Nach internen Debatten: Linzer Uni-Rektor Lukas kandidiert erneut

    4. April 2018, 10:48
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    Meinhard Lukas will "Gespräche mit offenem Visier", Oberösterreichs Politiker begrüßen angestrebte Verlängerung der Amtszeit

    Linz – Die Entscheidung wurde mit Spannung erwartet, am Mittwochvormittag lud dann der Rektor der Linzer Johannes-Kepler-Universität, Meinhard Lukas, zu einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Uni-Lokal Teichwerk. Im Beisein seiner Frau verkündete Lukas dann seine Kandidatur für eine zweite vierjährige Amtsperiode als Rektor von 2019 bis 2023.

    Der Zivilrechtsexperte wurde quasi zu einer raschen Entscheidung genötigt. Seit geraumer Zeit gärt es nämlich gewaltig hinter den Uni-Kulissen. Konkret kam in den letzten Wochen heftige Kritik aus den Reihen des JKU-Betriebsrats: "Autokratisch" sei der Führungsstil von Lukas, es mangle an Wertschätzung für die Mitarbeiter in Forschung und Lehre, und interne Kommunikation werde als "zweitrangig, wenn nicht unerwünscht" gesehen.

    Umfrage unter wissenschaftlichem Personal

    Basis für die Kritik ist eine vom JKU-Betriebsrat durchgeführte Online-Umfrage unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern an der Uni – an der aber nur 423 von rund 2.000 Mitarbeitern teilgenommen haben. Vonseiten der Landespolitik und der oberösterreichischen Wirtschaft kam zuletzt Rückendeckung für Lukas.

    Lukas räumte am Mittwoch durch ein, dass die interne Diskussion zu einem "sehr ungünstigen Zeitpunkt", stehe man doch unmittelbar vor den wichtigsten Uni-Budget seit 15 Jahren. Lukas: "Es hat daher eine rasche Führungsentscheidung gebraucht. Ich habe Bilanz gezogen, Lob und Kritik analysiert. Letztlich habe der große Rückhalt und die Gespräche mit meiner Frau dazu geführt, dass ich mich bewerbe." Er nehme die Kritik aber sehr ernst. "Ich will Gespräche mit offenem Visier, niemand soll rücklings irgendwem irgendwas ausrichten."

    Landespolitik reagiert positiv

    Die Entscheidung des Linzer Uni-Rektors Meinhard Lukas, für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stehen, hat in der Landespolitik durchwegs positive Reaktionen ausgelöst: ÖVP und Grüne lobten seine bisherige Arbeit. Die SPÖ begrüßte eine schnelle Personalentscheidung, um gegenüber dem Bund "resolut" auftreten zu können.

    "Die JKU ist im Aufwind begriffen und diese positive Weiterentwicklung trägt vielfach die Handschrift von Rektor Meinhard Lukas", stärkte Landeshauptmann Thomas Stelzer dem amtierenden Rektor den Rücken. "Die JKU ist sowohl hinsichtlich der Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte als auch bezüglich Forschung ein wesentliches Rückgrat für den Standort Oberösterreich", betonte sein für Forschung zuständiger Stellvertreter Michael Strugl (beide ÖVP).

    SPÖ-Bildungssprecherin Sabine Promberger begrüßte es, dass nun offenbar rasch entschieden werde, wie es mit der JKU weitergeht. Denn es gelte in den kommenden Jahren den Uni-Standort Linz abzusichern. "Tatsache ist, dass die JKU vom Bund bei der Uni-Finanzierung benachteiligt wird", so Promberger. Es brauche daher "ein resolutes Auftreten in Wien".

    Auch der Grüne Klubobmann Gottfried Hirz lobte den Rektor, der "einen ambitionierten Plan auf Schiene gebracht" habe. Mit einer weiteren Amtszeit "wäre gewährleistet, dass dieser Weg des Ausbaus und der Internationalisierung fortgesetzt wird". Auch Hirz monierte aber, dass "die JKU vom Bund bei der Uni-Finanzierung seit Jahren stark benachteiligt wird". Er kündigte für die nächste Landtagssitzung eine überparteiliche dringliche Initiative an, um der JKU politische Rückendeckung für die laufenden Budgetverhandlungen zu geben. (Markus Rohrhofer, APA 4.4.2018)

    • Meinhard Lukas bei seiner Inauguration: Er will es noch einmal wissen.
      foto: apa/jku

      Meinhard Lukas bei seiner Inauguration: Er will es noch einmal wissen.

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