Fischsaurier waren noch viel größer als bisher angenommen

10. April 2018, 08:37
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Ein Unterkieferknochen legt nahe, dass Ichthyosaurier 26 Meter lang werden konnten und damit zu den größten Tieren zählten, die je auf unserem Planeten gelebt haben

Manchester/Wien – Im Mai 2016 wurde der britische Fossiliensammler Paul de la Salle am Strand von Lilstock bei Somerset fündig. Was auf den ersten Blick wie ein Stein aussah, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als Fossil eines uralten Knochens. "Ich dachte, das könnte zum Kiefer eines Fischsauriers gehören", erinnert sich de la Salle, der umgehend Kontakt mit Dean Lomas (Uni Manchester) und Judy Massare (Suny College in Brockport) aufnahm, zwei der weltweit führende Ichthyosaurier-Spezialisten.

Die zusammengesetzten Teile des Unterkiefers.

Dank weiterer Funde von de la Salle standen den Forschern fünf Teile eines rund einen Meter langen Knochens zur Verfügung, den sie tatsächlich als Teil des Unterkiefers eines Fischsauriers identifizierten. Doch um welche Spezies handelte es sich? Bei Vergleichen zeigte sich die größte Ähnlichkeit mit einem Shonisaurus sikanniensis, dem größten bekannten Fischsaurier, der nach bisherigen Schätzungen bis zu 21 Meter lang wurde.

Der Schrecken der Meere vor 200 Millionen Jahren: Shonisaurus sikanniensis.

Die in Großbritannien gefundenen Knochenfragmente, die rund 205 Millionen Jahre alt sein dürften, sind aber deutlich größer als jene des bisher größten Shonisaurus, der im Royal Tyrell Museum im kanadischen Alberta ausgestellt ist. Das internationale Forscherteam schätzt, dass der Fischsaurier aus England bis zu 26 Meter lang war, also fast so lang wie ein Blauwal.

Rekonstruktionen eines Shonisaurus und seines Skeletts.

Das internationale Forscherteam hat im Fachblatt "PLoS One" nun aber nicht nur die Knochen dem größten bekannten Fischsaurier zugeordnet. Die Paläontologen konnten damit womöglich auch ein weiteres uraltes Rätsel lösen: Vor 150 Jahren wurden in Großbritannien nämlich "Dinosaurierknochen" entdeckt, die man bisher keiner Art zuordnen konnten.

Womöglich gehörte zumindest einer dieser Knochen von der sogenannten Aust-Klippe einem ähnlichen Fischsaurier. Stimmt die Vermutung, dann wäre der aufgrund der Größe dieses Knochens noch einmal größer gewesen als jener, dessen Unterkiefer vor zwei Jahren am Strand bei Somerset gefunden und nun erstmals beschrieben wurde. (tasch, 10.4.2018)

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