Was Stanley Kubrick wohl aus dem Leben Napoleons gemacht hätte?

    4. April 2018, 06:30
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    Recherchematerial über "The Greatest Movie Never Made" als Buch erschienen

    Wien – Für Ausnahmeregisseur Stanley Kubrick wurde sein geplanter Film über Napoleon zu seinem persönlichen Waterloo: Das gigantomanische Projekt des Filmemachers wuchs sich bereits im Vorfeld immer mehr aus und wurde schließlich nie realisiert. Unter dem programmatischen Subtitel "The Greatest Movie Never Made" hat der Taschen Verlag nun das überbordende Recherchematerial zwischen zwei Buchdeckel gepresst – mit über 800 Seiten ist das Ergebnis seinerseits ein Werk der größeren Art geworden.

    Als Vorlage diente eine auf 1.000 Exemplare zu je 2.000 Euro limitierte Sammleredition aus 2009, in der sich zehn Bände zum Thema innerhalb einer Hülle fanden. Dieses Grundkonzeption wurde von Herausgeberin Alison Castle nun beibehalten, indem die Werke als Faksimile abgedruckt im Originalformat vorliegen. Die bedruckte Seitengröße variiert also in dem vom Taschen-Verlag gewohnt aufwendig produzierten Prachtband, der nicht zuletzt durch die Plastizität der Reproduktionen beeindruckt.

    Kubrick baute riesiges Archiv auf

    Entstanden ist in der Gestaltung des Pariser Designteams M/M somit gleichsam ein Buch über Bücher zu einem Film, für das Kubrick-Expertin Castle verantwortlich zeichnet, die bei Taschen bereits "Das Stanley Kubrick Archiv" veröffentlichte. Während der Arbeiten dafür war sie über eines der größten privaten Napoleon-Archive überhaupt gestolpert, das der Regisseur für seine Filmidee zusammengetragen hatte. Alleine 17.000 Dias zur Ära des französischen Kaisers und 15.000 Fotos von möglichen Drehorten finden sich darin. Es wäre "verbrecherisch" gewesen, diesen Schatz nicht mit der Welt zu teilen, umreißt die Herausgeberin nun ihre Beweggründe.

    Und so finden sich in Kopie neben den Fotografien auch die abgedruckten Briefe, Studien zu Kostümen, Entwürfe für Drehbücher oder jenes Zettelarchiv, das Studenten in Kubricks Auftrag über die potenziell vorkommenden Charaktere erstellt hatten. Anhand der Fülle des Materials können Filmfreunde somit den Weg zum Scheitern des Epos nach Jahren der Vorbereitung und Planung anschaulich nachvollziehen.

    Kino im Kopf

    Eigentlich hatte der 1999 verstorbene Kubrick den Film nach seinem Welterfolg von "2001: A Space Odyssey" angehen wollen und dabei an eine Mischung aus einer Charakterstudie des Korsen und einem großen Geschichtsepos im Stile des später gedrehten "Barry Lyndon" gedacht. Die großen Studios lehnten das mit gigantischen Schlachtszenen projektierte Vorhaben, das aus der Zeit gefallen schien, jedoch ab.

    So müssen sich Cineasten nun mit den bereitgestellten filmwissenschaftlichen Texten oder der historischen Einordnungen durch den Geschichtswissenschafter Geoffrey Ellis zufriedengeben – respektive mit den Gesprächen, die Kubrick und der Historiker Felix Markham führten. Kopfkino statt Leinwandspektakel eben. (APA, red, 4. 4. 2018)

    • Alison Castle (Hrsg.): "Stanley Kubricks 'Napoleon'. The Greatest Movie Never Made", Taschen Verlag 2018, 832 Seiten, 50 Euro.
      foto: taschen verlag

      Alison Castle (Hrsg.): "Stanley Kubricks 'Napoleon'. The Greatest Movie Never Made", Taschen Verlag 2018, 832 Seiten, 50 Euro.

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