Neue ÖGB-Frauenchefin Schumann will mehr Frauen in allen Positionen

    11. April 2018, 10:09
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    Digitalisierung und Vereinbarkeit auf der Agenda. Als "sehr reale" Bedrohung für die Arbeiterkammer wertet Schumann das Regierungsprogramm

    Wien – Die neue ÖGB-Frauenchefin Korinna Schumann will mehr Frauen in allen Spitzenpositionen sehen – auch im Gewerkschaftsbund. Schumann wurde am Dienstag auf dem Bundesfrauenkongress zur Nachfolgerin der designierten Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl gewählt. Im Gespräch mit der APA warnte Schumann vor einem veralteten Frauenbild, das von der schwarz-blauen Regierung vermittelt werde.

    An der Spitze des ÖGB wäre es Zeit für eine Frau, räumte die neue Frauenvorsitzende ein. Allerdings gehe es hier nicht um ihre Person, sondern generell um mehr Frauen in allen Positionen, erklärte Schumann. Im Leitantrag der ÖGB-Frauen wurde auch auf die Einhaltung der internen Quote in Gremien auf allen Ebenen gedrängt.

    Starke Stimme für Randgruppen

    Kritik übte die neue ÖGB-Frauenvorsitzende an ÖVP und FPÖ, denn sie würden mit ihrer Politik ein Bild vermitteln, das nicht einem modernen Frauenbild entspricht. Auch vergesse Schwarz-Blau beim Blick auf die Leistungsträger auf jene Personen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden, schlecht qualifiziert sind oder einer sozialen Randgruppe angehören. All jenen will Schumann eine starke Stimme geben, denn anderenfalls werde es für die Gesamtgesellschaft schwierig, den sozialen Frieden zu erhalten.

    Einsetzen will sich Schumann für faire Arbeit, der digitale Wandel soll sich positiv für Frauen auswirken. Ein großes Anliegen ist der Frauenchefin auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Herausforderung Digitalisierung soll mittels Qualifizierung bewältigt werden, forderte sie.

    Als "sehr reale" Bedrohung für die Arbeiterkammer wertet Schumann das Regierungsprogramm und entsprechende Wortmeldungen von ÖVP und FPÖ. Hier sei sie auch "sehr kämpferisch", denn diese Institution unterstütze und kämpfe für Beschäftigte. ArbeitnehmerInnen würden unter einem Kahlschlag leiden, fürchtet sie.

    Leichtere Lesbarkeit der Einkommensberichte

    Eine Forderung der ÖGB-Frauen betrifft etwa die Lohngerechtigkeit. Die bestehenden verpflichtenden Einkommensberichte seien nur ein erster Schritt und müssen weiter entwickelt werden. Es bräuchte etwa eine leichtere Lesbarkeit für die Betriebsräte und spürbare Sanktionen. Schumann drängt außerdem: "Das Lohntransparenzgesetz muss umgesetzt werden." Forderungen nach einem Mindestlohn von 1.700 Euro hält sie für realistisch, da die Grenze bereits stetig angehoben wurde.

    Die ÖGB-Frauen wollen auch Frauenministerin Juliane Bogner-Strauss (ÖVP) einen Antrittsbesuch abstatten. Dabei werde man Bogner-Strauss auch um eine Konkretisierung ihrer Vorstellungen bitten, erklärte Schumann. (APA, 11.4.2018)

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