Nationalbank pocht auf rascheren Personalabbau bei Banken

4. April 2018, 17:00
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Hinter Frankreich in Österreich geringster Abbau aller Euroländer – Gewinn des Sektors fast wieder auf Vorkrisenniveau

Wien – Die Hochkonjunktur des Vorjahres hat den heimischen Bankensektor beflügelt. Der Gesamtgewinn aller Institute erhöhte sich auf 6,6 Milliarden Euro und erreichte damit fast das Vorkrisenniveau von 2007, berichtet Andreas Ittner, Vizegouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Kernkapitalquote auf 15,1 Prozent, wodurch der Sektor "deutlich stressresistenter geworden ist". Auf die Frage nach der Qualität seines Schlafes angesichts dieser Zahlen entgegnete Ittner: "Aufseher schlafen hoffentlich immer gut, denn sie haben tagsüber viel zu tun."

Offenbar jedoch noch nicht genug, denn mit der Dreifaltigkeit der heimischen Bankenaufsicht, Europäische Zentralbank, Finanzmarktaufsicht (FMA) und sein Haus, ist der OeNB-Vize nicht glücklich, er spricht sich deutlich für ein Zwei-Säulen-Modell aus. Soll heißen, Banken betreffend sollen die Kompetenzen von der FMA zur OeNB wandern, also quer über den Wiener Otto-Wagner-Platz, wo beide Institutionen angesiedelt sind.

Eine Herausforderung sieht Ittner in der Digitalisierung, da "der Bedarf an neuen Technologien auf veraltete IT-Systeme der Banken trifft", was aber kein speziell österreichisches Phänomen sei. Dabei will die OeNB mit gutem Beispiel vorangehen: "Auch Aufseher müssen verstärkt in Mitarbeiter mit IT-Ausbildung investieren." Umgesetzt soll dies durch Mitarbeiterschulung und Nachbesetzungen mit Leuten mit besonderen Kompetenzen im Technologiebereich werden, was ohne Personalaufstockung gelingen soll.

Unter dem Motto "Mehr Programmierer, weniger Filialmitarbeiter" fordert er auch von Banken diesen personellen Wandel, vor allem mit Blick auf das Thema Cybersecurity – allerdings inklusive Mitarbeiterabbau. Denn heimische Banken "müssen schlanker werden", seit 2007 haben diese den Personalstand bloß um 6,1 Prozent auf 73.700 Leute per Ende 2017 verringert, das ist der zweitniedrigste Wert aller Euroländer hinter Frankreich. Zum Vergleich: In Deutschland sind es mehr als neun Prozent, in Italien 13 und in Spanien und Griechenland sogar jeweils mehr als 30 Prozent.

Auf Kostenbremse bleiben

Auch sonst pocht Ittner darauf, die Aufwendungen im Blick zu behalten. Aktuelle Zahlen liegen zwar noch nicht vor, aber die Cost-Income-Ratio, also das Verhältnis von Kosten zu Ertrag, sei 2017 ausgehend von knapp 70 Prozent im Jahr 2016 zwar gesunken, aber noch weit von der Zielmarke der OeNB von 50 Prozent entfernt. In skandinavischen Ländern liege die Quote bei 40 Prozent – was Ittner auf vorangeschrittene Digitalisierung und de facto keinen Bargeldverkehr zurückführt. Hinsichtlich der Vorliebe der Österreicher für Barzahlungen ergänzt er: "Ob das alle Kunden wollen, ist wieder ein anderes Thema."

Generell hält Ittner heimische Banken dazu an, mit der brummenden Konjunktur im Rücken ihre Geschäftsmodelle anzupassen und die Verschlankung anzupacken. "Man sollte die guten Zeiten dafür nutzen, jetzt zu investieren oder Rücklagen aufzubauen", mahnt der OeNB-Vize und fügt mit Blick auf die zuletzt geringen Risikovorsorgen für faule Kredite hinzu: "Die werden sicher wieder anziehen." (aha, 5.4.2018)

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