Beinamputierter 70-Jähriger darf Mount Everest besteigen

3. April 2018, 15:30
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Chinese startet seinen fünften Versuch – Genehmigung durch nepalesische Tourismusbehörde nach aufgehobenem Verbot erteilt

Kathmandu – Ein doppelt beinamputierter 70-Jähriger darf nun doch seinen fünften Versuch starten, den Mount Everest zu besteigen. Der Chinese Xia Boyu bekam dafür eine Genehmigung der Tourismusbehörde Nepals, wie deren Chef Dinesh Bhattarai am Dienstag mitteilte.

Die Behörde hatte im Dezember die Vorschriften für die Besteigung des 8.848 Meter hohen "Dachs der Welt" im Himalaya-Gebirge geändert, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren. Unter anderem war Blinden und doppelt Amputierten das Abenteuer demnach untersagt. Der Oberste Gerichtshof des Landes hob das Verbot im März aber wieder auf.

Tragödien

Xia hatte bei seinem ersten Versuch, den höchsten Berg der Welt zu erklimmen, im Jahr 1975 so schwere Erfrierungen erlitten, dass beide Beine amputiert werden mussten. Damals war er mit seinem Team rund 250 Meter unterhalb des Gipfels wegen eines Wettersturzes stecken geblieben. Zwei Tage und drei Nächte mussten die chinesischen Bergsteiger auf rund 8.600 Metern und bei Temperaturen um minus 25 Grad Celsius ausharren, ehe sie mit dem Abstieg beginnen konnten. In der folgenden Nacht überließ Xia einem in Not befindlichen Kollegen seinen Schlafsack und bezahlte seine Hilfsbereitschaft mit derart schweren Erfrierungen, sodass beide Beine amputiert werden mussten.

Doch Xia gab die Hoffnung, den Everest zu besteigen, nicht auf, ließ sich auch von Lymphdrüsenkrebs nicht bremsen. Er begann mit Prothesen Berge zu erklimmen und kehrte 2014 zum Everest zurück. Wegen des Lawinenunglücks im Khumbu-Eisbruch mit 16 Toten musste Xia damals ebenso unverrichteter Dinge umkehren wie 2015 nach dem schweren Erdbeben. 2016 scheiterte Xia wegen ungünstiger Witterungsbedingungen nur rund 100 Meter unterhalb des Gipfels.

"Wenn ich alleine gewesen wäre und in Anbetracht meines Alters und der 40 Jahre, die ich für meinen Traum gekämpft hatte, wäre ich weiter aufgestiegen, ohne an die Konsequenzen zu denken", sagte Xia Boyu in einem Interview auf aponetv.cn. "Aber als ich zurückschaute, blickte ich in die Gesichter von fünf Sherpas. Sie haben Familien. Deshalb beschloss ich umzukehren."

Gipfelglück

Hunderte Bergsteiger versuchen jedes Jahr im April und Mai den Mount Everest zu besteigen. In dieser Zeit sind die Bedingungen dafür am günstigsten. Einer, der den Everest schon bezwungen hat, ist Mark Inglis. Der Neuseeländer war 2006 der erste doppelt Beinamputierte, der den Gipfel erreichte. (APA, red, 3.4.2018)

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