Forscherin macht sich an "Wiederentdeckung" des Urkängurus

16. April 2018, 08:00
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Palaeopotorous priscus wurde vor über 30 Jahren entdeckt, hat bislang aber keinen Star-Status erlangt

foto: wendy den boer
Backenzähne wie dieser gehörten zu einem Tier, das eine bedeutende Rolle im Stammbaum der Kängurus gespielt haben könnte.

Uppsala – Betrachtet man die Stellung von Kängurus als lebende Wahrzeichen Australiens, sollte man meinen, dass ein mögliches Urkänguru – also ein Vorfahre aller heute lebenden Kängurus – ein paläontologischer Popstar sein müsste: bis ins letzte Detail erforscht und auch über das Fachgebiet hinaus bekannt wie das Urpferd Hyracotherium (geläufiger unter seinem alten Namen Eohippus).

Das ist bei Palaeopotorous priscus seltsamerweise aber nicht der Fall. Zähne des Tiers wurden in den 80ern im Bundesstaat South Australia gefunden, die Spezies 1986 beschrieben. Danach wurde noch hie und da in Fachbüchern auf Palaeopotorous kurz verwiesen, eingehendere Beschäftigung mit dem Urkänguru blieb aber aus.

Eine Forscherin der schwedischen Universität Uppsala hat sich nun auf einer Studienreise des vergessenen Tiers nach 30 Jahren wieder angenommen. Wendy den Boer untersuchte dafür nicht nur den einen Backenzahn, anhand dessen die Spezies seinerzeit definiert wurde, sondern elf weitere, bislang ignorierte, die bei der seinerzeitigen Expedition ebenfalls entdeckt worden waren. Diese seien anatomisch zwar sehr ähnlich, berichtet den Boer – da sie aber alle als Einzelstücke gefunden wurden, lässt sich nicht genau sagen, ob sie zur selben Spezies gehören oder zu nahen Verwandten.

foto: richard tedford
Wo sich heute Wüsten und Halbwüsten erstrecken, herrschte vor 24 Millionen Jahren noch üppiges Grün.

Palaeopotorous selbst wurde mit anderen fossilen sowie heute lebenden Kängurus verglichen. DNA-Analysen weisen laut den Boer darauf hin, dass das Tier tatsächlich nahe an der Wurzel des Stammbaums aller heutigen Kängurus und ihrer nächsten Verwandten, der eher nach Nagetieren aussehenden Rattenkängurus, stand.

Palaeopotorous priscus lebte vor 24 Millionen Jahren, als die heute wüstenhafte Fundregion noch grün und wasserreich war – die Fossilien des Tiers blieben in Lehmablagerungen eines ehemaligen Flusses erhalten. Die winzigen Zähne lassen laut den Boer darauf schließen, dass das Tier etwa die Größe eines kleinen Hasen hatte. Und auch wenn etwas später auftauchende Kängurus bereits erste Anpassungen an eine springende Fortbewegungsweise entwickelt hatten, dürfte dieses Tier noch auf allen Vieren gelaufen sein. (jdo, 16. 4. 2018)

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