Israel gedenkt der Holocaust-Opfer

    12. April 2018, 11:11
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    Landesweites Sirenengeheul – Netanyahu warnt Iran: Stellt unsere Entschlossenheit nicht auf die Probe

    Tel Aviv – Israel hat am Donnerstag der sechs Millionen Juden gedacht, die während des Holocaust von den Nationalsozialisten und ihren Helfershelfern ermordet wurden. Am Vormittag heulten landesweit zwei Minuten lang die Sirenen. Fahrer stiegen aus ihren Autos, Fußgänger hielten an und verharrten in stillem Gedenken.

    Zahlreiche Israelis nahmen am Mittwochabend an dem Programm "Erinnerung im Wohnzimmer" teil. Dabei erzählen Überlebende oder ihre Nachfahren anderen Israelis in privaten Häusern von Erlebnissen während des Holocaust.

    Bei der offiziellen Eröffnungszeremonie hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Mittwochabend in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem warnende Worte an den Iran gerichtet. "Ich habe eine Botschaft an die iranischen Herrscher: Stellt die Entschlossenheit des Staates Israel nicht auf die Probe." Netanyahu verglich das internationale Atomabkommen mit dem Iran mit dem Münchner Abkommen von 1938. Frankreich und Großbritannien hatten damals zugestimmt, dass Nazi-Deutschland sich die Sudetengebiete einverleibt.

    220.000 Holocaust-Überlebende

    "Es gibt jene, die sich – wie in München 1938 – Illusionen machen und glauben, dass dieses Abkommen mit dem mörderischen Regime seine Aggressivität stoppen wird", sagte Netanyahu. "Aber im Verlauf der Geschichte haben wir immer wieder gesehen, wie Abkommen mit solchen Regimen nicht das Papier wert waren, auf dem sie geschrieben standen."

    Mehr als sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs wohnen in Israel nach Angaben des zuständigen Finanzministeriums noch rund 220.000 Holocaust-Überlebende. Die Behörde hatte zuletzt ihre Definitionen erweitert. Demnach erhalten auch Juden aus arabischen Staaten heute Entschädigungszahlungen.

    Auch Polen gedenkt

    Auch in Polen wird mit dem "Marsch der Lebenden" an die Opfer der Schoah erinnert. Rund 12.000 junge Juden aus Israel und aller Welt sind nach Polen gereist. Von Holocaust-Überlebenden begleitet, wollen sie den etwa drei Kilometer langen Weg von Auschwitz nach Birkenau gehen, in das größte ehemalige deutsche Konzentrationslager. Die Organisatoren erwarten eine Rekordteilnehmerzahl von 12.000 Menschen.

    Die Feierlichkeiten werden allerdings von der jüngsten Diskussion um Polens umstrittenes Holocaust-Gesetz begleitet, das zu Jahresbeginn eine diplomatische Krise zwischen Israel und Polens nationalkonservativer Regierung auslöste. Die Regelung sieht Geld- und sogar Haftstrafen für diejenigen vor, die dem polnischen Staat oder Volk "öffentlich und entgegen den Fakten" die Verantwortung oder Mitverantwortung für Verbrechen des Nazi-Regimes zuschreiben. Polen war von 1939 bis 1945 von NS-Deutschland besetzt. (APA, dpa, 12.4.2018)

    • Am Vormittag heulten in Israel landesweit zwei Minuten lang die Sirenen. Fahrer stiegen aus oder von ihren Fahrzeugen ab.
      foto: ap photo/ariel schalit

      Am Vormittag heulten in Israel landesweit zwei Minuten lang die Sirenen. Fahrer stiegen aus oder von ihren Fahrzeugen ab.

    • Fußgänger hielten an und verharrten in stillem Gedenken.
      foto: reuters/ronen zvulun

      Fußgänger hielten an und verharrten in stillem Gedenken.

    • In Ausschwitz in Polen wird mit dem "Marsch der Lebenden" an die Opfer der Schoah erinnert.
      foto: reuters/kacper pempel

      In Ausschwitz in Polen wird mit dem "Marsch der Lebenden" an die Opfer der Schoah erinnert.

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