Frauenbergers Abgang war ein Rücktritt vor dem Rausschmiss

Kommentar mit Video4. April 2018, 17:22
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Dass Wiens neuer SPÖ-Chef Michael Ludwig Frauenberger nicht im Ansatz verteidigte, zeigt, wie es um das linke Lager bestellt ist

Die Tage von Sandra Frauenberger in ihrer Funktion als Wiener Stadträtin waren so oder so gezählt. Der designierte Bürgermeister Michael Ludwig ist alles andere als ein Fan der umtriebigen Gewerkschafterin, sie wäre wohl der Regierungsumbildung Mitte Mai zum Opfer gefallen. Dass Frauenberger erst vor einem Jahr die politische Zuständigkeit für das völlig aus dem Ruder gelaufene Milliardenprojekt Krankenhaus Nord von Sonja Wehsely geerbt hat, kam Ludwig zupass. Am Mittwoch kam Frauenberger aber dem Rausschmiss mit ihrem Rücktritt zuvor – nach elf Jahren in der Stadtregierung.

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Die Wiener Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) hat ihren Rücktritt angekündigt. Nach elf Jahren wechselt sie aus der Stadtregierung zurück in den Gemeinderat.

Frauenberger stand unter immensem Druck. Der skandalöse Auftrag des Krankenanstaltenverbunds für einen "Energiering" rund um das KH Nord war aber nicht der Auslöser für ihren Schritt, sondern die persönliche Kritik und die – auch mediale – Häme, der sich die Stadträtin zuletzt ausgesetzt sah. Die Partei wäre schlecht beraten, sich Frauenberger "zusammenschießen" zu lassen, sagte Noch-Stadtchef Michael Häupl, der sich hinter Frauenberger stellte. Genau das ließ die Parteispitze gegen den führenden Kopf des linken Flügels in der Wiener SPÖ aber zu.

Dass der neue SPÖ-Chef Ludwig Frauenberger nicht im Ansatz verteidigte, zeigt, wie es um das linke Lager bestellt ist. Ganz ohne Vertreter dieses Flügels wird es aber nicht gehen. Die Brücken, die Ludwig zwischen den verfeindeten Fraktionen errichten wollte, haben schon tiefe Risse. (David Krutzler, 4.4.2018)

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