Facebook-Datenskandal: Potenziell 33.568 Betroffene in Österreich

    5. April 2018, 09:29
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    Bis zu 87 Millionen Betroffene bei Cambridge Analytica, mit Facebooks Suchfunktionen könnten Profile aller Nutzer erstellt worden sein

    Der Datenskandal bei Facebook hat deutlich größere Dimensionen als bisher angenommen. Insgesamt seien mutmaßlich die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern "unzulässig" mit der britischen Datenanalysefirma Cambridge Analytica geteilt worden, teilte Facebook-Technologiechef Mike Schroepfer am Mittwoch mit. Bisher war der Internetgigant noch von 50 Millionen betroffenen Nutzern ausgegangen.

    foto: facebook

    Von dem Skandal könnten bis zu 33.568 Nutzer aus Österreich betroffen sein, teilte ein Facebook-Sprecher am Donnerstag der APA mit. Die mit Abstand meisten Betroffenen, 70,6 Millionen, leben demnach in den USA. Auf Platz zwei folgen die Philippinen mit nahezu 1,2 Millionen, in Großbritannien könnten es fast 1,1 Millionen sein. In Deutschland könnten etwas mehr als 300.000 Nutzer betroffen sein, obwohl sich an der Umfrage mit einer App, die Daten absaugte, laut Facebook nur 65 Nutzer aus Deutschland beteiligt hatten. Über die Erfassung der Informationen von Freunden – auch durch Verbindungen zu Nutzern in anderen Ländern – könnten aber bis zu 309.815 Facebook-Mitglieder aus Deutschland betroffen sein.

    Wertvolle Datenbank

    Das neue Eingeständnis erhöht die Nöte von Facebook, das wegen des gigantischen Missbrauchs von Nutzerdaten ohnehin schon unter massivem juristischen und politischen Druck steht. Cambridge Analytica hatte sich mit Hilfe der abgeschöpften Daten eine wertvolle Datenbank zulegt, die dann für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump genutzt worden sein soll.

    Behörden in den USA wie in Großbritannien haben deshalb Ermittlungen eingeleitet. Auch laufen beiderseits des Atlantik parlamentarische Untersuchungen.

    Entschuldigung

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg willigte ein, am kommenden Mittwoch im US-Kongress zu dem Skandal auszusagen. Seine Anhörung findet vor dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses statt, wie der republikanische Ausschussvorsitzende Greg Walden und der Vertreter der oppositionellen Demokraten, Frank Pallone, mitteilten. Durch die Befragung sollten die US-Bürger besser verstehen, "was mit ihren persönlichen Daten online geschieht".

    Zuckerberg hatte sich in den vergangenen Tagen für den Datenmissbrauch entschuldigt und eine Reihe von Reformen in dem Onlinenetzwerk angekündigt. Die Nutzer sollen sich unter anderem einfacher einen Überblick darüber verschaffen können, welche ihrer persönlichen Daten von Facebook gespeichert worden sind. Auch soll es ihnen erleichtert werden, solche Daten zu löschen. Ein neues Menü soll es ihnen ermöglichen, rasch die Sicherheit ihres Accounts zu erhöhen.

    Neuerungen ab Montag

    Die Neuerungen sollen nach Angaben von Schroepfer am Montag eingerichtet sein. Die User sollten dann auch in die Lage versetzt werden, Apps zu beseitigen, die sie nicht mehr wollten. Sie würden außerdem darüber in Kenntnis gesetzt, ob ihre Informationen möglicherweise unerlaubt an Cambridge Analytica gegangen seien.

    Die britische Firma hatte die Nutzerdaten mittels einer App mit einem Persönlichkeitstest abgefischt. 270.000 Menschen beteiligten sich an diesem Test. Doch mittels der App erlangte Cambridge Analytica auch Zugriff auf die Daten von Facebook-"Freunden" der Testteilnehmer, was die enorme Zahl der Betroffenen erklärt.

    Nun verspricht Facebook zudem solche massiven Datensammlungen weiter zu erschweren. So wird nun die Möglichkeit abgeschafft, nach Nutzer-Profilen über Telefonnummer und E-Mail-Adresse zu suchen, versichert das Netzwerk.

    "Längere Zeitspanne" nötig

    Der Zugriff von Apps auf solche Nutzer, die das Miniprogramm gar nicht selbst heruntergeladen haben, ist seit 2014 bei Facebook nicht mehr möglich. Das Unternehmen räumte jedoch ein, dass Nutzer weiterhin nicht ausreichend gegen missbräuchliche Zugriffe auf ihre Daten geschützt sind.

    Zuckerberg machte sogar vor einigen Tagen selber deutlich, dass die jetzt angefassten Neuerungen bei weitem nicht reichten. Es werde "einige Jahre" brauchen, um die Probleme mit dem Schutz von Nutzerdaten zu beheben, sagte er dem US-Nachrichtenportal "Vox". Er wünschte, er könnte alle diese Probleme in drei oder sechs Monaten lösen, doch sei eine "längere Zeitspanne" nötig, sagte er. Facebook werde sich aus "diesem Loch herausgraben", das werde jedoch einige Jahre dauern.

    Der Skandal berührt den Kern des Geschäftsmodells von Facebook und anderen Branchengrößen wie Google und Twitter, das auf der massiven Sammlung von Daten über die Nutzer beruht.

    Daten von potenziell allen Usern

    Zusätzlich zu den Informationen über das Ausmaß der Affäre um Cambridge Analytica informiert das soziale Netzwerk über eine potentielle weitere, unerlaubte Datensammlung: Facebooks Chef Mark Zuckerberg hat am Mittwoch verkündet, dass alle Facebook-Nutzer annehmen können, dass ihre öffentlichen Informationen von Dritten gesammelt wurden. Somit könnten effektiv 2,1 Milliarden Personen betroffen sein – so viele aktive User hat das soziale Netzwerk aktuell nämlich.

    Informationen aus E-Mail-Adressen

    Die Lücke, die das möglich gemacht hat, liegt in Facebooks Suchfunktion. Diese erlaubt es, Nutzer anhand von Telefonnummern oder E-Mail-Adressen zu suchen. Die Option, die standardmäßig aktiviert ist, könnte von Dritten genutzt worden sein, um Daten automatisiert zu sammeln.

    So könnte etwa ein Profil mit Namen, Foto und weiteren Informationen, die öffentlich gestellt wurden, erstellt worden sein – beispielsweise Informationen über die eigenen Interessen, religiöse Ansichten, besuchte Orte und "Gefällt mir"-Angaben.

    Die meisten Nutzer vermutlich betroffen

    Facebooks Technologie-Chef Schroepfer schreibt in einem Blog-Posting dazu: "Böswillige Akteure haben dieses Feature genutzt, um öffentliche Profile aus Telefonnummern und E-Mailadressen, die sie bereits besessen haben, zu sammeln. Basierend auf das Ausmaß und die Komplexität der Aktivitäten, die wir erkannt haben, nehmen wir an, dass die öffentlichen Profile der meisten Nutzer auf Facebook auf diese Weise extrahiert wurden." (muz, APA, 4.4.2018)

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      Der Datenskandal bei Facebook hat größere Dimensionen als bisher angenommen.

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