Zucker-Debatte: Experte fordert Bildung statt Steuern und Verbote

    7. April 2018, 06:00
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    Ein Wiener Ernährungswissenschafter hält die Getränke-Wahl für eine persönliche Entscheidung und Steuern auf Zucker für wenig zielführend

    Ob man gesüßte Getränke oder Wasser trinkt, darf der Staat nicht mitentscheiden. Dieser Meinung ist Jürgen König vom Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien. Das Problem müsse angegangen werden, indem man die Konsumenten bildet, sie darüber informiert, was gesund ist. Süßstoffe seien aber bedenkenlos.

    Damit reagierte der Ernährungswissenschafter auf die Diskussion rund um Vorwürfe von Foodwatch gegenüber Coca-Cola und die ab heute in Großbritannien geltende Steuer auf stark gezuckerte Getränke. Er sieht die Steuer als nicht zielführend an, denn "mindestens die gleichen Argumente könne man auch für eine Fettsteuer formulieren". Außerdem gebe es für die Konsumenten genügend zuckerfreie Alternativen ohne Geschmackseinbußen, die man zu sich nehmen kann. Foodwatch hat den Einsatz von Süßstoffen kritisiert, stattdessen solle der Gewöhnung an süßen Geschmack bei jungen Menschen entgegengewirkt werden.

    Zucker sei auch nicht allein für Krankheiten verantwortlich, so König. "Bei zucker-gesüßten Getränken gibt es aber einen Zusammenhang mit Übergewicht. Das hat mit der geringen Sättigungswirkung zu tun und der Geschwindigkeit, mit der man Energie über flüssige Lebensmittel aufnehmen kann." Getränke mit Süßungsmitteln wie Aspartam oder Cyclamat seien dagegen ungefährlich. "Sie werden regelmäßig von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit überprüft." Dennoch sei eine ausgewogene Ernährung wichtig.

    Auf Tee und Wasser setzen

    Ingrid Kiefer von der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) sieht in der aktuellen Zucker-Diskussion nicht nur den US-Konzern Coca-Cola in der Pflicht: "Es geht um alle Limonaden, denn sie haben alle einen Zuckergehalt, der fast identisch ist." Aus diesem Grund sei es empfehlenswert, einen Blick auf die Getränkeliste des Gesundheitsministeriums zu werfen. Laut dieser Liste sollte ein Getränk einen maximalen Zuckergehalt von 7,4 Gramm pro 100 Milliliter haben und keine Süßstoffe enthalten. So sind neben Wasser auch ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sowie stark verdünnte Fruchtsäfte als Durstlöscher geeignet.

    Das Gefährliche am Konsum von überzuckerten Getränken ist es, dass der Mensch "eine angeborene Präferenz für Süßes" habe, sagte Kiefer. Deshalb sei es auch so schwierig, dass man Kinder wieder an geschmackloses Wasser gewöhne, nachdem sie viel Zuckerhaltiges zu sich genommen haben. Es entsteht eine Zuckerschwelle, die nur schwer wieder zu senken ist. (APA, 7.4.2018)

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      Ein Getränk sollte einen maximalen Zuckergehalt von 7,4 Gramm pro 100 Milliliter haben, so der Rat aus dem Gesundheitsministerium.

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