Einführung der Intelligenten Stromzähler in Deutschland stockt

    5. April 2018, 07:36
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    Genehmigungen für Datenübertragung fehlen – Jetzt eingebaute Geräte können kaum mehr als klassische Messgeräte

    Der Stromzähler soll intelligent werden – und die Energiekosten für Verbraucher senken. Doch der Weg dahin ist lang. Denn smarte Messgeräte müssen hohe Sicherheitsstandards erfüllen, auch gegen Angriffe von Kriminellen. Die Genehmigungen für wirklich "Intelligente" Stromzähler liegen in Deutschland noch nicht vor.

    Wäsche waschen, wenn der Strom für die Waschmaschine besonders preiswert ist. Das Elektroauto mitten in der Nacht laden. Oder den Strom der Solaranlage auf dem eigenen Dach zu guten Preisen ins Netz abgeben. Dafür sollen intelligente Stromzähler sorgen. Doch die Einführung dieser Tausendsassas der Energiewende ist in Deutschland ins Stocken geraten. Dabei sollten die ersten größeren Stromverbraucher schon seit dem vergangenen Jahr mit den Smart-Metern ausgerüstet werden. Aber die Zugänge ("Gateways"), die den Zähler mit den Netzbetreibern und den Stromlieferanten verbinden sollen, sind immer noch nicht zugelassen.

    Tausch

    Für die meisten Privathaushalte sind solche intelligenten Stromzähler ohnehin noch Zukunftsmusik. Bei ihnen wird nur der vertraute schwarze Zähler mit Drehscheibe gegen einen digitalen Stromzähler ausgetauscht. Er kann "ein bisschen mehr als die alten Zähler", sagt der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Udo Sieverding.

    An den digitalen Geräten kann der Kunde ablesen, wie viel Strom er beispielsweise am Vortag, in der vergangenen Woche oder im ganzen Monat verbraucht hat. Noch sei das Ablesen der Werte aber schwierig: Viele Geräte müssten dafür umständlich mit einer Taschenlampe angeblinkt werden, bemängelt Sieverding. Zum Ablesen für die Stromrechnung muss weiter ein Mitarbeiter des Stromlieferanten kommen oder der Kunde gibt die Daten selbst über das Internet ein.

    Der Nutzen der modernen Zähler halte sich daher für den Stromkunden in Grenzen. "Wer seine Stromfresser sind, weiß er auch so", sagt der Verbraucherschützer. Die höheren Kosten der neuen Zähler, für die im Jahr maximal 20 Euro berechnet werden dürfen, etwa 7 Euro mehr als bisher, ließen sich beim Stromverbrauch mit Hilfe der neuen Geräte vermutlich nicht einsparen. Und wenn der neue Zähler nicht in den Zählerkasten passe, könne es für den Haubesitzer richtig teuer werden.

    Austausch

    Etwa 88 Prozent der Haushalte in Deutschland sollen diese digitalen Zähler erhalten. Der Austausch läuft bereits. Bis aber alle Haushalte neue Messgeräte erhalten haben, wird viel Zeit vergehen. Bis 2032 sollen alle Verbraucher laut Bundesnetzagentur mit modernen Messeinrichtungen ausgestattet sein. Ihr zufolge gab es 2016 rund 7 Millionen elektronische und gut 43 Millionen klassische Zähler.

    Zum intelligenten Stromzähler werden die digitalen Geräte erst dann, wenn sie eine Kommunikationseinheit erhalten und über das Internet Daten versenden können. Doch hier hakt es. Dabei sollten Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 10 000 Kilowattstunden im Jahr und Betreiber von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als 7 Kilowatt schon seit 2017 intelligente Messsysteme erhalten. Ab einem Jahresverbrauch von 6000 Kilowattstunden ist ein Pflichteinbau von 2020 an vorgesehen. Bei einem geringeren Jahresverbrauch kann der Stromkunde den Einbau eines intelligenten Messsystems beantragen.

    Doch noch hat keiner der Zugänge, die die Daten übertragen sollen, die Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheitin der Informationstechnik (BSI) erhalten. Neun Hersteller haben ihre Geräte eingereicht, teils schon vor Jahren. Das BSI schweigt, woran die Verzögerung liegt. "Aus Gründen der Vertraulichkeit kann das BSI keine Auskunft zum voraussichtlichen Abschluss der Zertifizierungsverfahren für die Smart Meter Gateways erteilen", sagt ein Sprecher.

    Probleme

    Die Sicherheitsanforderungen an die Zugänge sind hoch. Ohne ausreichenden Schutz könnten Hacker den Stromzähler manipulieren oder das Haus komplett vom Strom nehmen. Auch Erkenntnisse über Alltag, Gewohnheiten und Lebensstandard der Bewohner könnten über unzureichend abgesicherte Schnittstellen abgegriffen werden, warnen Verbraucherschützer.

    "Der Zertifizierungsprozess ist komplex und anspruchsvoll. Sowohl das BSI als auch die Hersteller betreten Neuland", sagt Nikolaus Starzacher vom Gerätehersteller Discovergy. "Das BSI nimmt seine Aufgabe zu Recht sehr ernst und lässt sehr gründlich prüfen." Discovergy hat seinen Antrag später als andere Hersteller eingereicht und rechnet mit einer Genehmigung bis Ende des Jahres. Erst wenn das BSI Geräte von drei voneinander unabhängigen Herstellern zertifiziert hat, kann die Auslieferung beginnen.

    Auch die großen Stromkonzerne warten auf die Entscheidung des BSI. Der Versorger E.ON hat bereits 16.000 Gateways für einen kleinen Teil seiner rund 6 Millionen Kunden geordert und erwartete die Zertifizierung bis zum Ende des ersten Quartals 2017 – vergebens. (APA, 5.4.2018)

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