"M": Eine Stadt sucht 2019 wieder einen Mörder

30. März 2018, 14:00
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David Schalkos Neuauflage von Fritz Langs Klassiker soll 2019 als Serie starten, noch bis Ende April wird in Wien gedreht

Wien – Am Set gibt es Wickel. "Der Hausmeister hat einen Baum aufgestellt", sagt Superfilm-Chef John Lueftner und meint das definitiv im übertragenen Sinn. Weil die Filmleute ihren Krempel ausgerechnet vor dem Eingang zur Cafeteria im LC-Gebäude der WU Wien am Welthandelsplatz 1 abstellten, riss dem Hausmeister der Geduldsfaden. Das hat Folgen.

foto: apa
Lars Eidinger (li.), Moritz Bleibtreu, David Schalko, Verena Altenberger am Set von "M – Eine Stadt sucht einen Mörder".

Zum einen in Form einer kurzen und leidenschaftlich geführten Diskussion, berichtet Lueftner. Zum anderen mit einer Verspätung im Drehplan. "So ist das beim Film", sagt der Produzent. "Alle stehen deppert herum, und das kostet zigtausend Euro." Das läppert sich.

Im konkreten Fall ist das so bei der Serie M – Eine Stadt sucht einen Mörder, die seit Jänner entsteht, hauptsächlich in Wien gedreht wurde und mit sechs Millionen Euro eine der aufwendigsten Produktionen ist. ORF, RTL und Beta koproduzieren, David Schalko führt Regie, das Drehbuch schrieb er mit seiner Frau Evi Romen.

Groß und schwierig

Der Regisseur von Braunschlag und Altes Geld mag es gern groß und schwierig: Die Vorlage gehört zu den berühmtesten Kriminal fällen der Filmgeschichte, rund 70 Drehorte sind zu bespielen, 130 Sprechrollen wurden prominent besetzt. Das bedeutet, dass Kaliber wie Moritz Bleibtreu, Lars Eidinger und Bela B maximal drei bis fünf Drehtage haben: "Es ist schwieriger und leichter, Schauspieler für ein paar Drehtage zu motivieren", sagt Schalko. "Einerseits sind sie schneller wieder frei, andererseits müssen sie sich genauso intensiv auf eine Rolle vorbereiten."

Zugesagt haben trotzdem alle. In Hauptrollen spielen weiters etwa Udo Kier, Verena Alten berger, Gerhard Liebmann, Sophie Rois, Murathan Muslu, Julia Stemberger, Gabriel Barylli, Juergen Maurer, Brigitte Hobmeier, Sarah Viktoria Frick, Christian Dolezal, Dominik Maringer und Michael Fuith.

Am Set hat sich unterdessen die Situation beruhigt. Es geht weiter. Die Szene: Wir befinden uns im Inneren des Verlagshauses 05, eines populistischen Medienunternehmens, an dessen Spitze "der Verleger" Moritz Bleibtreu steht, der mit dem "Innenminister" (Dominik Maringer) packelt. Wie bei Langs Film sind alle Rollen anonymisiert. Gedreht wird am Gang, wie einer dem anderen heimlich ein Kuvert zusteckt. Direkt darunter, in der großen Eingangshalle sitzt Schalko auf dem Regiesessel, vor sich den Bildschirm.

Wesentliche Stationen von der Vorlage

"Die Serie übernimmt die wesentlichen Stationen des Films, vor allem die Idee, dass die Stadt der Hauptdarsteller ist", sagt der Regisseur. Wie bei Fritz Lang geht es um einen Kindermörder, wie damals heizt sich die Stimmung auf und erfasst die ganze Stadt, wieder kündigt sich der Mörder durch die gepfiffene Melodei aus Edvard Griegs Peer Gynt an.

Der Mörder? "Ein Superschauspieler, der sehr wandlungsfähig ist", deutet Schalko an. Mehr will er nicht verraten. Die Beschreibung trifft auf so gut wie alle zu, die an diesem Nachmittag bei Interviews am Set sind.

foto: orf / superfilm
Udo Kier ist der "Fuchspelzmann".

"Der Verleger" könnte es sein, ein Schurke, wie er ihm Buche steht, und den Bleibtreu mit Frank Underwood aus House of Cards vergleicht: "abgebrühtes Kalkül, unantastbar, empathielos, rein profitorientiert".

Lars Eidinger kann gut Bösewicht vom Dienst sein, in M spielt er den auf den ersten Blick eher unverdächtigen "Vater" der verschwundenen Elsie. Ob er der Mörder ist? "Darum geht es gar nicht, sondern vordergründig um ein Sittengemälde, in meinem Fall: Wie sehen Beziehungen heute aus?" M neu zu verfilmen ist für ihn "ein bisschen wie Titanic 2".

Verena Altenberger spielt "die Mutter", ist aber "nicht nur die arme Frau, die ihr Kind vermisst. In ihr steckt eine sehr dunkle Seite", wie sie am runden Tisch mit Journalisten erzählt.

foto: orf superfilm
Bela B ist der "bleiche Mann".

Oder gar Bela B. Das Ärzte-Drittel spielt in der Serie "den bleichen Mann", einen Esoteriker, der Elsies Eltern unterstützt oder "sagen wir so: Es ist ihm nicht daran gelegen, der Polizei zu helfen". Fritz Langs M hat Bela B "sicher zehnmal gesehen" und ein elftes Mal, als Schalko anfragte, woraufhin er sofort zusagte: "Österreicher trauen sich in Sachen Morbidität und Düsterheit viel mehr." Schalko beobachtet der Sänger und Schauspieler "schon lange". Als Favoriten nennt Bela B Braunschlag. Bei M hat er sechs Drehtage.

Er habe den Film vor ein paar Jahren zufällig gesehen und sich gefragt, wie das heute wäre, sagt Schalko. "Wir drehen keinen Krimi, bei dem es um die Frage geht, wer der Täter ist", sagt Schalko. "Es geht vielmehr um die Stadt und darum, was passiert, wenn ein Verbrechen politisch instrumentalisiert wird, was mit Milieus passiert und wie eine Vermobbung im 21. Jahrhundert passiert."

Bild einer von Angst gebeutelten Stadt

Das Thema hält Schalko für zeitgemäß, nicht nur "weil gerade ein Sicherheitspaket verabschiedet worden ist, das sehr an den Bürgerrechten nagt". Entstehen soll am Ende das Bild einer von Angst gebeutelten Stadt auf dem Weg zur totalen Überwachung, aufgeputscht durch ein Medienunternehmen, das mit dem Innenministerium kollaboriert. An der WU wird bereits die nächste Szene vorbereitet. Heute dauert der Drehtag voraussichtlich bis zwei Uhr früh. Geplanter Start von M – Eine Stadt sucht einen Mörder: 2019. In Farbe. (Doris Priesching, 30.3.2018)

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