Staubscheiben umgeben junge Sterne in unserer Nachbarschaft

14. April 2018, 18:00
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Anblicke wie aus den Anfangstagen unseres Sonnensystems

foto: eso/h. avenhaus et al./dartt-s collaboration
Die Staubscheibe um den Stern IM Lupi.

Heidelberg – Vor viereinhalb Milliarden Jahren mag unser Sonnensystem einen ähnlichen Anblick geboten haben wie einige Sternsysteme in unserer kosmischen Nachbarschaft, die Astronomen nun näher untersucht haben. Die Sterne sind zwischen 230 und 550 Lichtjahre von der Erde entfernt – gemessen am Milchstraßendurchmesser von gut 100.000 Lichtjahren also ein Katzensprung.

Die bei der Himmelsdurchmusterung DARTTS-S ("Discs ARound T Tauri Stars with SPHERE") beobachteten Sterne sind sogenannte T-Tauri-Sterne. Sie gehören zu einer Klasse von Sternen mit variabler Helligkeit, die zwischen 0,07 und 3 Sonnenmassen haben. Mit weniger als zehn Millionen Jahren sind sie noch sehr jung, Planeten konnten sich noch nicht bilden. Stattdessen kreist das Rohmaterial dafür noch als protoplanetare Scheiben aus Gas und Staub um die Sterne, wie es auch in den Anfangstagen unseres Sonnensystems der Fall war.

foto: eso/h. avenhaus et al./e. sissa et al./dartt-s and shine collaborations
Die Formenvielfalt der protoplanetaren Scheiben ist groß.

Möglich gemacht wurden die aktuellen Aufnahmen durch das SPHERE-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der ESO in Chile, berichtet das Max-Planck-Institut für Astronomie. SPHERE unterdrückt das helle Licht der Sterne, um so eine bessere Sicht auf die sie umgebenden Regionen zu erhalten (daher der graue Kreis in der Mitte der hier gezeigten Bilder).

Die Staubscheiben weisen sowohl in ihren Größen als auch in ihren Formen beachtliche Unterschiede auf. Einige zeigen hellere Ringe, andere dunkle – und bei wieder anderen sind mehrere Strukturen übereinander gestapelt "wie die Schichten eines Hamburgers". Auch die Ausrichtung am Himmel beeinflusst das Aussehen einer solchen Scheibe – von kreisrunden Scheiben, die wir direkt von oben sehen, bis zu schmalen Gebilden, wenn wir eine Scheibe so gut wie von der Seite sehen.

foto: eso/e. sissa et al.
Die Scheibe um den Stern GSC 07396-00759 tanzt etwas aus der Reihe.

Besonders interessierte die Astronomen die Entdeckung einer Scheibe um den Stern GSC 07396-00759, von uns aus genau von der Seite zu sehen. Der betreffende Stern ist Teil eines Doppelsternsystems, das ebenfalls im Rahmen der DARTTS-S-Durchmusterung erfasst wurde. Seltsamerweise scheint sich diese neue Scheibe in einem späteren Entwicklungsstadium zu befinden als die gasreiche Scheibe um den T-Tauri-Stern im gleichen System, obwohl beide Scheiben das gleiche Alter haben sollten. Dieser Unterschied zwischen den Scheiben um zwei gleichaltrige Sterne ist vorerst noch unerklärlich. (red, 14. 4. 2018)

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