"Möbel und": Obacht, gleich kracht's

    Ansichtssache6. April 2018, 17:18
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    Sinnfragen in der Galerie König in Wien

    Bevor die Abrissbirne kommt, wird man das Haus kaum putzen. Aber der Stein, der 2000 in der Galerie Christine König einen Tisch zerschlug, fiel auf tadellos gestärktes und gebügeltes weißes Leinen. Das Laken des von einem tonnenschweren Quader zertrümmerten Bettes: gespannt. Mit dem Titel A Meteoric Fall to Heaven umschrieb Jimmy Durham das fatale Aufeinandertreffen eines Findlings mit einem Sessel, was dem Verlust etwas Schicksalhaftes verlieh, so als wäre die Zerstörung etwas Größerem untergeordnet. Alternativ formuliert: Was willst mit dem Trumm?

    An Mobiliar, das seiner Funktion beraubt wurde, verliert der Mensch meist das Interesse. Zwingt der Künstler das Nützliche in die Knie, so ist auch der Betrachter in der Bredouille; muss er sich doch fragen, was das Ding mehr ist als die Summe der Teile.

    Handlungsanweisung und neue Funktion

    Im Bereich zwischen Sinnhaftig- und Sinnlosigkeit bewegt sich die launige Schau Möbel Und bei König. Mit dem Fenstersturz einer Küchenkredenz erfüllen G.R.A.M. dort eine Handlungsanweisung Otto Mühls, Sepp Auer verleiht einem Kasten Schräglage, Valentin Ruhry krabbelt mit einem Luster unter den Tisch. Nur Ovidiu Anton stiftet neue Funktion: Obsolet Gewordenes aus dem Kunstbetrieb transformiert er in bodenständige Hommagen an Corbusiers Kult-Designhocker LC14. (Anne Katrin Feßler, 7.4.2018)

    Bis 21. 4., Christine-König-Galerie

    Schleifmühlgasse 1A, 1040 Wien

    www.christinekoeniggalerie.com

    foto: christine könig galerie, wien

    Jeder muss sein Packerl tragen ... oder auch nicht: Diesem Armsessel von Hans Prutscher um 1900 entstanden
    wurde die Bürde zu schwer (Jimmie Durham: "A Meteoric Fall to Heaven", 2000).

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    foto: christine könig galerie, wien

    Pimp the Display: Bei Ovidiu Anton ist quasi schon vor dem Bauen etwas kaputt gegangen. Seine Kuben sind Kunst zum Benutzen und quasi Wiedergänger ehemaliger Ausstellungsdisplays ("Tabouret Cabanon LC 14 01", 2015).

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    foto: christine könig galerie, wien

    Vito Acconci bittet Arschlöcher, Platz zu nehmen auf einem A, und einem S und noch einem S mit einem "hole": "Name calling chair (Asshole)" (1984-1990).

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    foto: christine könig galerie, wien

    Praktisch zum Krümel suchen: Valentin Ruhrys "Salon" (2018).

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