Telegram wird zum neuen Hotspot für Film- und Musik-Piraten

    13. April 2018, 11:27
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    Einzelne Kanäle mit mehr als 100.000 Nutzern – Betreiber sieht dem Treiben bisher zu

    Neben WhatsApp und dem Facebook Messenger gehört Telegram mittlerweile zu den beliebtesten Chat-Tools. Dabei will man sich vor allem über "starke Verschlüsselung" von der Konkurrenz absetzen, wie die Betreiber gerne betonen, und auf deren Notwendigkeit für den Schutz von politischen Aktivisten oder auch Journalisten verweist. In der Realität kommt Telegram aber immer öfter auch für wesentlich profanere Dinge zum Einsatz, wie nun The Outline berichtet.

    Piraterie

    Telegram erfreut sich offenbar unter Film- und Musikpiraterien einer rasch wachsenden Beliebtheit. Auch wenn der Betreiber an sich betont, dass es eine "Zero Tolerance"-Politik gegen Urheberrechtsverstöße gibt, wird dies bisher offenbar kaum durchgesetzt. So gibt es eine Fülle von Kanälen, über die laufend entsprechende Inhalte geteilt werden – ein Teil davon mit mehr als 100.000 Teilnehmern.

    Wer suchet...

    Vollständig neu ist dieses Phänomen allerdings nicht, einige dieser Kanäle bedienen ihre Nutzer seit mehreren Jahren. Auch das Aufspüren ist keine sonderliche Schwierigkeit: Über simple Suchen wie "Movies" oder "Hollywood" sind all diese Piraten-Channels rasch zu finden. Wer etwa den Science-Fiction-Film "Annihilation" herunterladen will, muss dafür nur in der globalen Suche von Telegram den Begriff "Netflix" eingeben. Gleich das erste Ergebnis führe zu einem passenden Kanal, wie die Recherchen von The Outline zeigen.

    Im Vergleich zu anderen Quellen für Piraten-Inhalte, scheinen die Nutzer vor allem den simplen Zugang zu schätzen. Während man für Bittorrent einen Client besorgen und sich durch zweifelhafte Werbung klicken muss, reicht es bei Telegram einfach auf einen Download-Link zu klicken. Das ganze erinnere insofern an frühere Zeiten des Internets, wo es praktisch alles problemlos zum Download gab – egal ob legal oder illegal; wird ein russischer Nutzer zitiert.

    Umfang

    Ein weiterer Vorteil für die Betreiber solcher Kanäle: Sie können bei ihrem Tun komplett anonym bleiben. Zudem ist es dank Bots möglich neue Inhalte automatisch posten zu posten. Telegram hat nach eigenen Angaben weltweit rund 200 Millionen Nutzer. Besonders beliebt ist der Messenger in Russland – wo man derzeit aber mit den Behörden zu kämpfen hat. (red, 13.4.2018)

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      foto: dado ruvic / reuters
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