Wiener Volksoper lässt "Holländer" fliegen

    12. April 2018, 14:07
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    Haus am Gürtel feiert 120. Geburtstag mit neun Premieren, fünf Wiederaufnahmen und 20 Repertoirestücke

    Wien – Die Wiener Volksoper feiert in der kommenden Saison ihren 120. Geburtstag – und weiht ihm neun Premieren zwischen einem Ballett-"Peter Pan", Wagners "Fliegendem Holländer" und dem Bernstein-Musical "Wonderful Town". "So abwechslungsreich und vielfältig wie das Haus ist auch unser Spielplan", zeigte sich Direktor Robert Meyer bei der Spielplanpräsentation am Donnerstag in Feierlaune.

    Das Jubiläum sowie den Auftakt zu seiner 12. Spielzeit am Haus am 1. September lässt Meyer mit einem ganztägigen musikalischen Open-Air-Fest im Arne-Carlsson-Park bei freiem Eintritt begehen lässt. Die erste Premiere steht dann zwei Wochen später (16. September) mit einem Stück an, das die Volksoper schon in drei Fassungen und als Langzeit-Repertoirestern geprägt hat: Kalmans "Csardasfürstin" habe sich eine "frische Inszenierung" verdient, diese wurde in die Hände von Peter Lund gelegt. Die Hauptrolle spielt die deutsche Sopranistin Elissa Huber, die dabei ihr Volksoperndebüt gibt, es dirigiert Alfred Eschwe.

    Benatzkys "Meine Schwester und ich"

    Aus dem klassischen Operettenfach ist neben Kalman auch Benatzky programmiert – allerdings mit einem Stück, das bisher nie am Haus zu sehen war. "Meine Schwester und ich" hatte bei seiner Uraufführung in Berlin nach einer "verzweifelten" und "hoffnungslosen" Probenphase durchschlagenden Erfolg, wie aus Benatzkys Tagebüchern hervorgeht. Meyer hofft nun, "dass auch wir große Anerkennung bekommen, aus dem einfachen Grund, weil ich das Stück selbst inszeniere". Es spielen und singen Mara Mastalir und Lukas Perman.

    Drei szenische Neuproduktionen bietet man auf dem Opernsektor an: Albert Lortzings Singspiel "Zar und Zimmermann" bringt Daniel Schmutzhard bereits ab 13. Oktober wieder in einer neuen Hauptrolle auf die Bühne, Hinrich Horstkotte kehrt als Personalunion von Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner ans Haus zurück. Große Oper steht dann ab 9. März auf dem Programm. An die letzte Inszenierung von Richard Wagners "Der fliegende Holländer" am Haus werde sich "wohl kaum jemand erinnern, die war nämlich 1908, also genau vor 110 Jahren", erläuterte Meyer. In der Titelrolle wird Markus Marquardt sein Gürtel-Debüt feiern, Meagan Miller singt die Senta, an Orchesterpult und Regiestuhl ist mit Marc Piollet und Aron Stiehl das bewährte "La Wally"-Duo engagiert.

    Die dritte szenische Opernproduktion findet nicht im Haupthaus, sondern im Kasino am Schwarzenbergplatz statt und setzt auf Zeitgenössisches: Thomas Ades' Kammeroper "Powder Her Face" ist eine "bissige Satire" über die Upper Class, bei der der deutsche Regie-Newcomer Martin G. Berger erstmals an der Volksoper arbeiten wird. Nicht mehr ganz zeitgenössisch, nämlich ein Jahrgangskollege der Volksoper selbst, ist George Gershwin, dessen "Folk Opera" "Porgy and Bess" Musikgeschichte geschrieben hat und in einer konzertanten Version mit Volksopernsängerin Melba Ramos am 10. Februar Premiere hat.

    Musical "Wonderful Town"

    Die Musicalsparte ist in der kommenden Saison mit einer einzigen Neuproduktion bestückt – und dem Jahresregenten Leonard Bernstein gewidmet, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre. "Wonderful Town" (Premiere am 9. Dezember) erzählt von zwei Schwestern vom Lande, die in New York ihr Glück versuchen, das Werk erlebte 1956 an der Volksoper seine europäische Erstaufführung. Die aktuelle Version ist mit der Staatsoperette Dresden koproduziert, von dort werden auch die beiden Schwestern Sarah Schütz und Olivia Delaure "übernommen", als Robert Baker hat man Publikumsliebling Drew Sarich gewonnen.

    Einen großen Bogen spannt man auch im Ballett: Während mit "Coppelia" (27. Jänner) von Pierre Lacotte nach Arthur Saint-Leon eine "große klassische Ballettpremiere" (Meyer) mit Staatsballett-Solotänzerin Natascha Mair angesetzt ist – am Pult steht Hamburg-Ballett-Kapellmeister Simon Hewett – bringt die Uraufführung von "Peter Pan" (11. Mai) das Volksopern-Ballettensemble ins Rampenlicht. Dessen Leiterin Vesna Orlic hat das bekannte Märchen zu Musik von Erich Wolfgang Korngold, Max Steiner oder Guido Mancusi choreografiert, tanzend ist die am Gürtel stationierte Truppe samt Unterstützung aus der Ballettakademie zu erleben.

    Ausgebautes Kinderangebot

    Mit fünf Wiederaufnahmen – Puccinis "Der Mantel / Gianni Schicchi", "Märchenwelt Ballett", "Don Giovanni", "Orpheus in der Unterwelt" und "Der Mann von La Mancha" – und 20 Repertoirestücken macht das Vierspartenhaus seine Jubiläumssaison voll. Weiter ausbauen möchte man Angebote für Kinder – denn Robert Meyer hält von dem Spruch "Kinder sind das Publikum von morgen" herzlich wenig. "In der Volksoper sind Kinder bereits das Publikum von heute." In diesem Sinne wurde nun eine eigene Musiktheatervermittlungsabteilung gegründet, die Workshops in vier Altersklassen für Kinder sowie Praxisworkshops für Lehrer zur Vor- und Nachbereitung des Opernbesuchs anbietet. Für Familien wird außerdem ein neuer "Familienpass" eingeführt, bei dem die zweite Erwachsenenkarte um die Hälfte, die erste Kinderkarte um 75 Prozent reduziert und die zweite Kinderkarte auf einen Euro heruntergesetzt ist. (APA, 12.4.2018)

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