Mann in Villach bei Sturz in Brunnenschacht gestorben, Kind überlebte

    10. April 2018, 11:15
    43 Postings

    Ein 56-jähriger Sozialbetreuer und ein fünfjähriger Bub fielen in den 17 Meter tiefen Schacht. Das Kind wurde beinahe unverletzt geborgen

    Villach – Ein Fünfjähriger und sein 56-jähriger Sozialbetreuer sind am Montagabend in Villach in einen 17 Meter tiefen Brunnenschacht gestürzt. Während der Bub fast unverletzt überlebte, kam für den Mann jede Hilfe zu spät. Der Kommandant der Hauptfeuerwache Villach, Harald Geissler, sprach von einem extrem belastenden Vorfall: "Bei gewissen Einsätzen hofft man, dass sie nur einmal vorkommen."

    Die beiden waren als vermisst gemeldet worden. Rund 50 Polizisten, Feuerwehrleute, Bergretter und Angehörige des Roten Kreuzes suchten daraufhin stundenlang mit einem Hubschrauber und mit Suchhunden. Durch leise Hilferufe des Buben entdeckten die Suchtrupps schließlich den Schacht. Ein Feuerwehrmann wurde hinuntergelassen und barg den Fünfjährigen.

    Schacht nur einen Meter breit

    Als die Hauptfeuerwache gemeinsam mit zwei weiteren Feuerwehren zum Unglücksort kam, war die Suchaktion der Polizei nach den beiden Vermissten, die zuvor im Garten gespielt hatten, bereits länger gelaufen: "Wir haben den Schacht ausgeleuchtet und gesehen, dass sich der Bub, der auf dem Mann gelegen ist und mit einem Fuß eingeklemmt war, bewegt hat. Daraufhin haben wir sofort einen Dreifußbock aufgestellt, ein spezielles Gerät, an dem wir die Verankerung für das Rettungsseil befestigt haben."

    Der Feuerwehrmann Thomas Prettner wurde in den nur einen Meter breiten Schacht hinuntergelassen. "Gleichzeitig haben wir auch ein Gerät in den 17 Meter tiefen Schacht gelassen, mit dem wir laufend eine mögliche Gaskonzentration und den Sauerstoffgehalt der Luft gemessen haben", sagte Geissler. Der Feuerwehrmann stellte fest, dass der Fünfjährige ansprechbar war. "Der Bub war sehr tapfer", so Geissler. "Er hat aber gesagt, dass der Mann, der auch heruntergefallen ist, nicht mit ihm redet, und dass ihm kalt sei."

    Prettner packte den Buben in eine sogenannte Bergewindel. "Während er ihn in dem nur einen Meter breiten Schacht gesichert hat, hat er ständig mit dem Buben geredet, um ihn zu beruhigen. Er hat gefragt, ob er schon einmal mit einem Feuerwehrauto gefahren ist oder ob er schon einmal an einem Seil geklettert ist", berichtete Geissler. Der Bub wurde leicht verletzt der Rettung übergeben: "Es ist uns allen ein Rätsel, wie er das nur leicht verletzt überlebt haben kann." Später wurde auch noch der 56-Jährige aus dem Schacht geborgen, für ihn kam aber jede Hilfe zu spät.

    Brunnenschacht war ausgetrocknet

    Der Schacht liegt etwas abseits des Hauses, in dem der Fünfjährige wohnt: "Man hat ihn im ersten Moment auch gar nicht gesehen. Es war Gestrüpp und Unterholz darüber", erzählte Geissler. Glück für den Buben war wohl, dass der Schacht ausgetrocknet war. "Nicht auszudenken, wie das ausgegangen wäre, wenn der Brunnen auch noch Wasser geführt hätte."

    Eine Bergung von Unfallopfern aus Schächten sei zwar selten, aber kein Einzelfall für die Hauptfeuerwache Villach, sagte Geissler: "Wir haben rund vier bis sechs Fälle im Jahr, bei denen wir etwa auf Baustellen Verunglückte aus Schächten bergen müssen." Der aktuelle Fall sei aber wegen der Tiefe des Schachts extrem gewesen. Zum Einsatz kam die Gruppe "Menschenrettung und Absturzsicherung"; die auf solche Fälle spezialisierte Truppe kann bei Bedarf auch auf die Berg- oder die Höhlenrettung zurückgreifen.

    56-Jähriger war jahrelang in Kinderhilfe tätig

    Laut dem Land Kärnten hatte der 56-Jährige den Buben einmal pro Woche besucht. Der Mann war verheiratet und hatte selbst zwei Kinder.

    "Er hat seine Berufung zum Beruf gemacht, war ein Familienintensivbetreuer aus Idealismus und mit Herzblut", erklärte Sozialreferentin Beate Prettner (SPÖ). Der 56-Jährige war über Jahre hinweg bei der Bezirkshauptmannschaft Villach in der Kinder- und Jugendhilfe tätig. Seit 23 Jahren arbeitete er als Familienintensivbetreuer beim B3-Netzwerk, einer gemeinnützigen Organisation, die Kindern, Jugendlichen und deren Familien Unterstützung in schwierigen Situationen bietet. (APA, 10.4.2018)

    Der Artikel wurde um 11.15 Uhr aktualisiert.

    • Die Feuerwehr im Einsatz, nachdem ein 56-jähriger Mann und ein fünfjähriger Bub am Montag in Villach in einen Brunnenschacht gestürzt waren. Der Mann starb dabei, während der Bub fast unverletzt überlebte.
      foto: apa/hfw villach

      Die Feuerwehr im Einsatz, nachdem ein 56-jähriger Mann und ein fünfjähriger Bub am Montag in Villach in einen Brunnenschacht gestürzt waren. Der Mann starb dabei, während der Bub fast unverletzt überlebte.

    • Der Brunnenschacht ist 17 Meter tief.
      foto: apa/hfw villach

      Der Brunnenschacht ist 17 Meter tief.

    Share if you care.