Wie das Silicon Valley die Medizin revolutionieren will

    27. Mai 2018, 13:00
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    Je mehr Daten über den menschlichen Organismus großen Technologiekonzernen zur Verfügung stehen, desto effizienter könnte das Aufspüren von Krankheitsursachen werden

    Der globale Kampf um den Gesundheitsmarkt ist entfacht. Tech-Riesen wie Apple, Google, Facebook und Amazon wittern das große Geschäft. Dazu sammeln und analysieren sie Patientendaten, forschen in Sachen künstliche Intelligenz (KI), kooperieren mit Universitäten, bauen eigene Spitäler und wollen wie etwa Amazon den Apothekenmarkt erobern. Sie denken groß.

    Unternehmer wie Google-Gründer Larry Page oder Apple-Chef Tim Cook sind nicht nur damit beschäftigt, die Digitalisierung der Welt voranzutreiben. Sie trauen sich auch zu, Antworten auf Herausforderungen weit jenseits ihres eigentlichen Kerngeschäfts zu finden. In der kalifornischen Technologieregion Silicon Valley ist man davon überzeugt, die Medizin revolutionieren zu können.

    Exakte Beschreibung

    "Die ewige Jugend zu finden – oder zumindest den Tod erheblich hinauszuzögern", lautet etwa die Mission von Calico, einem Unternehmen der Google-Familie Alphabet. Die Basis dafür bauen die Entwickler der Suchmaschine schon seit Jahrzehnten: Sie sammeln Daten. In einem Projekt namens Baseline werden systematisch genetische, medizinische und biologische Daten von tausenden Freiwilligen erhoben.

    Das Ziel ist es, die menschliche Gesundheit exakt beschreiben zu können. In der Folge sollen durch laufende Messungen Abweichungen von der Norm erkannt werden. Gesammelt werden die anonymisierten Daten nicht von Google selbst, sondern von Laboren unter der Aufsicht der Universitäten Duke und Stanford.

    Persönliche Krankenakte

    Auch Apple sammelt fleißig Daten. Mitte Jänner präsentierte der US-Technologiekonzern die neue iOS-11.3-Beta-Version für das iPhone. Das besondere Feature: Die Health-App kann als persönliche Krankenakte genutzt werden. Laborwerte, Befunde, Impfungen, Medikamente werden von Spitälern und Ärzten in einer Cloud gespeichert und können per iPhone abgerufen und geteilt werden.

    Derzeit speisen erst einige ausgewählte US-Kliniken Patientendaten ein. Geht es nach Apple, soll der Service bald allen Menschen weltweit zur Verfügung stehen. Auch Google und Microsoft hatten bereits diese Idee und lancierten vor einigen Jahren elektronische Patientenakten. Bis dato blieb der Durchbruch allerdings aus. Google hat den Service inzwischen auf Eis gelegt.

    Schluss mit privat

    Big Data gilt als das Gold des 21. Jahrhunderts. 2014 hat der Google-Konzern das britische Start-up-Unternehmen Deepmind gekauft, das im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) forscht. Durch Kooperationen mit Krankenhäusern hat das Unternehmen Zugriff auf Gesundheitsdaten von 1,6 Millionen Patienten des britischen National Health Service (NHS). Deepmind will in den Datenmassen Muster finden, die Hinweise auf die Entstehung von Krankheiten liefern.

    Auch Apple ist in die Medizin eingestiegen. In Kooperation mit der Stanford Universität führt das Tech-Unternehmen gerade eine Herzstudie durch. Via Apple Watch wird der Herzrhythmus von mehr als 54.000 Probanden überwacht. Man will herausfinden, ob die App unregelmäßige Herzrhythmen identifizieren kann.

    Datenschützer beobachten diese Projekte mit Real-Life-Daten besorgt. Im Prinzip sei zwar nichts gegen solche Studien einzuwenden, Patienten müssten jedoch zustimmen. Man müsse darauf achten, dass die Privatsphäre nicht auf dem Altar der Innovation geopfert werde. Vielleicht ist das aber bereits geschehen. (Andrea Fried, CURE, 27.5.2018)

    • Tech-Riesen wie Apple, Google, Facebook und Amazon sammeln und analysieren Daten, forschen und bauen sogar eigene Spitäler.
      foto: apa/afp/lionel bonaventure

      Tech-Riesen wie Apple, Google, Facebook und Amazon sammeln und analysieren Daten, forschen und bauen sogar eigene Spitäler.

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