Zuckerbergs große Monopollüge

    Analyse12. April 2018, 11:28
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    Wenn der Facebook-Chef von der Konkurrenz im Social-Media-Bereich spricht, verschleiert er die Wahrheit gröblich

    Mark Zuckerberg dürfte mit sich recht zufrieden sein: Zwei Tage lang musste er sich den Fragen des US-Kongresses stellen, wirklich in Bedrängnis konnten die Abgeordneten den Facebook-CEO dabei aber nie bringen. Eine der wenigen Ausnahmen lieferte der republikanische Senator Lindsey Graham, als er wissen wollte, was denn eigentlich die direkten Konkurrenten von Facebook seien – und damit Zuckerberg recht augenscheinlich aus dem Konzept brachte. Immerhin zielte Graham damit auf einen Punkt ab, der für jegliche Regulierung eine entscheidende Rolle spielen könnte: Nämlich auf die Frage, ob Facebook ein Monopol darstellt.

    Viele Apps, aber...

    Nach einigen Sekunden sichtlicher Verwirrung hatte sich Zuckerberg dann eine passende Antwort zurecht gezimmert: Der durchschnittliche US-Bürger benutze acht unterschiedliche Kommunikations- und Social-Media-Apps, insofern gebe es auch jede Menge Konkurrenz und Innovation in diesem Bereich. Eine Aussage, die bei näherer Betrachtung aber nichts anderes ist als eine schlecht kaschierte Unwahrheit.

    Was Zuckerberg nämlich dabei nicht sagt: Eine bedeutender Teil diese Apps stammt selbst wieder aus dem Hause Facebook. Neben der Facebook-App selbst finden sich seit Jahren in den weltweiten Top-10 der App-Nutzung auch noch der Facebook Messenger, Instagram sowie WhatsApp – alles Produkte aus dem Hause Facebook. Auch sonst sieht es mit der Vielfalt der globalen App-Nutzung nicht sonderlich gut aus. Stammt doch fast der gesamte Rest der beliebtesten Apps von Google, das etwa in den USA mit Youtube sogar derzeit ganz an der Spitze steht.

    Vergleiche

    Ein direkter Konkurrent zu Facebook ist Youtube aber bloß in einem sehr spezifischen Teilbereich, und dies auch nur deswegen, weil das soziale Netzwerk mit Facebook Live gezielt versucht, Google Konkurrenz zu machen. Klar ist jedenfalls, dass es keine relevante, direkte Alternative zu Facebook gibt. Der letzte größere Versuch in diese Richtung war Google+, mit dem Google aber eine spektakuläre Bauchlandung hingelegt hat. Zwar gab es in den letzten Jahren immer wieder Versuche, freie Alternativen zu etablieren, alle diese kamen aber nie über eine – sehr – kleine Nische hinaus.

    Der Grund dafür ist ebenfalls kein großes Geheimnis: Der Netzwerkeffekt macht es für neue Social-Media-Apps kaum mehr möglich mit einem dominierenden Service zu konkurrieren, wenn dieser einmal eine gewisse Größe erreicht hat. Die Nützlichkeit solch einer Plattform entsteht eben vor allem durch das soziale Netz seiner Nutzer. Wechseln einzelne User jetzt woanders hin, geht ihnen dieses praktisch zur Gänze verloren. Da wird es dann auch schnell zweitrangig, ob der neue Konkurrent technisch überlegen ist, oder gar besseren Datenschutz verspricht. Das zeigt sich nicht nur bei Facebook selbst, wiederholt sich – gerade in Europa – das ganze Spiel gerade mit Whatsapp, an dem es für viele Nutzer längst kein Vorbeikommen mehr gibt. Insofern hat Facebook natürlich ein Monopol im Bereich der sozialen Netzwerke.

    Geschickte Einkaufspolitik

    Eine Chance für neue Konkurrenten gibt es insofern nur mehr in neuen Bereichen, und hier offenbart sich der zweite große Problembereich. Hat Facebook seine Dominanz doch in den letzten Jahren über Zukäufe geschickt auf neue Kategorien ausgedehnt. Mit Instagram und Whatsapp dominiert das Unternehmen längst auch andere Bereiche. Und wo der Weg der Übernahmen nicht klappt, greift Facebook zu anderen Mitteln. Ob im Facebook Messenger, bei Instagram oder auch in Facebook selbst, überall dort hat Facebook Funktionen von Snapchat eins zu eins übernommen – und damit von der derzeit einzigen Top-Ten-App jenseits der Facebook/Google-Dominanz.

    Für die Politik ergeben sich daraus einige Lehren: Müsste doch jede sinnvolle gesetzliche Regulierung auch die Frage aufwerfen, wie dem erwähnten Netzwerkeffekt beizukommen ist, Social-Media-Apps bieten hier sehr spezifische Herausforderungen, die in der Vergangenheit in diesem Ausmaß nicht gegeben waren. Zudem müssen aber auch die Regulatoren dazulernen: Mit der Übernahme von Instagram und Whatsapp hat Facebook seine Dominanz recht geschickt auf zwei weitere Bereiche ausgedehnt. Im Nachhinein betrachtet stellt sich natürlich die Frage, ob diese Übernahmen je hätten genehmigt werden sollen – und wie man in Zukunft garantieren kann, dass sich dieses Spiel nicht immer wieder aufs Neue wiederholt. (Andreas Proschofsky, 12.4.2018)

    • Mark Zuckerberg sieht sein Unternehmen – wenig überraschend – nicht als Monopol.
      foto: leah millis / reuters

      Mark Zuckerberg sieht sein Unternehmen – wenig überraschend – nicht als Monopol.

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