor allem die offenbare Uneinigkeit zwischen den zuständigen Ministern hinsichtlich der Finanzierung und offene Fragen bezüglich der Umsetzung an den Schulstandorten seien irritierend, so der NEOS-Bildungssprecher.

    Mit den Deutschförderklassen werden die bisherigen Sprachfördermaßnahmen (maximal elf Wochenstunden) ausgeweitet: Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, um dem Unterricht folgen zu können, müssen ab Herbst verpflichtend 15 (Volksschule) bzw. 20 (Neue Mittelschule/AHS-Unterstufe) Wochenstunden eine Deutschförderklasse besuchen. Diese sogenannten außerordentlichen Schüler werden in diesen Stunden nach eigenem Lehrplan in Deutsch unterrichtet. Den Plänen nach sollen Deutschförderklassen ab sechs außerordentlichen Schülern pro Schulstandort eingerichtet werden. Wie der "Kurier" (Freitag-Ausgabe) berichtete, dürfte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) nun über eine höhere Grenze von acht außerordentlichen Schülern nachdenken. (APA, 13.4.2018)

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