Gelernter Holzwirt: 2.300 Euro netto plus Zulagen

    7. April 2018, 11:00
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    Er und seine Frau sparen monatlich etwa 700 bis 800 Euro, "ohne das Gefühl zu haben, großartig auf etwas zu verzichten", sagt der 30-Jährige

    "Ich bin gelernter Holzwirt und kaufe für ein mittelständisches steirisches Unternehmen Rund- und Schnittholz im In- und Ausland ein. Die Jobbeschreibung heißt 'Einkauf und Qualitätsmanagement'. Ich habe meine Leidenschaft für Holz zum Beruf gemacht – der tägliche Duft von frisch geschnittenem Holz ist ein Genuss für mich.

    Ich arbeite seit mittlerweile zwei Jahren für die Holzmanufaktur. Ich habe mit 2.500 Euro brutto angefangen und bin mittlerweile bei 3.600 brutto angelangt. Netto komme ich auf rund 2.300 Euro im Monat. Zusätzlich bekomme ich einen Firmenwagen zur Verfügung gestellt, den ich aber nur für berufliche Fahrten nutzen darf. An Reisediäten kommen etwa noch 100 bis 150 Euro dazu. Dass ich viel herumkomme, ist auch das, was ich an meinem Job mag. Natürlich bringt er auch viel Verantwortung mit sich – ich kaufe jährlich Waren im hohen einstelligen Millionenbereich ein.

    Mein Werdegang? Nach der Matura habe ich an der Uni für Bodenkultur in Wien Holztechnologie und Management studiert. Das Studium ist aber keine Voraussetzung. Ich kenne genug Kollegen auf dieser Position in anderen Betrieben, die nach der HTL diese Position bekleiden. Was zählt, ist nicht der Titel, sondern die fachliche Qualifikation.

    Starten mit der Babyplanung?

    Ich bin seit zwei Jahren verheiratet, und meine Frau, die vier Jahre jünger ist als ich, hat noch einige wenige Prüfungen übrig, dann ist sie fertig mit ihrem geisteswissenschaftlichen Studium. Die Jobchancen hier in der Steiermark sind jedoch – anders als in Wien, wo wir uns kennengelernt haben – nicht besonders hoch, und es ist nicht sicher, ob sie in ihrem gewünschten Bereich leicht Arbeit findet.

    So gesehen überlegen wir gerade, ob wir mit der Babyplanung schon starten sollen. In unserem Freundeskreis, wo die meisten Ende 20 bis Mitte 30 sind, ist das als Thema irgendwie kaum präsent, da traut sich kaum jemand drüber. Zu groß die Angst, dass sich das Leben finanziell nicht mehr bewältigen lässt. Meine Eltern hatten schon zwei Kinder, bevor sie mit dem Studium überhaupt fertig waren. Mein Bruder und ich sind bei der Oma, die nicht berufstätig war, die ersten paar Jahre aufgewachsen. Damals, in den 80ern, war es allerdings auch noch leichter, nach dem Studium einen Job zu bekommen.

    foto: getty images
    Ohne Zulagen verdiene er monatlich 2.300 netto, sagt unser Gesprächspartner, der für eine steirische Holzmanufaktur einkauft. In diesen Beruf hat ihn die Liebe zum Holz geführt.

    Zu unseren Ausgaben: Das Wohnen ist in der Steiermark im Vergleich zu anderen Bundesländern wirklich preiswert. Wir zahlen für eine 62-Quadratmeter-Wohnung in zentraler Lage einer Bezirksstadt samt Nebengeräuschen, Terrasse und Parkplatz 620 Euro. Fernseher, Amazon Fire TV oder Netflix haben wir nicht, wir zahlen 20 Euro für Internet und etwa den gleichen Betrag für beide Handys. 320 Euro pro Monat machen diverse Versicherungen und Vorsorgen für Heim, Leib und Leben aus.

    Wir haben ein genau definiertes Essensbudget im Monat von 200 Euro, das meine Frau mit einem Haushaltsbuch überwacht. Fleisch und Fisch gibt es nur selten, weil wir, wenn, dann direkt beim Erzeuger einkaufen wollen, und das hat seinen Preis. Für Kleidung haben wir beide vergangenes Jahr zusammen etwa 500 Euro ausgegeben. Einen guten Teil meines Gewands kaufe ich über die bekannten Flohmarktseiten im Netz.

    Öffentlich in die Arbeit

    Unser großer Luxus ist unser Auto, das wir uns letztes Jahr gekauft haben. Luxus deshalb, weil ich öffentlich in die Arbeit fahre (Jahreskarte 35 Euro pro Monat) und wir das Auto lediglich haben, um an den Wochenenden Freunde und Familie in ganz Österreich zu besuchen. Das schlägt sich in Sprit und Versicherung mit etwa 200 Euro pro Monat nieder (Kaufpreis und Reparaturen nicht mitgerechnet).

    Mein zweiter Luxus ist der Fußball – durch Reisen mit meinem Bundesligaverein gebe ich hier für Tickets und anderes etwa 100 Euro im Monat aus.

    Sparen: 700 bis 800 Euro

    Wir sparen im Monat mit unserer Lebensweise etwa 700 bis 800 Euro, ohne das Gefühl zu haben, großartig auf etwas zu verzichten. 300 Euro davon wandern auf das Sparkonto, der Rest wird in Fonds und Aktien investiert. So gesehen wäre es sicher auch heute möglich, mit meinem Gehalt meine Frau und ein bis zwei Kinder mitzuernähren. Es hängt halt auch immer von den Wünschen und Vorstellungen ab – mit unserem jährlichen Urlaubsbudget von 1.500 bis 2.000 Euro würden andere vermutlich eine Woche Ski fahren gehen, wir verteilen das auf zwei bis drei Ziele.

    Neben dem Gehalt haben wir von unserem Erspartem eine kleine Anlagewohnung gekauft, die meine Frau gerade saniert und die wir dann mit 250 Euro Nettomiete vermieten wollen. Bei Preisen von 900 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter ist der Erwerb hier in der Gegend auch noch leistbar. Wenn das Vermieten gut funktioniert, wollen wir in Kürze vielleicht noch eine zweite Wohnung kaufen." (Protokoll: Lisa Breit, 6.4.2018)

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