Wie das Wetter die Produktivität beeinflusst

    4. April 2018, 11:29
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    Wenn die Tage länger, sonniger und wärmer werden, zieht es die meisten ins Freie. Das zeigt sich auch an der Produktivität im Büro

    Jetzt ist er wieder da: der Frühling. Und lockt mit den ersten Sonnenstrahlen und Temperaturen bis zu 20 Grad Celsius ins aufblühende Grüne. Während viele nun besser gelaunt sind, leichter aufstehen und möglicherweise auch mehr Elan haben, gilt diese Formel nicht unbedingt für den Arbeitsalltag. Wer möchte schon beim langersehnten Sonnenschein Überstunden machen? Fallen diese nicht leichter, wenn es draußen nass und kalt ist und die Aktivitäten im Freien nach Feierabend, auf die man hinarbeiten kann, weniger verlockend sind?

    Dass das Wetter Einfluss auf die Leistung im Job hat, konnten die Harvard-Forscherinnen Jooa Julia Lee und Francesca Gino und ihr Kollege Bradley Staats, Professor an der University of North Carolina, im Jahr 2015 in einer Studie belegen. Schlechtes Wetter erhöht demnach die Produktivität.

    Mehr Niederschlag, mehr Produktivität

    Die Forscher haben dafür über zwei Jahre lang Angestellte einer japanischen Bank beobachtet, die in einem verglasten Gebäude arbeiteten. Sie sahen also stets die aktuelle Wetterlage, ob die Sonne schien oder ein Gewitter aufzog. Lee und ihre Kollegen interessierte, wie schnell die Mitarbeiter Formulare ausfüllten und Kredite vergaben. Diese Leistungen wurden dann mit den Wetterdaten des größten Wetterarchivs, des National Climatic Data Center, verglichen. Die Erkenntnis: je mehr Niederschlag, desto mehr Arbeitsleistung. Konkret heißt es in der Studie: Erhöht sich die Niederschlagsmenge um ein Inch, etwa 2,5 Zentimeter, erhöht sich die Produktivität um 1,3 Prozent. Dieses Resultat überprüften sie mit drei weiteren Teststudien, die zu den gleichen Ergebnissen kamen. Und sie fanden auch heraus, dass sich die Mitarbeiter nicht mehr richtig auf die Arbeit konzentrieren konnten, wenn gutes Wetter die Freizeitangebote im Freien attraktiver erscheinen ließ.

    Eine Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem Jahr 2013 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Bei 30 Grad Celsius fällt es den meisten befragten Erwerbstätigen schwer, sich zu konzentrieren. Mehr als jeder Zweite gab an, dann weniger produktiv zu sein als sonst. Den 18- bis 28-Jährigen scheint die Hitze beim Arbeiten dabei mehr zuzusetzen (65 Prozent) als den 50- bis 70-Jährigen (47 Prozent).

    Ein Jahr zuvor hatte eine Umfrage des US-Unternehmens Captivate Network unter 600 Angestellten gezeigt, dass die Arbeitsleistung im Sommer um 20 Prozent abnimmt und es 13 Prozent mehr Zeit braucht, um ein Projekt abzuschließen, als in kühleren Jahreszeiten.

    Kein Frühlingserwachen

    Doch nochmals zurück zum Frühling. Nicht allen geht es so wie eingangs beschrieben: Viele leiden unter der sogenannten "Frühjahrsmüdigkeit". Bereits am Vormittag gähnen sie im Büro, denken häufig daran, es sich nach Feierabend auf dem Sofa gemütlich zu machen, haben Glieder- und Kopfschmerzen – sie empfinden den Frühlingsbeginn als Kraftanstrengung. Die Ursachen dafür sind medizinisch nicht vollständig geklärt, in seriösen wissenschaftlichen Studien wird der Begriff gar nicht verwendet.

    Experten vermuten, dass der Stoffwechsel und der Hormonhaushalt für die Müdigkeit verantwortlich sind. Denn diese werden auch über äußere Bedingungen wie Temperatur und Licht reguliert. Ein Erklärungsansatz geht davon aus, dass die höheren Temperaturen den Blutdruck senken und somit die Müdigkeit fördern. Ein anderer sieht die Hormone Serotonin, auch bekannt als Glückshormon, und Melatonin, häufig Schlafhormon genannt, als Auslöser. Wird es kälter, bildet der Körper mehr Melatonin, wird es wärmer, wird diese Produktion gedrosselt und die Herstellung von Serotonin angekurbelt. Diese Umstellung dauert aber, und daher kommt bei manchen Personen der Kreislauf zu Frühlingsbeginn nicht so richtig in Schwung. Das wirkt sich schließlich wieder auf die Arbeit aus.

    Die US-Forscher schlagen in ihrer Studie übrigens flexiblere Arbeitszeiten für Sonnen- und Regentage vor. Und man sollte wichtige Besprechungen und Projekte eher auf Regentage verlegen, wenn nicht die halbe Belegschaft in Gedanken im Garten, im Schwimmbad oder beim Joggen ist. Und Aufgaben, die weniger Konzentration, dafür mehr Flexibilität verlangen, an sonnigen Tagen. Bleibt nur mehr die Herausforderung, dass die Wettervorhersage dann auch wirklich stimmt. (Selina Thaler, 4.4.2018)

    • Zwar hebt die Sonne im Frühling unsere Laune, im Büro machen uns Regentage aber produktiver.
      foto: istock

      Zwar hebt die Sonne im Frühling unsere Laune, im Büro machen uns Regentage aber produktiver.

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