Senegal steigt in westafrikanischen Ölförderboom ein

    10. April 2018, 09:00
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    Im Meeresboden vor dem Senegal wurden große Mengen Erdöl gefunden. Das könnte der Bevölkerung mehr Wohlstand bringen oder die bereits stark spürbaren Folgen des Klimawandels weiter verstärken

    Im Senegal herrscht Goldgräberstimmung – und zwar im Meeresboden: Das britische Unternehmen Cairn Energy hatte im Jahr 2014 verkündet, in der Offshore-Anlage Sangomar Deep bei einer Testbohrung in 4.927 Metern Tiefe mehr als eine Milliarde Barrel Erdöl entdeckt zu haben. Rund 20 internationale Unternehmen, darunter westliche Großkonzerne wie BP, Total und Conoco Phillips, beteiligen sich an Testbohrungen. 2021 soll das erste Öl fließen.

    Erst 2015 sprach sich Senegals amtierender Präsident Macky Sall bei der Pariser Klimakonferenz für eine saubere Energiezukunft in Afrika aus. Er unterstrich die Bedeutung des UN-Klimafonds, der für Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern geschaffen wurde. Dieser könne dabei helfen, die Folgen des Klimawandels zumindest abzumindern.

    Schon jetzt sind in senegalesischen Küstenstädten wie Saint Louis nicht nur halbe Strände, sondern ganze Häuserstrukturen dem steigenden Meeresspiegel zum Opfer gefallen. Wetteranomalien bringen einmal Dürren, ein anderes Mal Überflutungen. Auch die Desertifikation und Versalzungen der Böden schreiten voran.

    Viel Potenzial durch Erdöldeal

    Doch von diesen Worten ist mehr als zwei Jahre später wenig zu spüren: Das Ministerium für Energie und Entwicklung von erneuerbaren Energien wurde bereits in das Ministerium für Petroleum und Energie umbenannt. Das Erdöl aus der Tiefe des senegalesischen Meeresbodens ist vor allem für den Verbrauch in Europa, China, den USA und anderen Industrienationen bestimmt. Den Senegal erwarten als Gegenleistung für die Ölbohrkonzessionen Devisen.

    Im Mai dieses Jahres zahlte der französische Fossilgigant Total 100 Millionen Dollar für eine der Ultra-Deep-Testbohrfeld-Konzessionen. Wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Organisationen im Senegal eint zwar die Sorge, dass dieses Geld nicht im erhofften Umfang bei der Bevölkerung ankommen wird, dennoch überwiegt in großen Teilen des Landes momentan die Freude.

    So auch beim Umweltschützer Mbacke Seck. Er erklärt, dass das Geld aus dem Erdöldeal viel Potenzial böte. Obwohl er im Zusammenhang mit den Offshore-Erdölbohrungen Risiken für die Fischerei und die stabile Demokratie sieht, wecken die Gelder der westlichen Erdölunternehmen bei ihm die Hoffnung darauf, endlich auch soziale und ökologische Entwicklungen frei mitgestalten zu können.

    Man könne damit Arbeitsplätze aufbauen und die alarmierende Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen. Der Ausbau von erneuerbaren Energien sei mit den Erdölgeldern im großen Stil möglich. Mbacke ist überzeugt, dass Solarenergie in einem Land mit mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr die saubere Antwort auf Energieprobleme sein sollte.

    Hoffnung und Widerspruch

    Trotz der Hoffnung auf Wirtschaftswachstum und die Förderung grüner Energien ergibt sich ein Widerspruch, wenn die Folgen des Klimawandels vermieden, aber gleichzeitig neue Erdölfelder erschlossen werden sollen. Eine im Journal Climatic Change veröffentlichte Studie berechnete erstmals, welchen Anteil an den Emissionen der vergangenen Jahrzehnte die Erdölindustrie hatte. Demnach gehen allein seit 1980 etwa zehn Prozent des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur und vier Prozent des Meeresspiegelanstiegs auf eine Gruppe von 50 privaten Erdölunternehmen zurück.

    Einige dieser Erdölfirmen sind auch im Senegal aktiv. Und das, obwohl sich laut Cairn Energy die Investitionen nur dann rechnen werden, wenn der Barrelpreis bis 2021 nicht unter das Letztjahrestief von circa 24 Euro fällt. (Valentina Aversano-Dearborn aus Dakar, 10.4.2018)

    • Erst im März zerstörte ein Sturm wieder Häuserstrukturen an der Küste Senegals.
      foto: valentina aversano-dearborn

      Erst im März zerstörte ein Sturm wieder Häuserstrukturen an der Küste Senegals.

    • Auch der steigende Meeresspiegel setzt die Bevölkerung zunehmend unter Druck.
      foto: valentina aversano-dearborn

      Auch der steigende Meeresspiegel setzt die Bevölkerung zunehmend unter Druck.

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