Ausprobiert: Wie Pizza aus dem "Pizzadrucker" schmeckt

    10. April 2018, 12:45
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    24.000-Euro-Automat bereitet "frische" Gustoscheiben in drei Minuten zu und soll bald vielerorts in Österreich stehen

    Kaum ein Gericht erfreut sich so universeller Beliebtheit wie die Pizza. Der belegte und gebackene Teigfladen italienischer Herkunft schmeckt freilich auch technikaffinen Journalisten. Dementsprechend groß war der Andrang am Wiener Campus der Erste Bank bei der Vorstellung des Pizzaautomaten "Let's Pizza". Unterstützt von der Bank bringt der Unternehmer Leo Kohn das Gerät nach Österreich.

    Die sperrige, knallrote Maschine soll in weniger als drei Minuten eine "frische" Pizza ausspucken. Gewählt werden kann zwischen vier Sorten: Schinken, Speck, Salami und Quattro Formaggi. Nach Geldeinwurf und Knopfdruck nimmt das Gerät seine Arbeit auf.

    foto: derstandard.at/pichler
    Der Pizzaautomat ist kein kleines Gerät.

    Teigschleuder und Saucendrucker

    Im ersten Schritt vermengt das Gerät Mehl und Wasser per Schleudergang zu einem Teig. Anschließend wird dieser zu einem Fladen mit 27 Zentimetern Durchmesser gepresst – ein Vorgang, bei dem man durch ein Fenster von außen zusehen kann. Anschließend verschwindet der in Arbeit befindliche Snack in den Innereien von Let's Pizza. Zwecks Vorführung wurden diese bei der Vorstellung natürlich offengelegt.

    Im nächsten Arbeitsabschnitt wird der Teig mit Tomatensauce "bedruckt". Anschließend läuft er über eine Brücke zum Abteil mit dem weiteren Belag. Dieser besteht aus fertig zugepressten Käsescheiben inklusive des jeweiligen Fleischprodukts. Die Belagzutaten werden in einem Kühlfach gelagert, in dem die Temperatur stets zwischen zwei und sechs Grad Celsius liegt. Tiefgekühltes kommt nicht zum Einsatz.

    foto: derstandard.at/pichler
    Sven Opravic zeigt die Innereien der Maschine.

    Eine Minute, 400 Grad

    Für das Finale läuft die Pizza über das vorgeheizte Backfach, in das sie hineingesenkt wird. Dort sorgen mehrere Heizelemente für eine Temperatur von rund 400 Grad. Nach einer Minute in Rotation ist das Essen fertig.

    Währenddessen hat der Automat im Ausgabefach bereits eine Kartonunterlage zurechtgefaltet. Ein Lift führt die Pizza hinab und entlädt sie. Anschließend kann sie entnommen und verspeist werden. Falls notwendig, erhält man per Knopfdruck ein Set Plastikbesteck, denn vorgeschnitten wird die Pizza von der Maschine nicht.

    foto: derstandard.at/pichler
    Die Tomatensauce wird "aufgedruckt", der Belag ist fix und fertig abgepackt.

    Einfache Tiefkühlalternative

    Kulinarisch entspricht das Endprodukt dem Niveau üblicher Tiefkühlvarianten. Der Teig ist gut knusprig, aber eher geschmacksarm. Der Käse gustiert "okay" und zieht anfangs schöne Fäden. In erkalteter Form geht die Konsistenz aber recht schnell Richtung "Gummi".

    Letzteres Problem ist wohl vernachlässigbar, ist die Automatenpizza doch eindeutig für den schnellen Verzehr gedacht. Der Vorteil zum Pendant aus der Tiefkühltruhe liegt klar in der schnelleren Zubereitung und einfachen Verfügbarkeit. Wer richtig gute Pizza möchte, wird auch in Zukunft selbst den Backofen anwerfen oder den bevorzugten "Italiener" aufsuchen.

    foto: derstandard.at/pichler
    Die Pizza wird bei rund 400 Grad eine Minute lang gebacken.

    24.000-Euro-Automat meldet sich per App

    Hinter dem Produkt stehen das Vater-Sohn-Duo Boris und Sven Opravic aus Kroatien. Sie setzen die Distribution und Vermarktung von Let's Pizza gemeinsam mit dem italienischen Erfinder um. Das eigene Unternehmen, Svesa Food-Beverages, ist zudem für die Herstellung der Beläge zuständig.

    24.000 Euro kostet ein neuer Automat, erklärt Sven Opravic im Gespräch mit dem STANDARD. Mit einer Füllung Mehl lassen sich 100 Pizzen machen, je nach Sorte lassen sich 50 Belagscheiben lagern. Geht eine Zutat zur Neige oder gibt es technische Probleme, kann sich Let's Pizza am Smartphone des Betreibers melden. Per App lassen sich auch Verkaufsstatistiken abrufen und die Backtemperatur einstellen.

    foto: derstandard.at/pichler
    Die Gustoscheibe kommt mit vorgefalteter Kartonunterlage aus der Maschine.

    Andere Länder, andere Sorten

    Bei den Sorten setzt man auf länderspezifische Varianten. So gibt es unterschiedliche Fleischsorten. Man arbeitet auch an der Umsetzung von Gemüsebelägen für Vegetarier, die nach aktuellen Plänen in drei bis vier Monaten verfügbar sein sollen. Für Standorte mit größerer muslimischer Kundschaft bietet man auch Halal-Beläge an.

    Der Preis einer Pizza hängt vom jeweiligen Betreiber und Standort ab, Let's Pizza setzt diesbezüglich keine Vorschriften. Am Vorführautomaten war bei zwei Sorten eine Preisaufschrift von 6,50 Euro zu lesen, die man wohl als Richtwert interpretieren kann.

    Die ersten Automaten sind bereits in Betrieb und stehen in Südkorea und Australien. In drei Monaten will man auch in Kanada starten und in einem Jahr in den USA. Aktuell liegt aber der Fokus auf Europa. Innerhalb der kommenden drei bis sechs Monate möchte man die meisten europäischen Märkte bedienen.

    Großes Interesse

    In Österreich soll es laut Opravic großes Interesse geben. Täglich würden etwa drei bis vier Anfragen eingehen, darunter auch von Einkaufszentren. Als geeignete Standorte denkbar wären aber auch Bahnhöfe und andere Orte mit hohem Aufkommen an Laufkundschaft.

    Aktuell befindet man sich zudem in Verhandlungen mit einer europaweit etablierten Tankstellenkette. Die Erwartungen sind hoch, meint Opravic. "Wir denken, dass Let's Pizza in einem Jahr ein großer Erfolg sein wird." (Georg Pichler, 10.4.2018)

    Update 14.05 Uhr: Preisinformation ergänzt. Der Preis für eine Pizza wird nicht von Let's Pizza vorgeschrieben, sondern hängt vom jeweiligen Anbieter und Standort ab. Am Vorführgerät war eine Preisauszeichnung von 6,50 Euro zu lesen, die als Richtwert interpretiert werden kann.

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