Rauchwolke um Schlachtschiff Tirpitz wurde in Norwegen zum Umweltproblem

    11. April 2018, 12:09
    31 Postings

    Deutsche Forscher konnten Verbindung zwischen ökologischen und historischen Ereignissen herstellen

    Wien – Manche historischen Ereignisse sind nicht nur in menschlichen, sondern auch in natürlichen Chroniken aufgezeichnet. Von einem solchen Beispiel berichtete nun Claudia Hartl von der Uni Mainz bei einer Geowissenschafts-Konferenz in Wien: Im Zweiten Weltkrieg sollte das vor Norwegen liegende deutsche Schlachtschiff Tirpitz vor Angriffen durch die Alliierten verborgen werden, indem es in Rauch gehüllt wurde. Das hatte Einflus auf das Wachstum der Bäume in der Region, der noch heute an ihren Jahresringen ablesbar ist.

    Mit Kollegen habe sie standardmäßig das Wachstum der Kiefern in norwegischen Fjorden anhand ihrer Jahresringe untersucht, erzählte die Forscherin vor Journalisten bei der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU). Die Wissenschafter entdeckten, dass viele der Bäume im Jahr 1945 kaum oder gar nicht gewachsen sind, dass heißt, der betreffende Jahresring war entweder ganz schwach ausgeprägt oder fehlte ganz.

    Spurensuche

    Aus historischen Dokumenten fanden die Forscher schließlich heraus, dass im Jahr zuvor (1944) die Tirpitz im Kafjord im Norden Norwegens vor Anker lag. Sie war das größte jemals in Europa gebaute Schlachtschiff und ein Ziel für Angriffe der Alliierten. Die Mannschaft versuchte dem vorzubeugen, indem sie das Schiff in Rauchwolken einhüllte. Dazu verwendete man laut historischen Quellen Gase, die Chlor und Schwefel enthielten. Diese reagierten mit Wasserdampf unter anderem zu Salz- und Schwefelsäure, berichtet Hartl. Die Dämpfe schädigten die Nadeln der Kiefern bis in mehrere Kilometer Entfernung.

    In der unmittelbaren Umgebung hatten zwei Drittel der Bäume keinen Jahresring für das Jahr 1945, so Hartl. Bei manchen davon fehlten sie sogar für die folgenden vier bis acht Jahre. Offensichtlich hatten die Kiefern also für lange Zeit keine intakten Nadeln, mit denen sie durch Photosynthese Energie zum Wachsen gewinnen konnten. Vermutlich starben damals viele der Bäume, aber einige regenerierten sich und zeugen demnach heute noch in ihren Jahresringen von der damaligen Umweltsünde der deutschen Soldaten.

    Die Bäume überlebten das Kriegsschiff freilich um Jahrzehnte, denn noch im November 1944 wurde es bei einem Luftangriff der Royal Air Force zum Kentern gebracht. (APA, red, 11. 4. 2018)

    Share if you care.