Suspendierungen in Energetik-Causa am Krankenhaus Wien-Nord

    4. April 2018, 15:39
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    Gegen zwei Führungskräfte des Spitalsprojekts wird ein Disziplinarverfahren geführt. Der Vertrag mit einer involvierten Beraterin wurde aufgelöst

    Wien – Nach Auffliegen der Affäre um die Beauftragung eines Energetikers, der um 95.000 Euro für die "energetische Reinigung" des Krankenhauses Nord gesorgt haben soll, hat der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) zwei Führungspersonen vorläufig suspendiert. Der Verdacht auf Dienstpflichtverletzungen liege nahe, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. So sei vor der Auftragsvergabe keine Rücksprache mit dem KAV-Vorstand erfolgt. "Dem Auftrag lag zudem keine Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit zugrunde", hieß es zum STANDARD.

    Die vorläufige Suspendierung betrifft die Programmleiterin des KH Nord sowie ihren Stellvertreter. Beide hatten im November 2017 den Esoterik-Auftrag erteilt. Sie waren nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits Mitte März ihrer Funktionen enthoben worden. Der KAV beantragte ein Disziplinarverfahren, das von der zuständigen MA 2 (Personalservice) geführt wird. Der Verdacht auf einen Korruptionsfall hat sich hingegen laut KAV "nicht erhärtet. Es gibt keine Hinweise, dass jemand vom Auftrag profitiert hat – abgesehen vom Energetiker", sagte die Sprecherin des städtischen Spitalsträgers.

    Strafrechtliche Relevanz wird geprüft

    Auch der Beratervertrag mit der ehemaligen ärztlichen Leiterin des Krankenhauses wurde im Rahmen der internen Revision aufgelöst. Sie war nach ihrer Pensionierung Anfang 2017 externe Beraterin des Spitals und als solche in die Beauftragung des "Bewusstseinsforschers" involviert. Die Beraterin trat im Zuge der Debatte Mitte März auch als Präsidentin des im Gesundheitsministerium angesiedelten Obersten Sanitätsrats zurück.

    Ob der Energetiker-Auftrag auch strafrechtlich relevant ist, wird noch geprüft. Der KAV hat eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Ob Ermittlungen aufgenommen wurden, ist noch nicht bekannt. "Wir haben noch keine Rückmeldung erhalten", sagte eine KAV-Sprecherin am Mittwoch. Prüfen will der Spitalsträger auch, ob die Auftragssumme von dem "Bewusstseinsforscher" zurückgefordert werden kann. Schadenersatzforderungen an die drei betroffenen Mitarbeiter sind laut KAV-Direktor Herwig Wetzlinger dann ein Thema, wenn die Staatsanwaltschaft strafrechtliche Verfehlungen feststellt.

    Bald Verstärkung für KH-Nord-Team

    Neben den drei betroffenen Mitarbeitern hat auch der zweite Stellvertreter der Projektleiterin als vierte Personen die Rechnung für den Energie-Schutzring unterschrieben. Verdachtsmomente gegen ihn haben sich laut KAV aber nicht erhärtet. Er führt als letztes verbliebenes Führungsmitglied derzeit das Team des KH Nord. Dieses soll laut dem Spitalsträger aber bald mit einer weiteren Person verstärkt werden.

    Zuletzt wurde bekannt, dass der KAV schon vor Jahren in einigen Häusern "energetische Leistungen" in Auftrag gegeben hat – darunter Metallwellen von "Geo Waves", die laut Anbieter unter anderem "zur Harmonisierung von geopathischen Störzonen" angeschafft wurden. Der KAV prüft aktuell, in wie vielen Häusern derartige Aufträge erteilt wurden. "Noch sind keine Ergebnisse bekannt", hieß es am Mittwoch. Die rot-grüne Stadtregierung hat am 20. März einen Antrag zur Einsetzung einer gemeinderätlichen Untersuchungskommission zum Krankenhaus Nord eingebracht. (David Krutzler, 4.4.2018)

    Der Artikel wurde um 15.30 Uhr aktualisiert.

    Mehr zur Energetiker-Affäre lesen Sie hier.

    • Mitte März wurde medial bekannt, dass sich ein sogenannter Bewusstseinsforscher um 95.000 Euro um die "positive Energie" des Wiener Krankenhauses Nord gekümmert hat.
      foto: urban

      Mitte März wurde medial bekannt, dass sich ein sogenannter Bewusstseinsforscher um 95.000 Euro um die "positive Energie" des Wiener Krankenhauses Nord gekümmert hat.

    • Am 20. März wurde die Causa in einer Pressekonferenz zusammengefasst: Michael Binder, Direktor für die Geschäftsbereiche Health Care Management des KAV, KAV-Generaldirektorin-Stellvertreterin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) und KAV-Direktor Herwig Wetzlinger standen Rede und Antwort.
      foto: apa/techt

      Am 20. März wurde die Causa in einer Pressekonferenz zusammengefasst: Michael Binder, Direktor für die Geschäftsbereiche Health Care Management des KAV, KAV-Generaldirektorin-Stellvertreterin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) und KAV-Direktor Herwig Wetzlinger standen Rede und Antwort.

    • Sandra Frauenberger (SPÖ) ist seit Jänner 2017 als Stadträtin für das Krankenhaus zuständig. Damals übernahm sie das Gesundheitsressort von Sonja Wehsely.
      foto: apa/pfarrhofer

      Sandra Frauenberger (SPÖ) ist seit Jänner 2017 als Stadträtin für das Krankenhaus zuständig. Damals übernahm sie das Gesundheitsressort von Sonja Wehsely.

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