Programmieren als Lehre: "Programmierknecht werden reicht nicht"

    30. März 2018, 06:00
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    Die Idee einer Lehre sei ansprechend, sofern sie richtig umgesetzt wird, so Renate Motschnig von der Uni Wien

    Programmieren wird es künftig unter dem Namen Coding als Lehrberuf geben. Das hat Wirtschafts- und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Rande eines Besuchs in Estland angekündigt. Heute würden viele IT-Fachkräfte das Land verlassen und etwa in die Vereinigten Staaten ziehen. Ein konkretes Datum, wann der neue Lehrberuf eingeführt werden soll, gibt es noch nicht, wie eine Sprecherin des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort sagte.

    Umsetzung ist kritisch

    Renate Motschnig, Mitarbeiterin der Fakultät für Informatik an der Uni Wien im Bereich Educational Technologies, begrüßt die Idee. "Allerdings sind für eine sinnvolle Umsetzung gewissenhaft ausgewählte didaktische Konzepte und gut ausgebildete Lehrkräfte ein Muss", sagte sie im STANDARD-Gespräch. Das müsse erst aufgebaut werden.

    Das reine Kodieren sei "nicht die einzige Kompetenz für das 21. Jahrhundert". Ein Programmierer müsse auch wissen, was eine Software bewerkstelligt, den Kontext verstehen und das Programm jeweilig anpassen können. Solche Fähigkeiten müssten mit "geschickten pädagogischen Ansätzen" vermittelt werden. "Es reicht nicht, einen Programmierkurs nach dem anderen zu absolvieren und zum 'Programmierknecht' zu werden, der nur einer Maschine mitteilen kann, was sie tun soll", sagt Motschnig.

    Nicht nur Akademiker

    Zu der Frage, ob der Beruf des Programmierers ohne Studium Sinn macht, sagt Ute Krotscheck, Sprecherin des Vereins Internet Service Providers Austria, zum STANDARD: "Auch heute schon haben bei weitem nicht alle Programmierer einen akademischen Grad. So wie der Einsatzbereich ist auch das Ausbildungsspektrum breit gefächert." Dieses reiche von der Fachschule oder EDV-Lehre über berufsbildende höhere Schulen bis hin zu einem Studium. Um auf dem Gebiet tätig zu sein, sei es aus Sicht des Vereins vor allem wichtig, gefragte Sprachen zu beherrschen, logisch denken und sauberen Code schreiben zu können.

    Einfachere Aufgaben

    Motschnig befindet, dass studierte Programmierer größere Systeme, bei denen etwa die Architektur und die Sicherheit eine große Rolle spielen, programmieren könnten. Der Lehrberuf könne hingegen einfachere Aufgaben abdecken. "Ein gelernter Programmierer würde mit den Benutzern ein Softwareprodukt durchgehen, konzipieren und ihren Bedürfnisse gerecht zuschneidern. Etwa könnte er für ein Geschäft einen Webauftritt aufstellen", so Motschnig. (muz, 29.3.2018)

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      foto: apa/afp/kirill kudryavtsev
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