Fossil eines Fischsaurierweibchens hat Bauch voller Kinder

7. April 2018, 15:00
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Überreste stammen aus dem frühen Jura von Yorkshire – Museum erwarb Fossil für eine Ausstellung

illustration: nobumichi tamura
Einblick ins Innere eines trächtigen Fischsauriers.

Manchester – Bei den entfernt robbenähnlichen Plesiosauriern hatte man lange Zeit gerätselt, ob sie noch dazu in der Lage waren, auf ihren Flossen an Land zu watscheln, um dort Eier abzulegen – heute nimmt man an, dass sie lebendgebärend waren. Bei den Ichthyosauriern stand das ohnehin nie in Frage: Mit ihrem fisch- oder delfinähnlichen Körperbau hatten sie sich so stark an das Leben im Meer angepasst, dass ihnen jeder Landgang unmöglich war. Sie müssen ihre Jungen also im Körper ausgetragen haben.

Seit der Erstbeschreibung eines Ichthyosaurus im Jahr 1821 wurde auch bereits eine Reihe von Fischsaurier-Fossilien mit Embryos im Körper gefunden. Ein besonders spektakuläres ist nun das Prunkstück der Ausstellung "Yorkshire's Jurassic World" im Yorkshire Museum. Es ist etwa 180 Millionen Jahre alt und wurde 2010 nahe Whitby in North Yorkshire ausgegraben. Ursprünglich gehörte es einem Fossiliensammler – da dieser annahm, dass die winzigen Knochen und Wirbel im Bauchraum des Tiers von Embryos stammen könnten, hat das Museum den Fund inzwischen erworben.

Ausgetragen, nicht gefressen

Und der Verdacht bestätigte sich, nachdem sich Experten des Funds aus dem frühen Jura angenommen hatten: Die Knochen müssen zu mindestens sechs, vielleicht sogar acht Jungtieren gehört haben – eindeutig ebenfalls Fischsauriern. Theoretisch wäre auch denkbar, dass diese von dem ausgewachsenen Tier gefressen wurden: Es könnte den ganzen Wurf eines Artgenossen oder nahen Verwandten verschlungen haben.

Die Forscher glauben das aber ausschließen zu können. Zum einen wurden keine Überreste von Fischen oder Kopffüßern – der üblichen Nahrung von Fischsauriern – zwischen den Babyknochen gefunden; es ist also unwahrscheinlich, dass es sich um den Mageninhalt handelt. Außerdem zeigten die Knochen keinerlei Zersetzungsspuren durch Magensäure. Es dürfte sich also tatsächlich um den Gebärmutterinhalt eines trächtigen Weibchens handeln.

Offen bleibt vorerst allerdings, welcher Spezies genau das unvollständige Fossil zuzurechnen ist. Einiges spricht laut den Forschern für die Art Stenopterygius, von der man in Deutschland schon über hundert Exemplare gefunden hat – auch solche mit bis zu elf Embryos im Körper. Möglicherweise handelt es sich aber auch um eine bislang unbekannte Art. (red, 7. 4. 2018)

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