Finanzexperte: "Facebook und Co sind nur Spitze des Eisbergs"

    16. April 2018, 14:00
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    Fidelity-Experte Adam Lessing erklärt, warum sich Tech-Titel trotz des aktuellen Gegenwinds lohnen sollten

    Wien – Auch wenn es derzeit gerade Technologieaktien sind, die in den vergangenen Wochen die Leitindizes der Börsen nach unten gezogen haben, so ist die Geschichte dieses Sektors noch lange nicht vorbei. Denn die großen fünf – Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google – sind laut Adam Lessing, Fidelity-Chef von Zentral- und Osteuropa, "nur die Spitze des Eisbergs". Darunter tummeln sich viele Unternehmen, die abseits der Skandale um Datenklau oder um Fragen zu rechtlichen Regulatorien ihre Geschäfte machen.

    · Akamai Technologies nennt Lessing als ein Beispiel. Das US-Unternehmen ist im Content Delivery Network (CDN) tätig und gilt als weltweit größter Anbieter für die Auslieferung und Beschleunigung von Online-Anwendungen und -inhalten. Dabei koordiniert und optimiert Akamai etwa die Lastverteilung von Webinhalten. Dieser Prozess läuft für User beim Surfen im Internet unsichtbar im Hintergrund ab. Akamai arbeitet mit mehr als 216.000 Servern in 120 Ländern.

    Auch als Plattform für die Bereitstellung von Cloud-Speicherplatz hat sich das Unternehmen ein renommiertes Standbein aufgebaut. Laut eigenen Angaben werden jährlich 95 Exabyte auf Milliarden von Geräten übertragen. Damit sind die Daten auf jedem Gerät an jedem Ort und zu jeder Zeit verfügbar. "Streaming und downloadbarer Content wird für Unternehmen und Anwender immer bedeutender", sagt Lessing. Die große Nachfrage nach diesen Services sorgt für Umsatzsteigerungen von 15 bis 20 Prozent und steigende Margen und Erträge. Zusätzlich investiert das Unternehmen derzeit massiv in neue Bereiche wie Sicherheit.

    fidelity
    Adam Lessing glaubt an das Potenzial von Tech-Werten.

    · SAP ist für Lessing ein weiteres Unternehmen, das abseits von Datenskandalen sein Geschäft international stabil vorantreibt. Der größte europäische Softwareentwickler (und weltweit viertgrößte) bietet Applikationen zur Abwicklung aller Geschäftsprozesse an. Vom Einkauf über Produktion, Lagerhaltung, Vertrieb, Controlling bis zur Buchhaltung können Unternehmen von SAP Lösungen bekommen. Vor allem der Trend zur Digitalisierung lässt die Nachfrage bei SAP ansteigen. Cloud-Angebote der Mitbewerber könnten für SAP aber zur Herausforderung werden.

    · Intel ist abseits des Skandals um die Sicherheitslücke in seinen Chips als weltweit größter integrierter Hersteller von Mikroprozessoren ein weiteres Tech-Unternehmen, das für Lessing noch viel Potenuial hat. Das Servergeschäft von Intel gilt als "Kronjuwel" des Unternehmens und bietet ein zweistelliges Wachstum, eine Marge von 40 Prozent und eine Hebelwirkung für das strukturelle Wachstum von Cloud-Computing. Im Bereich Serverchips genieße Intel nahezu die Monopolstellung. Dieses Geschäftsfeld werde in den nächsten Jahren wohl die Mehrheit des Gewinns ausmachen. Auch für die Bereiche fahrerlose Autos, künstliche Intelligenz, virtuelle Realität oder 3D-Druck gilt Intel als wichtiger Chiplieferant.

    "Nur Symptome"

    In den aktuellen Tech-Turbulenzen sieht Lessing daher "mehr Symptome als ein grundlegendes Problem". Denn getrieben werde das Geschäft der Tech-Firmen derzeit vor allem von den Themen Cybersicherheit und Onlineisierung. So müssten viele Unternehmen in die Sicherheit ihrer Server und Systeme investieren. "Cybersecurity-Personal ist bereits schwer zu finden", sagt Lessing. Dass IT damit in Summe ein großes Thema bleibt, davon ist der Marktexperte überzeugt. "Fundamental ist der Tech-Sektor der Bereich, in dem man jetzt sein soll."

    Einen interessanten Bereich ortet Lessing auch im Banken-IT-Sektor. Bei Überweisungen – vor allem bei jenen über Ländergrenzen hinweg – seien nach wie vor hohe Gebühren im Spiel. Hier und im Bereich Wertpapiertransaktionen werde sich mit neuen Technologien wie etwa der Blockchain noch viel verändern. Weil dieser Sektor aber "nicht so cool ist wie Robo-Advisory", werde er von Investoren noch viel zu wenig beachtet. (Bettina Pfluger, 16.4.2018)

    • Das Segelschulschiffs der Deutschen Marine, die Gorch Fock, zwischen zwei Eisbergen im Golf von Sankt-Lorenz.
      foto: dapd

      Das Segelschulschiffs der Deutschen Marine, die Gorch Fock, zwischen zwei Eisbergen im Golf von Sankt-Lorenz.

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