Stalinismus-Historiker von Kinderporno-Vorwurf freigesprochen

6. April 2018, 11:37
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Menschenrechtsgruppe Memorial vermutete, dass Dmitrijew mit den Vorwürfen mundtot gemacht werden sollte

Moskau – In einem umstrittenen Prozess hat ein russisches Gericht den angesehenen Menschenrechtler und Historiker Juri Dmitrijew von Vorwürfen angeblicher Kinderpornografie freigesprochen. Er müsse sich jedoch wegen illegalen Waffenbesitzes regelmäßig bei der Polizei melden, berichtete die Zeitung "Nowaja Gaseta" am Donnerstag unter Berufung auf Dmitrijews Anwalt Viktor Anufrijew.

"Wir haben zu 90 Prozent erreicht, was wir wollten", sagte der Jurist nach der Urteilsverkündung in der Stadt Petrosawodsk nahe der finnischen Grenze. Dmitrijew hat sich einen Namen gemacht, weil er in der Region viele Massengräber mit Erschießungsopfern des Terrors unter Sowjetdiktator Josef Stalin gefunden hat.

Er ist auch lokaler Vorsitzender der Bürgerrechtsorganisation Memorial. Sie protestierte seit Monaten gegen die Anschuldigungen: Der 62-Jährige solle mit dem Prozess in seiner Aufklärungsarbeit mundtot gemacht werden.

"Entwicklung für Jugendamt dokumentiert"

Die Anklage stützte sich auf Nacktfotos der Pflegetochter Dmitrijews. Der Historiker betonte jedoch, er habe mit den Bildern die Entwicklung des Kindes für das Jugendamt dokumentiert. Zuletzt hatten mehrere Analysen ergeben, dass es sich bei den Bildern nicht um Kinderpornografie handelt.

"Nowaja Gaseta" bezeichnete den Richterspruch als ein "beispielloses Urteil". Es sei schon zu Beginn offensichtlich gewesen, dass Dmitrijew unschuldig sei. Die Anklage, die neun Jahre Haft gefordert hatte, habe keinerlei Beweise vorgelegt. (APA, 6.4.2018)

  • Stalinismus-Historiker Juri Dmitrijew wurde wegen Nacktfotos seiner Pflegetochter strafrechtlich verfolgt. Ein Gericht urteilte nun, dass es sich nicht um Kinderpornographie gehandelt habe.
    foto: reuters / vladimir larionov

    Stalinismus-Historiker Juri Dmitrijew wurde wegen Nacktfotos seiner Pflegetochter strafrechtlich verfolgt. Ein Gericht urteilte nun, dass es sich nicht um Kinderpornographie gehandelt habe.

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